Ernst Helmut Segschneider

„The Little Red Pawnee“

Eine Kindheit in Ostpreußen, Posen, Westfalen und am Niederrhein während des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit

2011,  Rückblick,  Band 7,  228  Seiten,  gebunden,  24,90 €,  ISBN 978-3-8309-2420-3

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Wenn Ernst Helmut Segschneider sich an seine Kindheit erinnert, dann steigen vor ihm Bilder auf, die in den vielen Jahrzehnten danach nicht verblasst sind. „Little Red Pawnee“ wurde er damals von seiner Familie genannt. Die Evakuierung der Heimatstadt Eydtkuhnen/Ostpreußen und die Flucht vor der Roten Armee im Sommer 1944 rissen ihn aus seiner vertrauten Umgebung. Die intensiven Erinnerungen an die Szenarien, die sich innerhalb und außerhalb der Stadt abspielten, die Stimmungen, Menschen und die Gefühle, die Ernst Helmut Segschneider auf seiner langen Reise in den Westen begleiteten, legen ein sehr persönliches Zeugnis zu den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit ab.

Autoreninfo

Ernst Helmut Segschneider studierte ab 1958 in Marburg Germanistik, Slawistik, Geschichte, Volkskunde und Kunstgeschichte, 1969 Promotion an der Universität Bonn. Danach war er als Museumswissenschaftler am Niedersächsischen Freilichtmuseum in Cloppenburg und am Kulturgeschichtlichen Museum in Osnabrück tätig. Seine Forschungen, Ausstellungen und Publikationen wandten sich vorzugsweise Themen der Sachvolkskunde mit verschiedenen Aspekten des Brauchtums, des Handwerks und der Nahrungsforschung zu. Seit den späten 1980er Jahren näherte sich sein Forschungsinteresse kulturgeschichtlichen Aspekten der Nachkriegs- und Kriegsgefangenenthematik.

Pressestimmen

Der autobiografische Blick gilt aber nicht nur seiner eigenen Kindheitsgeschichte, die er mit einer Fülle von Details und mit genauem, oft liebevollem Blick auf die Menschen seiner Umwelt akribisch beschreibt. Ernst Helmut Segschneider nimmt auch immer wieder den Blickwinkel des Volkskundlers ein und erinnert sich als solcher an Einzelheiten des damaligen Alltags und der Festtage und hält diese in ethnografisch dichter Beschreibung fest. So sind in kleinen Szenen und Bildern tiefe Einblicke in vergangene und oft verschwundene Welten entstanden
Ruth-E. Mohrmann im Vorwort zum Buch.

Es handelt sich um eine klare, objektive Einordnung der Geschehnisse, [...] Das Werk besticht durch eine scharfe Beobachtungsgabe und die hervorragende Präzision der Erinnerungen. Aus der Gruppe vergleichbarer Schriften zu Weltkrieg und Nachkriegszeit hebt sich der Band durch detaillierte Beschreibungen zu Handwerk, Garten, Küche, Haushalt, Kleidung, Schule und Brauchtum ab. Flora und Fauna werden fachkundig erläutert. Das Lebensgefühl der Zeit vermittelt Segschneider durch zahlreiche anschauliche Anekdoten. Ein weiteres Steckenpferd des Autors ist die Sprache mit ihren niederdeutschen Idiomen. [...] [Segschneiders] wissenschaftliche Ausbildung und der berufliche Werdegang bereichern das hier rezensierte Buch mit bemerkenswerten Details, die beim Leser exakte Bilder erzeugen. Der Band liefert wichtige Beiträge für historische, insbesondere volkskundliche Forschungen, indem er vom Autor selbst erlebte Erfahrungen in ihrer Zeit genau beschreibt,[...] Diese zwei Ebenen (direkte Quelle und Analyse) werden vom Autor bewusst getrennt. Auf Zweifelsfälle in der Erinnerung wird der Leser an verschiedenen Stellen aufmerksam gemacht, wozu sich der Autor schon im Hinblick auf seine wissenschaftliche Prägung veranlasst sieht. Der Text ist an keiner Stelle politisch verklärt. Die historische Entwicklung wird als komplexer Prozess mit vielen Ursachen und Wirkungen verstanden. Segschneider [...] gelingt es, am Beispiel eines niederrheinischen Ortes anschaulich ein vortreffliches Lebensbild vor allem der frühen Nachkriegszeit zu entwerfen. Der Autor sorgt mit einer guten Portion Selbstironie und angemessenem Witz regelmäßig für heitere Momente. [...] Bei solchen autobiographischen Texten ist ein literarischer Anspruch nicht unbedingt zu erwarten. In diesem Falle ist es aber gelungen, die eigene Lebensgeschichte in einer bemerkenswerten literarischen Qualität auszudrücken. Dem Band ist eine intensive Recherche und akribische Ordnung und Einordnung der Ereignisse vorausgegangen. Er spiegelt ein breites Wissen wider und veranschaulicht das Potential volkskundlicher Analysen für die Dokumentation vergangener Lebenswelten. Alles in allem ein ehrliches, offenherziges Buch mit präzisen Informationen und einer spannenden Geschichte.
Simon Matzerath in: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde, 58. Jg./2013

Als [...] Volkskundler und Museumsmann ruft [Ernst Helmut Segschneider] Erinnerungen ins Bewußtsein zurück, die heutzutage für wissenschaftliche Fragestellungen von Interesse sind. Er hat damit eine beachtenswerte, wenn auch subjektive Quelle für den Erlebnishorizont bürgerlicher Jahrgangskohorten aus der Zeit um 1940 erarbeitet.
Günter Bers in: Das Historisch-Politische Buch, 6/2012

Ernst Helmut Segschneider war [...] Museumswissenschaftler [...] Sein Interesse galt den eher unbeachteten Themen des Alltags und seiner sozialen Ästhetik. Er konzipierte Ausstellungen, um Mode, Essen und Handwerk sinnlich erfahrbar zu machen. So sah er auch seine eigene Jugend, die Flucht aus Ostpreußen [...]
Sybil Gräfin Schönfeldt in: Literatur & Küche. 2013

„The Little Red Pawnee“ ist ein interessantes Buch [...] Anschaulich hat er seine Geschichte, die ebenso die unterschiedlichen Erfahrungen mit den einzelnen Besatzungszonen mit einbezieht, dargestellt. Seine Erzählung handelt von Erinnerungen, in denen er oft auch die Perspektive des Volkskundlers einnimmt und die Dinge aus heutiger Sicht kritisch hinterfragt.[...] Würde man eine Zeittafel hinzufügen [...] ließe sich das Buch gut im Geschichtsunterricht [...] einsetzen
Conny Linsenmeyer in: Niederrhein-Magazin, 14/2012.

Segschneider zeichnet ein authentisches Bild fernab plakativer Geschichtsschreibung, das auch den Begriff „Wirtschaftswunder“ für die Nachkriegsjahre relativiert: „Das Wunder zog beim Metzger im Parterre ein, auch beim Hausbesitzer in der Beletage. Aber unsere Flüchtlingswohnung im Dachgeschoss hat es gemieden, wohl weil ihm die beiden letzten Treppen zu steil waren.
Heiner Beinke in: Bramscher Nachrichten vom 25. März 2011.

Anschaulich berichtet er von dem kleinen Dorf, der Lebensweise der Menschen, kleinen und großen Begebenheiten, Traditionen und Bräuchen. Er lässt alte Begriffe in Mundart einfließen, und so entstand ein lebendiges Stück Heimatgeschichte. So mancher ältere Einwohner erkennt sich in diesem Buch.
Aus: Jülicher Nachrichten.

Segschneiders vom frühen Verlust der Eltern, Evakuierung und Vertreibung geprägte Lebensgeschichte ist durchaus exemplarisch für viele Kinder seiner Generation. [...] Das Buch ist [...] völlig frei von revanchistischen Untertönen. Segschneider lässt keine Zweifel daran, wer diesen mörderischen Krieg entfesselt und so viel Leid auch über seine Familie gebracht hat. Dass „The Little Red Pawnee“ dennoch keine niederschmetternde, zutiefst deprimierende Lektüre ist, liegt daran, dass der Autor auch die unschuldigeren, heitereren Momente der Kindheit nicht aus dem Blick verliert und seine Verwandten und seine Umgebung mit durchaus liebevollem Blick porträtiert.
Andreas Balzer in: Der Patriot vom 22.8.2011