Michael Fischer

Religion, Nation, Krieg

Der Lutherchoral Ein feste Burg ist unser Gott zwischen Befreiungskriegen und Erstem Weltkrieg

2014,  Populäre Kultur und Musik,  Band 11,  350  Seiten,  broschiert,  mit farbigem Bildteil,  34,90 €,  ISBN 978-3-8309-2901-7

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Diese Studie beschäftigt sich mit dem Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“, der zu den wirkmächtigsten Gesängen der deutschen Geschichte zählt. Von Martin Luther im 16. Jahrhundert als Glaubens- und Vertrauenslied gedichtet, erfuhr der Choral schon bald eine religionspolitische Aufladung. Bereits in der Frühen Neuzeit wurde er als konfessionelles Bekenntnis verstanden und entwickelte sich so zu einem „Identitätssignal des Protestantismus“. Seit dem frühen 19. Jahrhundert traten nationale und bellizistische Interpretationen hinzu, die im Ersten Weltkrieg ihren Höhepunkt erreichten.

Zunächst wird in der vorliegenden Untersuchung die Entwicklung nachgezeichnet, welche die propagandistische Verwendung des „Lutherliedes“ im Ersten Weltkrieg überhaupt erst ermöglicht hat. Wichtige Schlüsselereignisse sind in diesem Zusammenhang die antinapoleonischen Kriege und das Wartburgfest von 1817, die Errichtung des Wormser Lutherdenkmals 1868 sowie die Reichsgründung 1870/1871. Den Schwerpunkt bildet sodann der nationalreligiöse Gebrauch – und Missbrauch – des Chorals zwischen 1914 und 1918. Anhand zeitgenössischer Quellen wie Predigten, Erbauungsliteratur, Liedpostkarten und Lyrik wird den Leserinnen und Lesern die ideologische Indienstnahme des Kirchenliedes vor Augen geführt.

Der Band richtet sich an Historiker, Germanisten und Theologen sowie alle an der Kultur- und Religionsgeschichte Interessierten.

Autoreninfo

Dr. phil. Dr. theol. Michael Fischer ist Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Geschichte der populären Kultur und Musik, Mediengeschichte der populären Musik, Geschichte christlicher Kultur und Musik. Fischer unterrichtet an der Universität Freiburg im Fach Medienkulturwissenschaft.

Pressestimmen

Methodisch wie inhaltlich leistet diese Arbeit einen wesentlichen und sehr ergiebigen Beitrag zu den Diskursen im Umfeld des Reformationsjubiläums 2017 […]
Konrad Kleck in: Theologische Literaturzeitung, 58/2016

Die Studie bietet einen bislang viel zu wenig berücksichtigten Einblick in die Lebenswelten und Frömmigkeit des 19. Jahrhunderts und des Ersten Weltkriegs, aber auch spannende Erkenntnisse zur Wirkungsgeschichte von reformatorischem Liedgut. Sie wird damit zur unverzichtbaren Lektüre für Theologen, Historiker, Germanisten und Musikwissenschaftler.
Andrea Hofmann in: Blätter für württembergische Kirchengeschichte, 2016

Sehr überzeugend wählt [Michael Fischer] dafür die drei Bereiche »Religion«, »Nation« und »Krieg« als Orientierungsmarken, zwischen denen der Choral von den Befreiungskriegen bis zu den Nachwehen des Ersten Weltkriegs Bedeutungstransformationen und neue Sinngebungen erlebte. [...] Fischer gelingt mit seinem Buch eine höchst interessante Studie, die nicht zuletzt dadurch überzeugen kann, dass Fischer ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Theologie, der Hymnologie und der Mediengeschichte ist.
Marie Louise Herzfeld-Schild in: DIE TONKUNST, 3/2015

Insgesamt gesehen, legt der Vf. eine informative und materialreiche Arbeit vor, die wesentliche und lange Zeit vernachlässigte Aspekte der Geschichte des neuzeitlichen Protestantismus und einer zuweilen überaus problematischen Lutherrezeption erhellt und zur vertiefenden Forschung zahlreiche Anregungen bietet.
Thomas K. Kuhn in: LUTHER, 1/2016

Seine Untersuchung entpuppt sich in ihrer interdisziplinären und multiperspektivischen Anlage [...] als eine beeindruckende Wirkungsgeschichte des „von Martin Luther als Glaubens- und Vertrauenslied gedichtet[en]“ (S. 9) Kirchengesangs. [...] In einer eingängigen und konzisen Darstellung erzählt er in weiten Teil die Geschichte eines Liedes, das „seiner religiösen Qualität […] nicht entkleidet [wurde]“, sondern vielmehr zur „religiösen Überhöhung des Nationalen“ (S. 10) beitrug. [...] Insgesamt gelingt es ihm [...], eine umfassende „Wirkungsgeschichte des literarischen Texte“ (S. 18) zu schreiben, die, gerade mit Blick auf den Ersten Weltkrieg, detailliert nachzeichnet, wie religiöse Semantiken und Praktiken dazu verwendet werden konnten, Gewalt auszuüben oder zu verhindern, zu verarbeiten oder zu verdrängen.
Daniel Gerster auf: H-Soz-Kult

Das Buch vereint anhand der Rezeptions- und Gebrauchsgeschichte des bekannten Lutherchorals [...] verschiedenste Kulturwissenschaften und Reflexionsperspektiven in beeindruckender Weise, angefangen von der Germanistik und der Geschichtswissenschaft über Musikwissenschaft, Hymnologie, Theologie- und Kirchengeschichte bis hin zur Popkulturforschung und Medienwissenschaft. [...] Diese Geschichte [...] verdient in den Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg besondere Beachtung. Dazu leistet Fischers Dissertation einen vorzüglichen Beitrag [...]
Harald Schroetter-Wittke in: Jahrbuch für evangelische Kirchengeschichte des Rheinlands, 64/2015

Insgesamt lohnt das Buch die Lektüre und leistet einen wichtigen Beitrag zur Rezeptionsgeschichte nicht nur von „Ein feste Burg“, sondern auch Luthers und der Reformation.
Lena Krull in: Rheinisch-westfälischen Zeitschrift für Volkskunde, LX/2015

Man muss dieses materialreiche und auf- und anregende Buch von seinem letzten systematischen Kapitel, der Schlussbetrachtung, her lesen. Denn hier wird deutlich, unter welchen besonderen Blickwinkeln die in den Hautpteilen erfolgte historische Darstellung der unterschiedlichen Deutungen des Lutherliedes im Hinblick auf Religon, Nation und Krieg erfolgte.
Klaus Röhring in: Musik & Kirche, 6/2014

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