Elisabeth MauéClaudia DiehlStephan Schumann

Junge Geflüchtete in Vorbereitungsklassen: Wem gelingt der nächste Schritt?

Kurzlink: https://www.waxmann.com/artikelART104379
.doi: https://doi.org/10.31244/jero.2021.01.04

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Abstract

Seit 2015 ist eine große Anzahl Geflüchteter nach Deutschland gekommen. Viele von ihnen, insbesondere junge Menschen, besuchen sogenannte Vorbereitungsklassen an beruflichen Schulen. Ziele dieser Klassen sind vor allem der Erwerb von Deutschkenntnissen und die Vorbereitung auf eine spätere Berufsausbildung. Der vorliegende Beitrag untersucht (1) die Übergänge junger Geflüchteter nach der Vorbereitungsklasse und (2) welche Faktoren den Übergang in einen Regelbildungsgang vorhersagen. Zu den ersten zwei Messpunkten einer Längsschnittstudie (t1 in der Vorbereitungsklasse für Geflüchtete, t2 ein Jahr später) befragten wir 333 junge Geflüchtete im Südwesten Deutschlands (82% männlich; Durchschnittsalter = 18.9 Jahre). Zu den Instrumenten gehörten ein Online-Fragebogen, ein Online-Test der kognitiven Fähigkeiten und ein Online-Test der Deutschkenntnisse. Etwa 37 Prozent wiederholten die Vorbereitungsklasse, während 60 Prozent in einen Regelbildungsgang übergingen. Die Deutschkenntnisse zum ersten Messzeitpunkt sowie Kontakte zu Flüchtlingshelfer*innen (t1) erhöhen die Wahrscheinlichkeit auf den Übergang in einen Regelbildungsgang signifikant. Andere Indikatoren wie der Bildungshintergrund der Geflüchteten und ihrer Eltern, die Persönlichkeit, Motivation und Aspirationen hatten keine signifikanten Auswirkungen. Die Befunde können als primäre (Sprachkenntnisse) und als sekundäre Effekte der ethnischen Herkunft (Informationen über das Bildungssystem durch Kontakte zu Einheimischen) interpretiert werden.

Schlagworte
Geflüchtete; Berufliche Bildung; Übergangssystem; Integration; Deutschkenntnisse