Kerstin Weuthen
Aufmerksamkeitsoptionen aushandeln
Eine videobasierte Studie mit Lehrenden und Lernenden im instrumentalen und vokalen Einzelunterricht
2025, Perspektiven musikpädagogischer Forschung, Band 21, 430 Seiten, broschiert, 44,90 €, ISBN 978-3-8309-4929-9
Im Einzelunterricht – sei es instrumental oder vokal – gibt es unzählige Dinge, die die Aufmerksamkeit der Schüler:innen beanspruchen: der Fingersatz, die Anweisungen der Lehrkraft, ein neues Bild für eine Bewegung, der Klang einer zweiten Stimme. Doch warum fokussieren sie bestimmte Aspekte mehr als andere? Diese empirische Untersuchung beleuchtet, wie Schüler:innen im Alter von 11 bis 15 Jahren ihre Aufmerksamkeitszuwendung während des Unterrichts reflektieren und wie ihre Lehrkräfte diesen Prozess beeinflussen. Durch videobasierte Interviews werden „Aufmerksamkeitsoptionen“ definiert – Momente und Elemente, die die Aufmerksamkeit der Lernenden besonders affizieren. Die Ergebnisse zeigen, dass Aufmerksamkeit dynamisch verhandelt wird: Lehrer:innen können Schüler:innen durch ihre Praxis neue Optionen eröffnen, deren Aufmerksamkeit kann (und muss) aber nicht grundsätzlich durch pädagogische Interventionen gelenkt oder kontrolliert werden.
Pressestimmen
Weuthen legt eine überzeugende Arbeit vor. Die Studie ist sehr sorgfältig ausgeführt und die Ergebnisse sind reichhaltig. Unter anderem eröffnet sie einen klar definierten Raum für weiterführende Fragestellungen.
Matthias Goebel, in: üben & musizieren, 5/2025, S. 59
[...] eine methodisch fundierte und theoretisch umfassend abgesicherte, präzise argumentierte und schön geschriebene Arbeit [...], die/den Leser*in mitnimmt und dessen/deren Lektüre durch generelle Anschaulichkeit (der angenehm geglätteten und subtil kommentierten O-Töne, der Fallbeispiele, der Mikroanalysen) sowie durch instruktive Zusammenfassungen im Text und ansprechende Grafiken gut unterstützt [...]. Der Anspruch, das Konzept von Aufmerksamkeit eingehend zu untersuchen und so einen zustimmungsfähigen Aufmerksamkeitsbegriff zu entwickeln, wird umfassend eingelöst, und mit dem „Aushandeln von Aufmerksamkeitsoptionen“ setzt Weuthen unwiderruflich und nachhaltig ein neues Handlungsfeld auf die instrumentaldidaktische Agenda und bereichert zugleich die Diskussion darüber, wie eine Didaktik des künstlerischen Unterrichts angesichts des Primats des Zeigens auszusähen hätte. Ihr Vorschlag, die Praktik des Zeigens im instrumentalpädagogischen Diskurs als strukturierende Kategorie zu verwenden, verdient Gehör.
Peter Röbke, in: üben & musizieren.research, Jahrgang 2026 (erschienen am: 24.2.2026).



