Helmut Groschwitz

Mondzeiten

Zu Genese und Praxis moderner Mondkalender

2008,  Regensburger Schriften zur Volkskunde/Vergleichenden Kulturwissenschaft,  Band 18,  356  Seiten,  broschiert,  29,90 €,  ISBN 978-3-8309-1862-2

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Seit den 1990er Jahren werden Mondkalender in großer Zahl als Ratgeberbücher, Taschenkalender und Zeitschriftenrubriken publiziert. Sie geben Anregungen für viele Tätigkeiten des Alltags: Haare schneiden, Pflanzen säen, Holz schlagen oder die richtigen Zeitpunkte für Gesundheit und Wellness. Die Autoren berufen sich dabei auf ein "altes Wissen", das über Jahrhunderte mündlich tradiert worden sei und nun neue Impulse für ein Leben im "Einklang mit den Mondrhythmen" geben soll.

Die vorliegende Studie rekonstruiert die komplexe Entstehungsgeschichte und hinterfragt Inhalt und Gebrauch moderner Mondkalender. Es wird deutlich, dass es sich bei diesen um ein relativ modernes Phänomen handelt. Versatzstücke elitärer Welterklärungssysteme wurden mehrmals neu kontextualisiert und in ein kohärentes System von Mondregeln kombiniert, das aktuelle Bedürfnisse aufgreift. Während eine historische Praxis kaum belegt werden kann, zeigt sich heute deutlich der Einfluss verschiedener populärer Medien bei der medialen Konstruktion lunarer Wirklichkeit.

Autoreninfo

Dr. Helmut Groschwitz studierte an der Universität Regensburg Germanistik und Volkskunde. Er war Hochschulassistent am Lehrstuhl für Vergleichende Kulturwissenschaft der Universität Regensburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Populäre Esoterik, Kulturerbe und kulturelle Labels sowie Zeitkulturen.

Pressestimmen

Erfreulicherweise macht Helmut Groschwitz nicht den Fehler, die Nutzer des Mediums Mondkalender zu ignorieren. Er stellt in guter volkskundlicher Manier am Ende den Menschen und sein Alltagshandeln in den Mittelpunkt. [...] Hier wird das Genre der Mondkalender und -ratgeber erstmals umfassend untersucht. Der Verfasser hat eine große Menge dieser Art von Druck-Erzeugnissen bis hin zu neueren Entwicklungen wie der Berechnung von Mondtagen am Computer und Mondkalenderprogramme erschlossen, systematisiert und analysiert. [...] Hervorzuheben sind die 84 der Monografie beigegebenen Abbildungen, welche den Text nicht einfach illustrieren, sondern den Charakter der Kalender als Bildmedien betonen, und deren Bildsprache eigens analysiert wird. Mit seiner Untersuchung zum modernen Phänomen des populären Mondglaubens und dessen medialer Vermittlung kann Groschwitz den zentralen Topos als mediale Konstruktion entlarven und damit die kulturwissenschaftliche Sicht auf Mondkalender dokumentieren.
Christina Niem in: Zeitschrift für Volkskunde, Band I. 2010.

[eine] exzellente Studie
Brigitte Frizzoni in: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde, 2010.

Wissenschaftlich, aber nicht ohne Humor, durchaus verständlich, hochinteressant und sehr erhellend.
Sigrid Tinz in: Landwirtschaftliches Wochenblatt, 4/2015