Oratorium und Nation (1914–1945)Aug 2020

Dominik Höink

Oratorium und Nation (1914–1945)

Studien zur Politisierung religiöser Musik in Deutschland

2019,  Münsteraner Schriften zur zeitgenössischen Musik,  Band 6,  620  Seiten,  broschiert,  59,90 €,  ISBN 978-3-8309-3984-9

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Das Oratorium kann als wichtige Gattung für die Analyse des Verhältnisses von Religion und Politik im Medium der Musik gelten. Die Studie wendet sich dem Verhältnis dieser religiösen Musikform zum deutschen Nationalismus vom Beginn des Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zu. Im Fokus stehen verschiedene Weisen der Instrumentalisierung von Musik, etwa zur ‚Heldenehrung‘, zur Bildung einer ‚vorgestellten Gemeinschaft‘ oder zur Gewinnung der Arbeiterschaft. Bei der Analyse der Politisierung des Oratoriums sind vier Beobachtungsperspektiven leitend: Konfession, Säkularisierung, Erinnerungskultur und Vergemeinschaftung. Somit sind Fragen nach der Bedeutung des Neokonfessionalismus ebenso berührt wie solche nach Säkularisierung und (Re-)Sakralisierung. Überdies wird an das ‚Gedächtnis-Paradigma‘ angeschlossen, während mit Blick auf die Pflege der Werke (zeitgenössische) Diskurse um die gemeinschaftsbildende Potenz von musikalischer Praxis analysiert werden. Entsprechend liegt der Schwerpunkt der Studie auf der Analyse der sozialgeschichtlichen Funktion der Gattung. Daneben jedoch werden – in Form von Fallstudien zu bisher unerforschten Werken – auch musikalische Detailanalysen durchgeführt, die das in der jeweiligen Komposition realisierte Verhältnis von religiösen und nationalistischen Elementen offenlegen.