Nils Grosch

Lied und Medienwechsel im 16. Jahrhundert

2013,  Populäre Kultur und Musik,  Band 6,  206  Seiten,  broschiert,  mit zahlreichen Abbildungen,  29,90 €,  ISBN 978-3-8309-2591-0

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Das Lied, eine der zentralen Gattungen in Musik und Literatur der frühen Neuzeit, wird in dieser Studie als das Produkt einer sich neu formierenden Informationsindustrie interpretiert. Vormals in Manuskriptform oder schriftlos kommuniziertes Genre wurde es seit dem späten 15. Jahrhundert in Form von Liedflugschriften, bald auch in Form gedruckter Musikbücher hergestellt und so zu einer marktregulierten, für den kommerziellen „Massenvertrieb“ hergestellten Ware.

In Abgrenzung zu den Begrifflichkeiten „Volkslied“ und „Tenorlied“ und den darin aufgehobenen, überwiegend national und romantisch geprägten Forschungsparadigmen wird das Liedrepertoire des 16. Jahrhunderts hier als Ergebnis eines fundamentalen Medienwechsels aufgefasst.

Autoreninfo

Nils Grosch ist Professor für Musikwissenschaft an der Universität Salzburg, deren Fachbereich für Kunst-, Musik- und Tanzwissenschaft er leitet. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen unter anderem die Themenfelder Musik und Migration, Musik und Medien sowie das populäre Musiktheater. Er ist Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V.

Pressestimmen

Die konsequente Ausrichtung von Groschs Studie auf die Dekonstruktion des Volksliedkonzeptes untermauert nicht nur die Einsicht, dass wir uns vom Konzept des Volksliedes verabschieden müssen; sie evoziert zusätzlich historiographische und geschichtsphilosophische Thesen, wie sie seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts postuliert und erörtert werden.
Beate Kutschke in: MusikTheorie, 1/2017

Nils Grosch ist mit diesem Buch ein transdisziplinärer, innovativer Beitrag zur musikwissenschaftlichen Forschung gelungen, der sich über die Fachgrenzen hinweg zu lesen lohnt. Dies Buch ist auch ein erfreulicher Beleg dafür, dass auch eine kulturwissenschaftliche und medienhistorische Ausweitung der Musikwissenschaft keineswegs zur ‚Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften‘ führt – ganz im Gegenteil. Denn das innovative Potential dieser Schrift liegt in der Verklammerung von gediegener Quellenforschung, einer hervorragenden kritischen Aufarbeitung des engeren Fachdiskurses zur Liedkultur der Frühen Neuzeit und dessen Einbindung in die jüngere medientheoretische Diskussion.
Hartmut Möller auf:H-Soz-Kult

Der Paradigmenwechsel, den das globale Genre »Lied« mit der Erfindung und Etablierung des Druckwesens erfuhr, war ein gravierender. Er brachte Verschiebungen mit sich, die partiell das Etikett »populäre Musik« vollauf rechtfertigen. Diese Tendenzen schonungslos aufgezeigt zu haben, kann man Groschs Buch als erkenntnisfördernde Leistung zweifellos akkreditieren. [...] Die Arbeit liest sich sehr gut [...]
Nicole Schwindt in: Lied und populäre Kultur, 59/2014

[...] ein wertvoller, angenehm straff geschriebener Diskussionsbeitrag, der auch außerhalb der Musikwissenschaft gelesen werden sollte.
Klaus Graf in: Zeitschrift für Volkskunde, 2/2014

Nicht zuletzt durch seine intensive Rezeption mediengeschichtlicher Forschungen zur Frühen Neuzeit ist Groschs Arbeit für Historiker anschlussfähig und verdient es, wahrgenommen zu werden.
Aus: Archiv für Reformationsgeschichte, 43, 2014