Christoph HomuthElisabeth LiebauGisela Will

Der Einfluss sozioökonomischer, kultureller und struktureller Faktoren auf den Kindertagesstättenbesuch von geflüchteten Kindern

Kurzlink: https://www.waxmann.com/artikelART104377
.doi: https://doi.org/10.31244/jero.2021.01.02

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Abstract

Bisherige Studien haben gezeigt, dass ethnische Bildungsungleichheiten bereits vor der Einschulung entstehen. Es wurde gezeigt, dass insbesondere für Lernende mit Migrationshintergrund eine frühe Bildungsbeteiligung einen positiven Einfluss auf die späteren Bildungsergebnisse hat, wobei der Erwerb der Sprache des Aufnahmelandes einer der Hauptmechanismen für diesen Effekt ist. Mit der Zuwanderung von über einer Million Schutzsuchenden nach Deutschland in den letzten Jahren ist die Integration von Migrantenkindern, insbesondere von geflüchteten Kindern, in das Bildungssystem bildungspolitisch aktueller denn je. Erste empirische Befunde zur frühkindlichen und vorschulischen Bildung von Geflüchteten haben gezeigt, dass zwar ein erheblicher Anteil der geflüchteten Kinder eine Kindertagesstätte besucht, ihre Betreuungsquoten sind jedoch geringer als die von einheimischen und anderen Migrantenkindern. In diesem Beitrag soll untersucht werden, ob Ungleichheiten in der frühen Bildung von geflüchteten Kindern durch verschiedene sozioökonomische und migrationsspezifische Faktoren erklärt werden können, von denen aus der Literatur bekannt ist, dass sie mit Ungleichheiten im Kindertagesstättenbesuch einhergehen, und ob zusätzliche flüchtlingsspezifische Faktoren die Wahrscheinlichkeit den Besuch einer Kindertagesstätte beeinflussen. Mit Daten aus der IAB-BAMFSOEP-Befragung von Geflüchteten in Deutschland und der Studie Refugees in the German Educational System (ReGES) zeigen wir, dass bekannte Determinanten den Kindertagesstättenbesuch von geflüchteten Kindern tatsächlich beeinflussen. Neben dem Alter der Kinder sind vor allem der Erwerbsstatus der Mutter und die Dauer des Aufenthalts in Deutschland von Bedeutung. Wir sehen jedoch regionale Unterschiede in der frühkindlichen Bildungsbeteiligung, die nicht durch das kommunale Kinderbetreuungsangebot erklärt werden können.

Schlagworte
Geflüchtete, frühe Bildung, vorschulische Bildung, Kindertagessstätte, soziale Ungleichheit