EAZ – Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift


verfügbar bis Jahrgang 56

Ausgabe

51. Jahrgang, 1/2/2010

Körpergewicht und BMI bezeugen einen hohen Lebensstandars im europäischen Mittelalter

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Autor(en)

Frank Siegmund

Abstract

Die in der Evolutionsbiologie entwickelten Formeln zur Schätzung des Körpergewichts anhand des Femurkopfes (Ruff u. a. 1991; McHenry 1992; Grine u. a. 1995; Auerbach/ Ruff 2004) werden im folgenden Beitrag systematisch auf mittelalterliche Skelettserien aus Mitteleuropa angewendet. Für 33 Serien des 4.–15. Jahrhunderts mit insgesamt 1349 geschlechts- und altersbestimmten Individuen (718 Männer, 631 Frauen) werden das Körpergewicht, die Körperhöhe und der Body Mass Index (BMI) geschätzt. Eine Diskussion der Schätzformeln lässt die Spanne möglicher Fehler erkennen sowie jene Lösung, die der historischen Wirklichkeit am nächsten kommt. Danach lag im Mittelalter das mittlere Körpergewicht der Männer bei 71 kg, der Frauen bei 59 kg, der mittlere BMI bei 25,5 bzw. 24,5. Diese Ergebnisse lassen auf einen guten Lebensstandard im Untersuchungszeitraum schließen. Die Schätzergebnisse werden differenziert nach Alterskohorten, sozialen Statusgruppen und einzelnen Zeitabschnitten innerhalb des Mittelalters. Vom Früh- zum Spätmittelalter wuchs der BMI im Mittel um 1,0 (♂) bzw. 1,1 (♀) kg/m2, da die Menschen zugleich im Mittel um 3,2 (♂) bzw. 2,9 (♀) cm kleiner wurden. Der Vergleich von Körperhöhe, Gewicht und BMI zeigt an, dass im frühen Mittelalter Kinder und Jugendliche einen höheren Lebensstandard hatten als im 8.–15. Jh. Der sehr unterschiedliche Reichtum der Grabbeigaben in der Merowingerzeit hängt bei den im erwachsenen Alter Verstorbenen nicht mit einem unterschiedlichen Lebensstandard zusammen.
Schlüsselwörter: Körpergewicht; BMI; Sozialgeschichte; Wirtschaftsgeschichte; Mittelalter

Body mass (BM) and body mass index (BMI) are often used as proxies for biological standard of living, and in medicine to identify weight related health risks. In archaeology, BM estimation was applied to early hominines (Ruff u. a. 1991; McHenry 1992; Grine u. a. 1995; Auerbach/Ruff 2004), but only exceptionally to individuals from agricultural populations (Ruff u. a. 2006). The present study applies four BM estimation formula based on femoral head to a systematic collection of medieval populations (4th–15th c. AD ) from Central Europe (33 series, 1349 individuals with known sex and age, i.e. 718 males, 631 females). The comparison of the estimations indicates the span of possible errors and shows the most plausible solution, given by the combination of BM estimation after Auerbach/ Ruff (2004) and stature estimation after Pearson (1899). The mean body mass of males in medieval times was 71 kg, of females 59 kg, mean BMI was 25.5 resp. 24.5, which indicates a good standard of living. The results are differentiated among age groups, social groups and periods within medieval age. The mean BMI increased significantly from early to late medieval times by 1.0 (♂) resp. 1.1 (♀), which was caused by a reduction of mean stature of 3.2 cm (♂) resp. 2.9 cm (♀). Comparison of BM, stature and BMI demonstrates a higher standard of living for subadults in Early Medieval time compared to 8th to 15th century. Different social groups within adults, as indicated by the early medieval grave goods, show no significant differences in BMI.
Keywords: Body Mass; Body Mass Index; Social History; Economic History; Medieval Europe


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