Das Erbe der Morloks

Anne-Christin Lux

Das Erbe der Morloks

Untersuchungen über das Wirken einer Heilerdynastie im Nordschwarzwald

2017,  Mainzer Beiträge zur Kulturanthropologie / Volkskunde,  Band 14,  422  pages,  hardcover,  mit zahlreichen Abbildungen,  44,90 €,  ISBN 978-3-8309-3655-8

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Diese Untersuchung wurde durch die Entdeckung eines außergewöhnlichen Corpus von Handschriften aus dem 18. und 19. Jahrhundert inspiriert. Gefunden wurde es auf einem alten Bauernhof im Nordschwarzwald. Dort hatte man das Konvolut – bestehend aus Rezepturen, Segen, Beschwörungsformeln, Amuletten sowie magisch-sympathetischen Anweisungen – einst sorgsam versteckt. Wie man weiß, stammt es aus dem Besitz der Familie Morlok, von der sich einzelne Vertreter bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts als Heiler bzw. Laienbehandler betätigten. Ihr vor Ort nicht in Vergessenheit geratenes Wirken wurde nach dem Schriftenfund medial rasch aufgegriffen und erregte bald überregionale Aufmerksamkeit. Die Studie über „Das Erbe der Morloks“ widmet sich daher nicht nur den historischen Papieren und ihren früheren Besitzern, sondern auch der gegenwärtigen Rezeption der Heiler-Vergangenheit und ihrer medialen Inszenierung. Dabei erfahren die aufgefundenen Schriften eine sorgsame Interpretation sowie weiterführende Kontextualisierung und werden darüber hinaus in ihrer zeitgenössischen Wirkung analysiert.

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Was hinterlassen die Morloks? „Sicher ein Stück Identität für die Menschen. Und ein bisschen geschichtlichen Grusel“, sagt die Kulturwissenschaftlerin Anne-Christin Lux, die sich für ihre Doktorarbeit über Jahre in die Tiefen der Naturheilkunde und des Murgtals begibt. Die Morloks sind seit eh und je ein Phänomen, dem sich Gelehrte wie der Mitteltaler Pfarrer Eugen Reiff (um 1904), der Baiersbronner Lehrer Georg Haag (in den 1950ern) oder die Offenburger Germanistin Hedwig Buß (in den 1980ern) zu nähern versuchen. Sie tragen zusammen, was über die Morloks zu finden ist, interviewen Leute aus dem Dorf, Zeitzeugen und deren Angehörige. [...] Wobei in allen Erzählungen, selbst in den Handschriften, immer vage bleibt, um welchen Morlok es sich gerade handelt. Sohn, Vater, Großvater verschmelzen zu einer Figur: dem Morlok.
Robin Szuttor, in: Stuttgarter Zeitung 11./12. Mai 2019, S. 32.

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