Martin HeinrichChristiane FallerNina Thieme

Neue alte Bildungsungleichheit durch professionskulturellen Dissonanzausgleich in differenziellen Lernmilieus?

Zum möglichen Einfluss von Struktur- und Kompositionseffekten und schulkulturellen Institutionen-Milieu-Passungen auf Deutungen von Lehrkräften und Professionellen der Sozialen Arbeit

Kurzlink: https://www.waxmann.com/artikelART101425

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Abstract

Nach den PISA-Studien entstanden viele unterschiedliche Deutungen über die Gründe dafür, weshalb das deutsche Schulsystem Bildungsungleichheiten verstärkt (Kap. 1). Neben tendenziell monokausalen Deutungen existieren als zwei ausdifferenzierte Erklärungsansätze die quantitativ operierenden Studien zu Struktur- und Kompositionseffekten sowie die dem Paradigma qualitativer Sozialforschung entstammenden Untersuchungen zu schulkulturellen Institutionen-Milieu-Passungen. Im Kontext der Diskussion dieser Erklärungsmodelle wird die Hoffnung formuliert, durch multiprofessionelle Teams den Ungleichheit stiftenden Effekten Abhilfe schaffen zu können, indem diese die Widersprüchlichkeit der Institution Schule – gleichzeitig Ort der Förderung persönlicher Entwicklung und Selektionsagentur zu sein – besser zu bearbeiten helfen (Kap. 2). Im Beitrag wird anhand von Fallstudien (Kap. 3-5) der Frage nachgegangen, inwieweit die Hoffnung auf die positiven Effekte unterschiedlicher Professionskulturen berechtigt sein könnte oder inwiefern nicht durch Dissonanzausgleiche in den Deutungen der Professionellen erneut davon auszugehen ist, dass schulformspezifische und/oder schulkulturelle Passungsverhältnisse durchschlagen, so dass eben jene Schülerinnen und Schüler weiterhin benachteiligt werden, die schon jetzt im Schulsystem nicht die ausreichende kompensatorische Unterstützung erhalten.

Schlagworte
Bildungsgerechtigkeit, Profession, Ganztagsschule, Schulsozialarbeit, multiprofessionelle Teams