Sarah WillnerGeorg KochStefanie Samida (Hrsg.)

Doing History

Performative Praktiken in der Geschichtskultur

2016,  Edition Historische Kulturwissenschaften,  Band 1,  268  Seiten,  broschiert,  29,90 €,  ISBN 978-3-8309-3269-7

Mit Beiträgen von
Frank BöschJuliane BrauerMads DaugbjergAnja DreschkeRené GründerWolfgang HochbruckGeorg KochSven KommerStefanie SamidaMiriam SénécheauBernhard TschofenSarah Willner

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Doing History – körperbezogene und emotionale Performanzen spielen in der populären Geschichtskultur eine herausragende Rolle. Dennoch wurde die Inszenierung einer ‚lebendigen‘ Vergangenheit bisher nur im Kontext von Schulen, Gedenkstätten und Museen einer kritischen Beurteilung unterzogen. Dieser Band schließt nun auch Formen außerhalb der traditionellen Bildungsorte mit ein und nimmt die dort hergestellten, aufgeführten und ausgehandelten Geschichtserfahrungen in ihrer Bedeutung für die verschiedenen Akteure ernst. Die Beiträge aus Kultur-, Geschichts- und Medienwissenschaft konzentrieren sich auf die körperlichen Praktiken, die Materialität der beteiligten Dinge und das Erleben in diesen Feldern, die sich an der Vergangenheit orientieren und doch immer auf die Gegenwart bezogen sind. Dabei wird deutlich, wie sich Deutungshoheiten über Geschichte verschieben, sich gegenseitig inspirieren und provozieren können.

Pressestimmen

Die sinnlich-körperlichen Praktiken der Aneignung und Präsentation von Geschichte als doing history zu bezeichnen ist ein kluger Vorschlag, der das Feld sondiert und in innovativer Weise an bestehende Theoriedebatten anschließt. Alle Beiträge des Bands greifen diese instruktive Sichtweise auf […] In der Zusammenschau entsteht […] ein sehr anregendes Koordinatensystem theoretischer Grundlagen für die Analyse sinnlich-körperlicher Geschichtspraktiken. Die theoretische Grundlagenarbeit hat mit diesem Band einen gelungenen Ausgangspunkt gefunden, und das Buch ist ohne Zweifel ein Meilenstein auf dem Weg zu einer kulturwissenschaftlichen Theoriebildung. Es bleibt zu wünschen, dass dieses interdisziplinäre Theoriebildungsangebot einen Platz im überwiegend disziplinär geordneten Wissenschaftssystem findet. Der Vorschlag der Herausgeber/innen, diese innerhalb der Public History (verstanden als empirische Kulturwissenschaft) zu verorten, bleibt hoffentlich kein Gedankenspiel.
Juliane Tomann auf: H-Soz-Kult

Doing History versammelt 13 anregende Beiträge, die sich den Themen Geschichtsaneignung, living history und Reenactment unter verschiedenen Blickwinkeln nähern. Die betrachteten Epochen reichen von der Vorzeit bis in die Gegenwart. So legt das Buch Zeugnis vom Boom ab, den living history und Reenactment gegenwärtig in Kultur und Wissenschaft erfahren. Insgesamt ist es ein interessantes und lebhaftes Buch, dem eine zahlreiche Leserschaft zu wünschen ist, und zugleich ein gelungener Auftakt für die neue Schriftenreihe Edition Historische Kulturwissenschaften.
Meret Fehlmann in: Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 1/2017

Besonders die ethnografisch ausgerichteten Beiträge verdeutlichen in eindrücklicher Weise die Erkenntnispotenziale, welche eine qualitative Beschäftigung mit den „performativen Praktiken in der Geschichtskultur“ bietet. Endlich, so möchte man fast sagen, kommen auch einmal die beteiligten Menschen zu Wort und nicht bloß besorgte Historiker, die mit erhobenem Zeigefinger die Verfälschung historiografisch verbürgter Quellen durch das Tun von Laien anprangern. So erfährt der Leser, entgegen bestehenden Klischeevorstellungen, von einer binnendifferenzierten Szene mit unterschiedlichen, mal auch gegenläufigen Selbstverständnissen; erfährt von Menschen, denen durchaus bewusst ist, dass eine quellen-authentische Nachstellung von Historischem per se problematisch ist, und die sehr kreativ sind, wenn es darum geht, vermeintlich fremde Traditionen in bestehende „eigene“ Brauchstrukturen sinnhaft zu integrieren. Allein dieser kursorische Überblick lässt erahnen, dass in dem Buch zentrale Themen der Alltagskulturforschung verhandelt werden.
Ebenso gewinnbringend wie die Überlegungen zu gegenwärtigen Formen und Funktionen lesen sich die Texte, die den Blick in die Vergangenheit lenken und somit noch einmal den für unser Fach so elementaren Umstand hervorheben, dass Kulturphänomene stets historisch Gewordenes sind.
Mirko Uhlig in: Zeitschrift für Volkskunde, 2/2017

Es ist gut, dass das Konzept einer kulturwissenschaftlichen Beschäftigung mit Geschichtskultur nun auch seinen Weg auf Papier gefunden hat. […] Der interdisziplinäre Ansatz könnte diesem wichtigen Thema aber auch im Fach noch einmal mehr Aufmerksamkeit verschaffen.
Die Fokussierung auf die Performativität von Geschichtskultur eröffnet – besonders durchd ie Ausdifferenzierung in die drei Begriffspaare – in jedem Fall neue Perspektiven.
Florian Schwemin in: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 2017

Die gewünschte theoretische Durchdringung gelingt im vorliegenden Band sehr gut. Wegweisende Aufsätze von Juliane Brauer, Frank Bösch und Bernhard Tschofen tragen wesentlich dazu bei. […] Das „Tun“ (‚doing‘), mithin die performativen Praktiken und das sinnlich-emotionale Erleben, als Analysedimension zur Erweiterung des mittlerweile inflationär gebrauchten Begriffes Geschichtskultur erscheint sinnvoll und bereichert die Debatte, da es den Fokus auf jene Ausdrucksweisen und Verarbeitungsmodi lenkt, die geschichtswissenschaftlicher Quellenhermeneutik nur unzureichend erschlossen wurden. Insofern gibt der Band mit einer theoriegeleiteten und methodischen Ausdifferenzierung Impulse für eine in den letzten Jahren in Gang gekommene Diskussion zur Weiterentwicklung der in der Geschichtsdidaktik unter dem Rubrum Leitbegriffe fimierten Geschichtskultur.
Frank Britsche in: geschichte für heute, 4/2017

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