Christian Walburg

Migration und Jugenddelinquenz

Eine Analyse anhand eines sozialstrukturellen Delinquenzmodells

2014,  Kriminologie und Kriminalsoziologie,  Band 11,  336  Seiten,  broschiert,  34,90 €,  ISBN 978-3-8309-3026-6

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Das Thema Migration und Kriminalität gehört zu den klassischen und gesellschaftspolitisch brisantesten kriminalsoziologischen Untersuchungsgegenständen. Besondere Delinquenzrisiken werden vor allem bei jungen Migranten und Nachkommen von Einwanderern vermutet. Gestützt auf Dunkelfeldbefragungen bei jungen Menschen in zwei in Bezug auf Einwanderung sehr unterschiedlich strukturierten Städten geht die Arbeit möglichen Zusammenhängen zwischen Migration und Jugenddelinquenz nach.

Die Analysen basieren auf einem sozialstrukturellen Delinquenzmodell, welches makrostrukturelle Faktoren, soziale Bindungen sowie den Einfluss von delinquenzbezogenen Normorientierungen und Freizeitstilen miteinander verknüpft. Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass Delinquenz bei Jugendlichen aus Migrantenfamilien nicht durchweg weiter verbreitet ist als bei Einheimischen. Als günstig erweisen sich dabei eine hohe Bildungspartizipation, stabile familiäre und schulische Bindungen sowie ein weniger risikoreiches Freizeitverhalten, welches teilweise mit stärkeren traditionellen und religiösen Wertorientierungen zusammenhängt.

Weitere Informationen zur Verlaufsstudie Kriminalität in der modernen Stadt (CRIMOC) finden Sie unter Kriminalität in der modernen Stadt.

Autoreninfo

Dr. Christian Walburg ist als Akademischer Rat a.Z. am Institut für Kriminalwissenschaften der Universität Münster tätig. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Münster hat er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt „Kriminalität in der modernen Stadt“ gearbeitet. Seinen juristischen Vorbereitungsdienst hat er in Berlin durchlaufen. Seine Forschungsinteressen und -schwerpunkte sind Jugendkriminalität und Jugendstrafrecht, Migrationssoziologie sowie Wirtschaftskriminalität.

Pressestimmen

Tatsächliche oder vermeintliche Zusammenhänge von Migration und Kriminalität gehören zu den politisch und gesellschaftlich sensibelsten Themen der Integrationspolitik in Deutschland. Ähnlich wie auch in anderen Feldern der integrationspolitischen Diskussionen wird die öffentliche Debatte dabei selbst in Qualitätsmedien oft auf Basis persönlicher Erfahrungen und Betroffenheit geführt, ein ernsthafter Rückgriff auf wissenschaftlich abgesicherte und empirisch fundierte Erkenntnisse findet eher selten statt. Vor diesem Hintergund liefert die vorliegende Arbeit schlüssige und wichtige Einsichten.
Thilo Scholle in: ZAR – Zeitschrift für Ausländerrecht und Ausländerpolitik, 2/2016