Thorsten Hindrichs

Zwischen ‚leerer Klimperey‘ und ‚wirklicher Kunst‘

Gitarrenmusik in Deutschland um 1800

2012,  Internationale Hochschulschriften,  Band 576,  260  Seiten,  broschiert,  29,90 €,  ISBN 978-3-8309-2718-1

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Bereits ein kurzer Blick in die einschlägige Literatur verrät, dass es für die Zeit um 1800 offenbar kaum Wesentliches zur Geschichte der Gitarrenmusik in Deutschland zu berichten gibt und erst Mauro Giulianis Ankunft in Wien 1806/07 eine wahrhafte „Guitaromanie“ ausgelöst hat. Dieser scheinbare „Geschichtsverlust“ steht jedoch in deutlichem Widerspruch zu dem, was etliche zeitgenössische Quellen verraten: Nicht nur gab es in jener Zeit Gitarrenmusik in Deutschland (und zwar durchaus in großer Zahl), vielmehr wurden vor allem auch die Diskussionen um Gitarrenmusik, die in der Polarität zwischen „leerer Klimperey“ und „wirklicher Kunst“ anzusiedeln sind, außerordentlich lebhaft geführt. Überdies reflektieren und repräsentieren sie als pars pro toto die Vielfalt der sozialen, kulturellen und ästhetischen Diskurse einer Gesellschaft, die sich in der „Sattelzeit“ zwischen französischer Revolution und Wiener Kongress einem massiven Wandel ausgesetzt sah. Vor diesem Hintergrund ist die vorliegende Studie als eine erste exemplarische „Kartierung“ der gitarristischen Landschaft in Deutschland um 1800 zu verstehen.

Autoreninfo

Thorsten Hindrichs hat in Köln, Perugia und Mainz Musikwissenschaft, Romanistik (Italienisch) und Sonderpädagogik studiert und ist seit 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Musikwissenschaftlichen Institut der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Neben Gitarrenmusik zählen auch Musik und Musikleben der Renaissance sowie insbesondere Musik und Jugendkulturen zu seinen Schwerpunkten in Forschung und Lehre.

Pressestimmen

Hindrichs har gått grundligt tillväga och återger an mängd intressant information om gitarrlivet och dess utövare i det tidiga 1800-talets Tyskland. [...] En intressant bok som förhoppningsvis kan stimulera till mera grävande i gitarrhistorien.
Kenneth Sparr, in: Gitarr och Luta 3/2012.

Insgesamt findet sich auf den 259 Seiten des Buches eine Fülle an Informationen, die eine Epoche skizzieren, von der bislang nur wenig Belastbares zur Verfügung stand. Neue Erkenntnisse werden zu bekannten Namen hinzugefügt, doch auch neue Namen erweisen sich als bedeutsame Personen der Zeitgeschichte. Neben den reinen Fakten wecken einige der auszugsweise gedruckten Kompositionen Aufmerksamkeit [...]
Andreas Stevens in: Gitarre aktuell, 3/2012

Thorsten Hindrichs legt mit seiner Dissertationsschrift überzeugend dar, dass es neben der Stümperei durchaus auch ernst zu nehmendes künstlerisches Schaffen gab. [...] Hindrichs’ zahlreiche Notenbeispiele zeigen, dass es mehr als nur die Spitze eines Eisbergs gibt, soll heißen: Hier sind noch Schätze fürs Repertoire zu heben. Und seine Kommentare [...] sind wunderbar, aufschlussreich und bedenkenswert.
Wieland Ulrichs in: Akustik Gitarre, 6/2012

sehr lesenswert
Beatrix Obal auf: Skriptum

Aus zwei Gründen ist diese Publikation eine längst überfällige, hochwillkommene. Erstens thematisiert sie in brillanter sprachlicher Manier einen bisher nur wenig erforschten, zeitlich und regional begrenzten Teil der Gitarrengeschichte, von dem der Regensburger Musikwissenschaftler und Gitarrist Jürgen Libbert einst annahm, dass er bereits als Verlust – materiell wie literarisch – zu beklagen sei. Zum zweiten und vor allem ist die Studie mit hellem Verstand interessiert an unterschiedlichsten, in der Geschichtsschreibung unseres Instrumentes entschieden zu wenig diskutierten Fragestellungen und vermittelt eine Auswahl präzis definierter Blickwinkel, aus denen ausgewählte Aspekte des Gegenstandes ins Fadenkreuz genommen werden [...]
Christoph Jäggin in: Lied und populäre Kultur/Song and Popular Culture, 58/2013