EAZ – Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift


verfügbar bis Jahrgang 56

Ausgabe

52. Jahrgang, 2/2011

Wissenschaftsgeschichte der Archäologie: Ansätze, Methoden, Erkenntnispotenziale

Mit Lanzetten durch den practical turn
Zum Wechselspiel zwischen Mensch und Ding aus archäologischer Perspektive

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Autor(en)

Kerstin P. Hofmann Stefan Schreiber

Abstract

Über die Funktion und Bedeutung der als Leitform des Nordischen Kreises angesprochenen jungbronzezeitlichen Lanzetten wird seit langem kontrovers diskutiert. Auffällig ist jedoch, dass der konkrete Umgang mit den Lanzetten bislang kaum thematisiert wurde. Daher wird im vorliegenden Aufsatz, dem practical turn der Kulturwissenschaften folgend, das Wechselspiel zwischen Menschen und Dingen untersucht und ein Modell vorgestellt, welches erlaubt, Menschen und Dinge aufeinander bezogen in sozialen Praktiken symmetrisch zu beschreiben. Es gilt, die Materialität, den Eigensinn und die Affordanz der Dinge in Beziehung zu dem Wissen, der Eignung und der Kompetenz der Menschen zu setzen. Im Anschluss werden die Möglichkeiten und Grenzen eines solchen Ansatzes am Beispiel der Lanzetten erörtert. Die Lanzetten sind sehr widerspenstige Dinge. Ihre potentiellen Verwendungen können zwar mit Hilfe von Affordanz und Eigensinn umrissen werden, die tatsächlichen, in den archäologischen Fundkontexten überlieferten Praktiken sind aber weitgehend auf ihre Deponierung im Grab beschränkt. Aufgrund ihrer geringen physikalischen Tauglichkeit und ihrer zahlreichen Bedeutungsübertragungsangebote liegt vor allem eine Verwendung als Ikon nahe. Die Artefaktkategorie ›Lanzette‹ erwies sich für praxeologische Untersuchungen letztlich jedoch als ungeeignetes archäologisches Konstrukt. Die ergänzende praxeologische Perspektive führt unweigerlich zum Hinterfragen von Klassifikationen und statt einer einseitigen Fokussierung auf die Herstellungsintention zur stärkeren Berücksichtigung des Umgangs mit den Dingen. So werden neben quellenkritischen Überlegungen neue Fragen und bisher unbeachtete Probleme aufgeworfen, aber vor allem ein besseres Verständnis der komplexen Mensch-Ding-Beziehungen gefördert.
Schlüsselwörter: material culture studies, practical turn, Lanzetten, Bronzezeit, Dinge, Affordanz

The function and the meaning of lancets, a key-type of the Late Nordic Bronze Age, have long puzzled archaeologists resulting in an ongoing and often controversial discussion. However, the actual handling of lancets has rarely been addressed. In accordance with the practical turn in cultural studies, this article examines the interrelationship between humans and things while proposing a model for symmetrically describing these and their connections within social practices. Materiality, Eigensinn, and affordance of things need to be correlated with knowledge, fitness and skills of humans. Following this, the article discusses the potential benefits as well as the limitations resulting from such an approach. Lancets are ›unruly‹ things. While their potential use can be outlined with regard to their affordance and Eigensinn, their almost exclusively use proven in the archaeological record is as part of grave depositions. Due to the very limited physical capabilities of lancets teamed with their almost boundless ability to convey or to be imbued with various meanings, they may well be used as icons. For praxeological examinations, the artefact category of lancets proves unsuitable in the end. The application of a praxeological perspective inevitably challenges existing classifications. Rather than focussing on the intentions of production this approach takes into account the actual handling of things. Furthermore, along with source criticism new questions and unnoticed problems are being raised. The crucial point is that this approach leads us to a better understanding of the complex relationships between humans and things.
Keywords: material culture studies, practical turn, lancets, Bronze Age, things, affordance


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