EAZ – Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift


verfügbar bis Jahrgang 56

Ausgabe

51. Jahrgang, 1/2/2010

Die Bedeutung von Narrativität für die Historie: Ein Versuch anhand von zwei Beispielen aus der Antike

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Autor(en)

Charlotte Schubert

Abstract

Am Beispiel der Atthidographen als einer vorgeblich annalistisch-chronistischen »Lokalhistorie« und der antiken Chroniken lässt sich zeigen, welche Bedeutung der Narrativität heute in der Einschätzung und Bewertung der griechischen Historiographie zukommt. Die derzeit zu beobachtende Neubewertung im Verhältnis von Historie und Narrativität lässt sich in eine generelle Tendenz einordnen, die Formen der historiographischen Darstellungsweise anders und weniger hierarchisch zu klassifizieren (so etwa in dem von H.-J. Gehrke vorgeschlagenen Begriff der intentionalen Geschichte). Insbesondere die von Hayden White betonten Zusammenhänge von Form und Inhalt im Hinblick auf die Bewertung von Organisation des Materials und inhaltlicher Kohärenz haben zu beachteten Vorschlägen geführt, die die herkömmliche Gegenüberstellung von Annalen und Chroniken zu der Historie in ein neues Verhältnis zu setzen erlauben. So sind Annalen und Chroniken, obwohl ihnen die bisher als entscheidend für die Sinnherstellung einer historischen Kohärenz bewertete Narrativität in der Darstellung fehlt, dennoch als eigenständige Alternativen zum vollständig entwickelten Diskurs zu sehen. Am Beispiel der Darstellung, die die attische Urgeschichte bei den Atthidographen erhält, sowie dem Chronicon Romanum soll gezeigt werden, welche Arten von Sinnbildung einer annalistisch-chronistischen Darstellungsweise historische Kohärenz verleihen.
Schlüsselwörter: Historiographie; Atthidographen; Chroniken; Philochoros; Chronicon Romanum; Hayden White

The examples of the Atthidographers (exemplified here by Philochoros) as a supposedly annalistic-chronistic ›local history‹ and the ancient chronicles (exemplified here by the Chronicon Romanum) show the importance of the aspect of narrativity in the assessment and evaluation of Greek historiography. The current re-evaluation of the relationship between history and narrativity is part of a general tendency, which classifies the forms of historiographical representation in a different and less hierarchical way (as has been suggested by H.-J. Gehrke in the concept of intentional story). In particular, Hayden White has suggested a new relationship between form and content regarding the organization of material and content in historiography: his definition of narrative coherence allows to overcome the traditional opposition of annals and chronicles vs. history. Therefore, also annals and chronicles can be shown as independent alternatives to discursive representations of history. The examples of the Atthidographers and the Chronicon Romanum shall show which ways of generation of meaning give historical coherence to an annalistic-chronistic presentation.
Keywords: Historiography; Atthidographers; Chronicles; Philochoros; Chronicon Romanum; Hayden White


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