Nadja Neuner-Schatz
Tierwohl in Tirol
Eine Ethnographie der Rinderhaltung in den Alpen
2026, Innsbrucker Schriften zur Empirischen Kulturwissenschaft, Band 7, 350 pages, paperback, 44,90 €, ISBN 978-3-8188-0203-5
„Die Gesellschaft fordert mehr Tierwohl“ – so oder ähnlich lauten seit den 2010er Jahren Schlagzeilen im Tierwohldiskurs.
Diese Studie zeigt, wie Tierwohl als Auftrag an die Nutztierhaltung hervorgebracht wurde und was das für die alpine Rinderhaltung bedeutet. Ausgewertet wurden dazu historische Quellen und empirische Daten aus teilnehmenden Beobachtungen, (auto)ethnographischen Erfahrungen, narrativen Interviews und informellen Gesprächen sowie 445 österreichische Pressemeldungen aus den Jahren 2000 bis 2019. Die alpine Rinderhaltung erweist sich dabei als anpassungsfähiges Ensemble, das seit dem Ende des 19. Jahrhunderts agrarpolitisch durchorganisiert wurde und bis ins 21. Jahrhundert mehrere Liberalisierungsschübe erfuhr. Angesichts der Tierwohlforderung gelingt es der alpinen Rinderhaltung, gemeinhin nachteilig bewertete Bedingungen zu ihrem Vorteil zu wenden. Das wird anhand der Beschreibung typischer Praktiken und lebensweltlicher Geschichten der interviewten Rinderhalter*innen deutlich.