Rebecca Weckenmann
Mehrsprachigkeit disziplinieren
Rekonstruktion sprachbezogener Aushandlungsprozesse in der Grundschule
2026,
BildungsWelten Grundschule – Heterogenität gestalten,
Band 9,
284 pages,
paperback,
34,90 €,
ISBN 978-3-8188-0122-9
.doi: https://doi.org/10.31244/9783818851224
In Migrationsgesellschaften sind Grundschulen zentrale Orte sprachlicher Heterogenität. Sie schaffen Handlungsbedingungen für mehrsprachige Akteur:innen, wirken aber zugleich selbst an der (Re)Produktion sprachlicher und sprachbezogener Normen und Hierarchien mit. (Mehr)Sprachigkeit wird in Bildungsinstitutionen noch immer defizitorientiert und eng verwoben mit Migration entlang der Dichotomie »einheimisch« versus »nicht-einheimisch« gedacht. Damit verbunden sind – oft implizite – Regeln darüber, wer wie in welchem Rahmen (nicht) spricht und welche Sprachen (un)sichtbar bzw. (un)hörbar sind. Ausgehend von einem qualitativ-rekonstruktiven Zugang und einem ethnographisch-situationsanalytischen Forschungsdesign untersucht die Autorin, wie Kinder diese Regeln wahrnehmen, bearbeiten und mitunter auch modifizieren. Anknüpfend an Michel Foucault zeigt die Rekonstruktion von (Mehr)Sprachigkeit als gemeinsam erlebter Situation, dass Drittklässler:innen in einer Ganztagesschule normierendes Sprechen und überwachende Blicke als ununterbrochene Überprüfungssituation erleben, sich sprachlich anpassen und zugleich eigene sprachliche Handlungsspielräume aushandeln. Ein gewinnbringender Impuls für eine mehrsprachigkeitsreflexive Grundschulentwicklung.