Jennifer LorenzTobias C. Stubbe

Nachhilfe als Mittel zum sozialen Statuserhalt

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Abstract

Diese Studie geht der Frage nach, inwiefern die soziale Herkunft von Schülerinnen und Schülern und insbesondere das Motiv des Statuserhalts, wie es von der Rational Choice Theorie vorgeschlagen wird, mit der Entscheidung für Nachhilfeunterricht in der Sekundarstufe I zusammenhängen. Angesichts des Anteils von Schülerinnen und Schülern, die in den vergangenen Jahren das Gymnasium besuchen, gehen verschiedene Forscherinnen und Forscher davon aus, dass diese Schulform ihrem langjährigen Anspruch, Familien den Erhalt ihres sozialen Status zu ermöglichen, nicht mehr gerecht wird. Wir nehmen an, dass Eltern Nachhilfe als neues Mittel einsetzen könnten, um den sozialen Status ihrer Familie zu erhalten. In Analysen mit Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) zeigt sich, dass die Entscheidung für Nachhilfeunterricht in den Klassen 5–8 mit einem Aspekt des sozialen Kapitals der Schülerinnen und Schüler zusammenhängt, nämlich mit der Unterstützung der Eltern für schulbezogene Aufgaben. Darüber hinaus zeigen sich Effekte der besuchten Schulform, eines Migrationshintergrundes und der Schulleistungen in Mathematik und Deutsch. Im Hinblick auf das Motiv des Statuserhalts fi nden wir keinen statistischen Beleg für die Annahme, dass Eltern Nachhilfe einsetzen, um ihren Status zu erhalten. Die Analysen liefern jedoch Hinweise darauf, dass Eltern von Gymnasiastinnen und Gymnasiasten Nachhilfe nutzen, um ihren Kindern einen höheren sozialen Status zu verschaffen als ihren eigenen.

Schlagworte
Nachhilfeunterricht; Soziale Herkunft; Statuserhalt; Rational Choice Theorie