Peter Eschenloer<br />Geschichte der Stadt Breslau

Gunhild Roth (Editor)

Peter Eschenloer
Geschichte der Stadt Breslau

Herausgegeben und eingeleitet von Gunhild Roth

2003,  1120  pages,  E-Book (PDF),  in zwei Bänden,  62,90 €,  ISBN 978-3-8309-6253-3

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Peter Eschenloers Geschichte der Stadt Breslau entstand zu einer Zeit, die durch die Auseinandersetzungen um den böhmischen König Georg von Podiebrad geprägt war, der als Anhänger der Lehren des Jan Hus von den katholischen Ländern und Städten als König nicht akzeptiert wurde. Peter Eschenloer war Stadtschreiber in Breslau von 1455 bis zu seinem Tod 1481. Er hat seine Chronik zunächst lateinisch verfasst (Historia Wratislaviensis) und dann eine volkssprachige Bearbeitung und Fortsetzung angeschlossen. Der Berichtszeitraum dieser Geschichte der Stadt Breslau umfasst die Jahre 1439 bis 1479 und ist zum größeren Teil aus der Rückschau geschrieben.

Die Streitigkeiten zwischen Papst und böhmischem König einerseits, Untertanen und König andererseits sowie pro- und anti-hussitischer Bevölkerung führten zu heftigen, auch kriegerischen Auseinandersetzungen in Böhmen und Schlesien, die auch nach Georgs Tod und unter dem neuen König Matthias Corvinus kein Ende nahmen. Besonders die Einwohnerschaft Breslaus war gegen Georg von Podiebrad eingestellt, während Rat, Bischof und Domkapitel eher gemäßigte Positionen einnahmen. Durch seine Bewertung der gerade berichteten Ereignisse hinsichtlich ihrer Folgen für die Zukunft - das ist die Gegenwart der Abfassungszeit - hält Eschenloer dieser Bürgerschaft einen Spiegel vor und weist sie auf ihre Schuld an der Misere hin, teils mit sehr persönlich gefärbten Kommentaren.

Das Besondere an Eschenloers Chronik ist, dass aus einer sehr subjektiven Sicht die höchst detailliert ausgeführte Geschichte einer eng begrenzten Region - Schlesien bzw. Breslau - für einen überschaubaren Zeitraum (rund 40 Jahre) geboten wird, die neben einem historischen Rückblick vor allem als Lehre und Ermahnung zu bürgerlicher Eintracht und Rücksicht auf das Gemeinwohl verstanden werden soll.

Die Edition beruht auf den beiden mittelalterlichen Handschriften, die erst nach der Ausgabe durch J.G. Kunisch von 1827/28 wiedergefunden wurden. Daher bietet sich dem Leser nun die vom Autor intendierte Fassung und nicht mehr die Bearbeitung der frühen Neuzeit, die vor allem durch etliche Kürzungen den Text entstellte.

Quellen und Darstellungen zur schlesischen Geschichte, Band 29

press

Das solide, 30 Seiten umfassende Personen- und Ortsregister sowie das Register für Sachbegriffe erleichtern die Handhabbarkeit dieser vorzüglichen Quellenedition, die nicht nur den an der Hussitenzeit Interessierten unbedingt empfohlen sei.
Rainer Aurig in: Niederlausitzer Studien, Heft 34, 142-143

von Gunhild Roth erstmals kritisch ediert und mit einer ebenso sachkundigen wie ausführlichen Einleitung versehen [...] Roths exzellenter Edition
Eduard Mühle in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht. 2/2008.

[...] Umso dankbarer kann man für die vorliegende Edition von Gunhild Roth sein, die ein hervorragendes Zeugnis deutscher Stadtchronistik des 15. Jahrhunderts in einer zuverlässigen und zudem noch verhältnismäßig preiswerten Ausgabe zugänglich gemacht hat.
Enno Bütz in: Neues Archiv für sächsische Geschichte 78 (2007), S. 387f.

Die anzuzeigende Edition eblegt erneut, dass mittelalterlich-neuzeitliche Stadtchroniken als histographische Quellen einerseits für die behandelte Kommune und deren Weichbild von größtem Interesse sind und andererseits auch für die näheren und weiteren Regionen wichtige ergänzende und gelegentlich relativierende Informationen enthalten. Vielfältig sind die Beziehungen und Hinweise in dieser voluminösen Chronik zur Ober-, aber auch zur Niederlausitz.
(...)Das solide, 30 Seiten umfassende Personen- und Ortsregister sowie das Register für Sachebgriffe erleichtern die Handhabbarkeit dieser vorzüglichen Quellenedition, die nicht nur den an der Hussitenzeit Interessierten unbedingt empfohlen sei.
Dr

Wie Gunhild Roth die Textgeschichte und den Überlieferungsstand präsentiert, ist vorbildlich und vorzüglich. Sie vermag die Mängel von Kunischs alter Ausgabe überzeugend darzulegen. [...] Roths Ausgabe basiert auf den beiden ältesten, noch ins 15. Jh. gehörigen Textzeugen. [...] Roths Handschriftenbeschreibung setzt Maßstäbe und dürfte einen guten Ankerpunkt bilden für weitere systematische Erschließungen der Handschriftenbestände des altschlesischen und -böhmischen Raums. Das gilt auch für die Transkription der Leithandschrift, die bis in orthographische Eigenheiten hinein so exakt ist, daß sie sich nach der erklärten Absicht der Herausgeberin auch als "Untersuchungsmaterial für den schlesischen Sprachstand des späten 15. Jahrhunderts" eignet. [...] Die vorliegende Ausgabe bietet einen sicheren Text und gibt vielleicht Anstoß dazu, die deutschsprachigen Handschriftenbestände in Polen, die seit Jahrzehnten unbeachtet in Bibliotheken und Archiven liegen, systematisch zu sichten und zu sichern.
Hartmut Kugler in: ZfdA, Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, Bd. 134, Heft 4, 2005, S. 539ff.

Mehrere Register, unter denen besonders das Sachreg. hervorzuheben ist, erschließen die Edition, die dem lesenswerten Werk neue Beachtung verschafft.
Frieder Schanze in: Germanistik, Bd. 46 (2005), Heft 1/2, S. 248f.

... besonders wertvoll. [...] Sie ist für die Breslauer Stadtgeschichte von großer Bedeutung, darüber hinaus aber auch für die Stadtgeschichte Schlesiens im Spätmittelalter und die Geschichte der deutschen Ostgebiete.
Immo Eberl in: Die alte Stadt. Zeitschrift für Stadtgeschichte, Stadtsoziologie, Denkmalpflege und Stadtentwicklung, 32. Jg., Heft 3/2005, S. 270f.

This is an excellent and welcome critical edition of one of the most important late medieval chronicals in late medieval Europe. [...] Roth has done momentous work and a tremendous service by making this critical edition availiable and so accessible.
Dean Philip Bell in: H-Net-Reviews, Januar 2005; URL: http://www.h-net.msu.edu/rewiews/showrev.cgi?path=322081116616394.

Im Gegensatz zu vielen anderen Chroniken ihrer Zeit hatte Eschenloer seine subjektive Sicht der Dinge in den Text bewusst miteingebracht, wobei er mit Kritik an der eigenen Bürgerschaft nicht spart. Dieser Umstand verleiht dem Text eine besondere Farbigkeit und Lebensnähe.
Andreas Weigl in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. 113. Band. H. 1-2/2005. S. 230f.

Es sei jedem, der sich mit der Hussitenzeit in der Oberlausitz beschäftigt, unbedingt empfohlen.
Gunter Oettel in: Neues Lausitzisches. S. 165 f.

Diese vorbildliche und verdienstvolle Edition stellt die berühmte Chronik des Breslauer Stadtschreibers Peter Eschenloer (+1481) in [der] ursprünglichen Fassung vor (die Ausgabe von J.G. Kanisch aus den Jahren 1827/28 beruhte auf teilweise sinnentstellenden neuzeitlichen Bearbeitungen). Mit der vorliegenden Edition wurde ein wichtiges Desiderat der schlesischen und europäischen Mediävistik in bespielhafter Weise erfüllt.
Aus: Silesia Nova 2 (2004), S. 109.

Die Edition von Eschenloers Chronik war überfällig. [...] (Die Editorin) versucht in der Aufbereitung des Textes nicht nur den Bedürfnissen von Historikern, sondern auch von sprachgeschichtlich interessierten Germanisten gerecht zu werden. [...] Darüber hinaus führt die Editorin in einem gut 140seitigen Vorspann die mit der Chronik verbundenen Forschungsprobleme vor Augen und klärt, was nach heutigem Forschungsstand zu klären ist. [... Es] liegt eine sorgfältig gearbeitete Edition vor, die mit ihrer Orientierung an der Hs. IV F 151a der UB Breslau/Wroclaw als autornächster ma. Hs. eine solide Grundlage für die kommende Auswertung der Quelle bietet.
Thomas Wünsch in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters. Bd. 60. 1 (2004), S. 300.

Der aus Nürnberg gebürtige Peter Eschenloer [...] unisono als der wichtigste mittelalterliche Chronist Schlesiens bezeichnet [...] auch seine detailfreudige Chronik [...] wurde immer wieder von der Historiographie herangezogen. Umso erstaunlicher ist somit, dass ausgerechnet das genannte Hauptwerk der Wissenschaft bisher lediglich in einer gekürzten, in der Schreibweise modernisierten, teilweise fehlerhaften [...] Ausgabe [...] zur Verfügung gestanden hat [...] Dieser Mangel ist nunmehr behoben: Die Münsteraner Germanistin Gunhild Roth hat sich der nicht geringen Mühe unterzogen, den vollständigen Text [...] weitestgehend ohne Normalisierungen nach der autornächsten Handschrift [...] kritisch zu edieren. [...] Den größten Teil der sachkundigen Einleitung nehmen Ausführungen zu den Überlieferungen und zu den Editionsprinzipien ein; hinzu kommen knappere Kapitel zu Leben und Wirken Eschenloers - mit dankenswerten Ergänzungen zu den bisherigen Erkenntnissen - [...] Ein detailliertes Personen- und Ortsregister sowie ein umfangreiches Verzeichnis der Sachbegriffe erleichtern den Zugang zu der immensen Materialmenge
Winfried Irgang: sehepunkte 3 (2003) Nr. 11. URL: www.sehepunkte.historicum.net/2003/11/4335.html