EAZ – Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift


verfügbar bis Jahrgang 56

Ausgabe

52. Jahrgang, 2/2011

Wissenschaftsgeschichte der Archäologie: Ansätze, Methoden, Erkenntnispotenziale

Jenseits der Chronologie? Zeit im Museum

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Autor(en)

Kerstin Pannhorst

Abstract

Museen sind auf das Engste mit der Dimension Zeit verbunden. In der Ausstellungspraxis stellt das Darstellen von Zeit und von Zeitspannen eine Herausforderung dar. Dies gilt insbesondere bei Ausstellungen, die sich mit großen Zeitspannen auseinandersetzen. Bei archäologischen, menschheitsgeschichtlichen oder evolutionären Inhalten liegen die dargestellten Zeitspannen fern der Alltagserfahrung des Besuchers und sind daher nicht leicht zu begreifen, wie eine Besucherbefragung veranschaulicht. Um sich dem Thema der Zeitdarstellung zu nähern, wird von der Frage ausgegangen, wie Menschen Zeit wahrnehmen. Ein Modell aus der Kognitionswissenschaft geht davon aus, dass unser Verständnis abstrakter Begriffe wie der Zeit metaphorisch strukturiert ist. Unser Gehirn überträgt eigene, körperliche Erfahrungen auf das, was wir nicht direkt erfahren können. So sind Zeit und Raum in unserem Gehirn nicht zu trennen. Drei kognitive Metaphern der Zeit werden vorgestellt: Zeit als bestimmte Richtung, Zeit als bewegte Entität und Zeit als unbewegte Landschaft. Der Kulturvergleich veranschaulicht die Funktionsweise dieser Metaphorik. Anschließend zeigen Beispiele aus verschiedenen Ausstellungen, wie diese gedanklichen Metaphern angewandt werden. Die Beschäftigung mit diesem kognitiven Modell kann Ausstellungsmachern eine neue Perspektive auf bestehende Ausstellungen ermöglichen und hoffentlich Impulse für zukünftige Ausstellungen geben.
Schlüsselwörter: Zeit; Museum; Ausstellung; Metaphorik; Kognitionswissenschaft; Evolution; Ethnolinguistik

Museums as a form of “Time Machine” are deeply connected with the dimension of time. Yet the question of how to display time and time spans poses a challenge in designing exhibitions, especially exhibitions pertaining to large time spans such as those involved in evolution. In search of an approach to this topic, the visitor makes a good point of reference, i.e. the question of how humans perceive and process time. Research in cognitive linguistics has shown that our understanding of abstract notions such as time is metaphorically structured. Our mind uses what we can experience ourselves as a model for understanding what we cannot experience directly. In this way, time and space are inseparable in our mind. Three models are presented: time as having a certain direction, time as a moving entity, and time as a landscape featuring a moving ego. These models allow exhibition makers a new perspective on existing exhibitions, and will hopefully also provide impulses for future exhibitions. In exhibitions showing objects of (pre)historic times, time is usually the main structuring element. It is argued that this does not necessarily have to be restricted to chronological presentations, as time can be used more creatively in exhibition design in order to better engage visitors.
Keywords: time; museum; exhibition; metaphor; cognitive science; evolution; Linguistic Anthropology


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