Helge GerndtMichaela Haibl (Hrsg.)

Der Bilderalltag

Perspektiven einer Volkskundlichen Bildwissenschaft

2005,  Münchner Beiträge zur Volkskunde,  Band 33,  426  Seiten,  broschiert,  29,90 €,  ISBN 978-3-8309-1553-9

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Erleben wir eine visuelle Zeitenwende? Avancieren im täglichen Leben heute Bilder statt der Sprache zum beherrschenden Element der Kommunikation, des Wahrnehmens und des Verstehens? Die neuerdings postulierte "Wende zum Bild" (Iconic turn) und die "zunehmende Bildhaftigkeit des gesellschaftlichen Konsums" bedeuten nicht zuletzt für die empirische Alltagskulturforschung eine Herausforderung, der sie sich in diesem Band stellt. Namhafte Autorinnen und Autoren skizzieren hier beispielhaft zentrale Aspekte und Perspektiven einer volkskundlichen Bildwissenschaft; Auswahlbibliographie und Register erschließen die Thematik.

I. Das Interesse am Bild:

Bildüberlieferung und Bildpraxis (Gerndt) - Wort oder Bild? (Brückner) - Vor, unter und neben der Kunst (Korff) - Bildtransformation (Bringéus)

II. Die historische Dimension der Bilder:

Konfliktrituale im Bild der Frühen Neuzeit (Mohrmann) - Laienmalerei um 1830 (Göttsch) - Kulturelles Bildgedächtnis und moderne Traditionsbildung (Drascek) - Zur verborgenen Bedeutung von Bildbagatellen (Scharfe)

III. Bildvermittlung im modernen Alltag:

Bilder als Vorbild (Lehmann) - Die alltägliche Bilderflut: Werbung (Kerkhoff-Hader) - Inszenierte Bilder im Medienzeitalter (Götz) - Wahrnehmungswandel im Wirkungsfeld Neuer Medien (Köck)

IV. Der Umgang mit Bildern:

Die visuelle Darstellung des menschlichen Körpers (Leimgruber) - Wie kommt das Volk in die Karte? (Schmoll) - KZ-Bilder als ikonisierte Erinnerung und historisches Dokument (Fackler) - Konzentrationslager oder "Künstlerkolonie"? (Haibl)

V. Das Lesen von Bildern:

Trachtenbilder im Kontext (Keller-Drescher) - Fotografieanalytische Anleitungsmodelle in der Kritik (Lauterbach) - Bilder auf Möbeln (Gockerell) - Dekoration als Programm oder Programm als Dekoration? (Raff)

VI. Fragen visueller Kultur:

Kitschbilder? Bilderkitsch? (Gyr) - Überlegungen zu einer Volkskunde der Kunst (Schürch) - Visuelle Kultur? (Hägele)


Mit Beiträgen von

Nils-Arved Bringéus, Wolfgang Brückner, Daniel Drascek, Guido Fackler, Cordula Carla Gerndt, Helge Gerndt, Nina Gockerell, Silke Göttsch, Irene Götz, Ueli Gyr, Ulrich Hägele, Michaela Haibl, Lioba Keller-Drescher, Bärbel Kerkhoff-Hader, Christoph Köck, Gottfried Korff, Burkhart Lauterbach, Albrecht Lehmann, Walter Leimgruber, Ruth-E. Mohrmann, Thomas Raff, Martin Scharfe, Friedemann Schmoll und Franziska Schürch.

Pressestimmen

Das Buch über den „Bilderalltag“ von Helge Gerndt und Michaela Haibl (Hg.)[...] ist ein Buch für die digitale Welt. Es gelingt in diesem Sammelband, die neue Art zu sehen und zu denken in Worte zu fassen.[...] Insgesamt ist dieses Buch eine kaum zu ersetzende Bestandaufnahme wesentlicher Elemente des Wandels unserer Welt. Und es ist auch deshalb so gut, weil es knapp fünf Jahre nach seinem Erscheinen noch aktueller geworden ist zum Verstehen der Prozesse, die gerade ablaufen. Das Buch hat einen besonderen Stellenwert, weil es zeigt, dass Dokumentarfotografie noch wichtiger wird, da die Wahrnehmung noch flüchtiger wird. [...] Eine echte Empfehlung – und noch erhältlich.
Michael Mahlke auf www.fotomonat.de

Der Sammelband ist vielfältig, die Kontextualisierungen ums Bild lassen dies problemlos zu [...] Bei allen AutorInnen geht es bei der Bildlektüre letztlich um den Wahrheitsgehalt, egal ob es sich um Massenbilder oder singuläre Dokumente handelt, auch wenn man da und dort etwas differenzierter mit Kopien und Originalen umgehen sollte [...]. Dem Band [...] sei eine zahlreiche Leserschaft gewünscht, der das Bild in seinen vielfältigen Formaten wichtig ist. Wie die Bilder Orientierung in der Welt sind, ist der Band Profil und Planke für die zukünftige Bildforschung.
Fritz Franz Vogel in: Rundbrief Fotografie, 13. 2006.

Ingesamt bietet der Band ein Panorama des aktuellen Standes volkskundlicher Bildforschung und zugleich eine anregende Lektüre. Die in ihrer Thematik breit gefächerten und sich auf hohem Niveau bewegenden Beiträge zeigen theoretische Reflexionen, methodologische Ansätze und Anwendungsbeispiele auf. Es wird deutlich, dass die Volkskunde bereits wichtige Schritte auf bildwissenschaftlichem Terrain gegangen ist
Silke Eilers auf: sehepunkte.de

Übersichtlich in thematische Einheiten geordnet [...] wird der Sammelband durchaus dem im Untertitel suggerierten Ansatz gerecht, die Perspektiven der kulturanthropologischen Bildwissenschaft auszuloten und Einblicke in aktuelle Fachdiskurse zu gewähren. Aufbauend auf einer theoretischen und fachgeschichtlichen Grundlage umspannt der Band nahezu alle Pole einer gleichermaßen fachspezifisch wie interdisziplinär ausgerichteten Bildforschung [...]
Aus: Kulturen, I. 2007.

[Es ist den Herausgebern] gelungen, [...] diesem Band eine Form zu geben, die ihn zu einem wichtigen Nachschlagewerk macht. [... Z]usammenfassend soll [allen Beteiligten] attestiert werden, dass sie insgesamt viel Neues und Überzeugendes zu einer volkskundlich ausgerichteten "Bildanthropologie" beigesteuert haben. [... ] [Es präsentiert] sich hier selbstbewusst ein neuer zukunftsweisender Schwerpunkt volkskundlicher Forschungsarbeit [...] mit dem Anspruch, künftig bei der Kulturanalyse des visuellen Alltags ein gewichtiges Wort mitreden zu wollen. [...] Die beiden Herausgeber des Sammelbandes haben [...] wesentlich dazu beigetragen, den Handbuchcharakter dieser bahnbrechenden Veröffentlichung zu unterstreichen. Ich betrachte sie als eine der wichtigsten volkskundlichen Publikationen des neuen Jahrhunderts.
Rolf Wilhelm Brednich, in: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 2007, S. 312f.

Wie auch immer - der vorliegende Tagungsband ist ein Meilenstein in der Wissenschaftsgeschichte der Volkskunde.
Wolfgang Jacobeit in: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde, 51. 2006.