Uta LohmannIngrid Lohmann (Hrsg.)

„Lerne Vernunft!“

Jüdische Erziehungsprogramme zwischen Tradition und Modernisierung. Quellentexte aus der Zeit der Haskala, 1760-1811

2005,  Jüdische Bildungsgeschichte in Deutschland,  Band 6,  582  Seiten,  gebunden,  zahlr. s/w Abb.,  49,90 €,  ISBN 978-3-8309-1504-1

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"Lerne Vernunft", so lautet das Motto der Texte in diesem Band. Die Auffassung, dass vernünftiges Denken und Handeln unterrichtet und erlernt werden können, ist durchgängiges Motiv der versammelten Schriften. Mit ihnen stellten bekannte und weniger bekannte jüdische Aufklärer zwischen 1760 und 1811 ihre Auffassungen von der notwendigen Veränderung der jüdischen Erziehung ihrem Publikum vor. Sie trugen so maßgeblich dazu bei, dass die jüdischen Gemeinden in Preußen an der Wende zum 19. Jahrhundert unumkehrbare Schritte heraus aus ihren traditionellen Lebenswelten taten. Die durch die jüdische Aufklärung, Haskala, eingeleitete Modernisierung der Erziehung vollzog sich bei den Juden schließlich umfassender als in anderen Bevölkerungsgruppen. Und in kaum einer anderen Gruppe wirkte die Veränderung der Erziehung so nachhaltig im Sinne des bürgerlichen Bildungsideals.

"Lerne Vernunft" Den Beweis für jene neue, revolutionäre Sicht der Menschheitsgeschichte - Emanzipation, Mündigkeit, Freiheit, Selbstbestimmtheit sind möglich - versuchten die jüdischen Aufklärer auf den Gebieten der Religion, der Sprache und Sitten, der Erziehung und des Unterrichts anzutreten. Ihre hier versammelten, in Deutsch und ursprünglich in Hebräisch oder Jüdisch-Deutsch verfassten Texte - wissenschaftliche Abhandlungen, Lese- und Lehrbuch-Einleitungen, literarische Dialoge und Briefe sowie Schulreden - handeln von Tora, Talmud und Vernunft, Kritik der Tradition, Unterricht und Erziehung zu Moral und Sittlichkeit, Schreib- und Spracherwerb, Erziehungslehre und Philanthropismus, Geschichts- und Naturwissenschaft.

Pressestimmen

Der Band bietet mit dem Abdruck und der Übersetzung ansonsten teilweise schwer zugänglicher Quellentexte die Grundlage für weitere Forschung und erlaubt einen umfassenden und informativen Einblick in die Programmatik und Ziele der Maskilim für das jüdische Bildungs- und Erziehungswesen. Es leistet einen wertvollen Beitrag zur Erforschung der jüdischen Bildungsgeschichte in Deutschland.
Caroline Huber in: sehepunkte 6 (2006), Nr. 10 [15.10.2006], sehepunkte.de Ausgabe 06.11.2006

Den Herausgeberinnen, ihren Mitarbeitern und den vielen Übersetzern ist es gelungen, wiederum eine für die deutsche Bildungsgeschichte prekär zu nennende Forschungslücke zu schließen und ein Besipiel einer Edition zu setzen, dass auch in die Bildungsgeschichte nach Ostmitteleuropa ausstrahlen könnte.
Manfred Heinemann in: Bildung und Erziehung. 62. Jg. 1. 2009.