Die mittelniederländische Urkundensprache in Privaturkunden des 13. und 14. Jahrhunderts

Ute K. Boonen

Die mittelniederländische Urkundensprache in Privaturkunden des 13. und 14. Jahrhunderts

Vorlagen, Normierung, Sprachgebrauch

2010,  Niederlande-Studien,  Band 47,  386  Seiten,  E-Book (PDF),  38,60 €,  ISBN 978-3-8309-7330-0

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Während des Mittelalters wird das Lateinische als traditionelle Urkundensprache allmählich von den Volkssprachen verdrängt. Dieser Prozess, der u.a. mit der Entstehung des Bürgertums und dem Erstarken der Städte zusammenhängt, beginnt im Südwesten Europas und setzt sich mit zeitlicher Verzögerung in nördlicher und östlicher Richtung fort. In den Niederlanden erfolgt die Ablösung des Lateins durch das Mittelniederländische während des 13. und 14. Jahrhunderts.

Der Prozess der Verschriftlichung des Mittelniederländischen und das Verhältnis von Latein und Volkssprache stehen seit einigen Jahren verstärkt im Interesse der Forschung. Diese Studie untersucht, wie Skribenten bei der Umsetzung der lateinischen Formeln ins Niederländische vorgehen. Wird das Lateinische wörtlich übersetzt? Entwickelt sich eine eigene mittelniederländische Fachsprache? Die Untersuchung von rund 2000 Urkunden zeigt, dass die Skribenten bestimmte Formeln als Vorlage auswählen und sich bei der Übertragung ins Mittelniederländische langsam von den Vorlagen emanzipieren. Trotz des stereotypen Sprachgebrauchs in den Urkunden lassen sich lexikalische und syntaktische Unterschiede feststellen, die durch die regional unterschiedliche Ausprägung der mittelniederländischen Schreibsprache bedingt sind.

During the middle ages, Latin gets ousted as the traditional language of record by the vernacular languages in Europe. This process which comes together with the rise of the commonalty and the growing influence of the cities begins in the Southwest of Europe and proceeds northwards and eastwards. In the Low Countries, Latin gets replaced by Middle Dutch during the thirteenth and fourteenth centuries.
In recent years, researchers have focused on the introduction of Middle Dutch as a documentary language and the relationship between Latin and the vernacular. This study analyses how scribes transfer Latin formulas into Dutch ones. Are the Latin formulas translated word by word? Is a vernacular documentary language developing? The examination of about 2000 mediaeval charters shows that the scribes select some formulas as a model for their translation and finally emancipate from the Latin model. Although stereotypical language use is common for charters, there are lexical and syntactical differences that are caused by the peculiarities of the different regional written languages.