EAZ – Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift


verfügbar bis Jahrgang 56

Ausgabe

53. Jahrgang, 1/2/2012

Überlegungen zum organischen Gerätetyp »Vorschaft« des europäischen Magdalénien

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Autor(en)

Sebastian Pfeifer

Abstract

E. Passemard publizierte im Jahr 1917 einen »Vorschaft« aus Geweih aus dem Inventar der Grotte d’Isturitz (Frankreich) und deutete ihn als mutmaßlichen Teil eines zusammengesetzten Projektils. Seither gibt es eine nun nahezu einhundert Jahre lang andauernde Diskussion zur Funktion dieses merkwürdigen, hauptsächlich spätmagdalénienzeitlichen Gerätetyps. Gegenwärtig sind 60 als Vorschäfte interpretierte Objekte aus 15 verschiedenen Stationen bekannt. Ihre räumliche Verbreitung deckt sich mit der des Magdalénien und erstreckt sich von Nordspanien bis nach Mähren. Nur in Isturitz kommen diese Geräte in größeren Stückzahlen vor, typisch sind ansonsten Einzelstücke innerhalb großer organischer Inventare. Eine kritische Analyse des Corpus liefert Argumente dafür, dass viele vermeintliche Vorschäfte schlicht beschädigte oder wiederzugerichtete Geschossspitzen sind. Andere sind aus solchen zu Reparaturzwecken sekundär modifiziert worden. Es gibt jedoch auch unzweifelhafte Belege von Zwischenstücken als Bindeglieder zwischen Spitze und Hauptschaft. Wozu sie gedient haben, ist nicht einfach zu beantworten, da eigentlich keine konstruktiven Vorteile gegenüber normalen Geschossspitzen bestehen. Vorschäfte können dazu gedient haben, beschädigte Spitzen zu reparieren, ein Projektil schwerer und somit effektiver zu machen, oder um die Projektile eines Satzes in Länge und Masse zu vereinheitlichen. Möglicherweise wurden sie auch zur Schäftung lithischer Projektilspitzen verwendet.
Schlüsselwörter: Magdalénien, organische Geräte, Projektiltechnologie, Vorschäfte, funktionale Interpretation

Since the first publication of an antler foreshaft as possible part of an assembled projectile from the Grotte d’Isturitz (France) by E. Passemard in 1917, there has been a lively discussion on the function of this strange, mainly Late Magdalenian tool type for almost one hundred years. Currently, 60 objects interpreted as foreshafts from 15 different sites are known. The distribution area matches that of the Magdalenian culture, reaching from Northern Spain to Moravia. Only Isturitz yielded substantial numbers of these tools. Apart from that, single pieces in big inventories are typical. A critical look at the corpus shows that many supposed foreshafts are most likely damaged or re-modified simple projectile points. Others have been modified secondarily from those. However, some pieces are without doubt real foreshafts. They may have been used for repairing damaged projectiles, making them heavier and therefore better penetrating, equalizing both length and mass of the projectiles of a set. Maybe they were also used for fastening lithic projectile points.
Keywords: Magdalenian, Osseous Tools, Projectile Technology, Foreshafts, Functional Interpretation


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