Noah Lasman
Die Straße
Erinnerungen eines jüdischen Zwangsarbeiters an eine "ganz normale Firma"
1999, 160 Seiten, E-Book (PDF), 15,30 €, ISBN 978-3-8309-5706-5
Noah Lasman gelingt es, in ruhiger, fast nüchterner Ausdrucksform ein Erleben zu berichten, das im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreibbar ist. Dem Autor geht es um Informationen über die Arbeitslager deutscher Straßenbaufirmen, die im von deutschen Truppen besetzten Polen eingerichtet worden waren.
Der Dokumentarbericht bezieht sich auf die Zeit von 1941–1943, die der polnische Jude Noah Lasman im Lager 4185 der Firma Wolfer & Goebel, Stuttgart, verbringen mußte. Die SS hatte die vorher in örtlichen Ghettos zusammengepferchte jüdische Bevölkerung nach Verwendbarkeit sortiert und die Arbeitsfähigen gegen Entgelt an deutsche Firmen ausgeliehen. Diese Arbeitskräfte wurden in der Nähe der jeweiligen Straßenbaustelle in Barackenlagern unter kaum vorstellbaren Bedingungen gehalten.
Noah Lasman ist vermutlich der letzte Insasse des Lagers 4185 in Siedlce in Polen, der über diesen Bereich der Zeitgeschichte berichten kann. Daraus ergibt sich die Bedeutung dieses Buches – nicht nur für die nachfolgenden Generationen.
Die Straße ist bereits in hebräischer und polnischer Sprache erschienen.
Pressestimmen
[... ] Lasmans Erinnerungen [haben] keinen geringen Anteil daran, die Geschichte der in Osteuropa besonders grausam behandelten Zwangsarbeiter vor dem vergessen zu bewahren. [...] Der Verfasser konzentriert sich auf die Wiedergabe des historischen Geschehens. Über den Überlebenden, der seine Familie verlor und im Jahre 1957 nach Israel emigrierte, erfährt man kaum etwas. Diese Leerstelle macht den Bericht auch zu einer Quelle über die dem Holocaust folgenden Traumata. Schließlich sollte man nicht vergessen, daß die Leidensgeschichte der Überlebenden mit ihrer Befreiung nicht endete.
Aus: Militärgeschichtliche Zeitschrift. 60(2000), S.224.
" Die Bilanz eines Zwangsarbeiters bei einer Stuttgarter Firma. (...) Noah Lasman ist einer (...) [der] Überlebenden: ein polnischer Jude, der seine Erfahrungen mit der "ganz normalen Firma" Wolfer & Goebel, seine Erinnerungen an das Arbeitslager Nummer 4185 aufgeschrieben hat. (...) Lasman selbst konnte entkommen. Drei Jahre lang hat er sich in einer Waldhöhle versteckt. Nach dem Krieg emigrierte er nach Israel. 1987 hat der Geologe in Stuttgart die Zentrale seines früheren Zwangsarbeitgebers aufgesucht, wurde dort höflich abgewimmelt (...) Lasman beschreibt seine Erlebnisse in nüchternen Worten. Sein Ton ist weder larmoyant oder gar anklägerisch. Er verschweigt auch nicht Erlebnisse mit Deutschen, die sich ihm gegenüber anständig verhalten haben, weiß aber auch von Polen zu berichten, die sich ebenso schlimm wie die Nazis benahmen."
(Stuttgarter Zeitung. Nr. 274 vom 26.11.99. S. 18)
"Die Diskussion um die Entschädigung von Zwangsarbeitern hat etwas Würdeloses. Vielleicht der passende Augenblick, sich den nüchternen Bericht eines Betroffenen einmal zu Gemüte zu führen."
(Münstersche Zeitung, 13. Dezember 1999)