Désirée Laubenstein

Sonderpädagogik und Konstruktivismus

Behinderung im Spiegel des Anderen, der Fremdheit, der Macht

2008,  Interaktionistischer Konstruktivismus,  Band 5,  388  Seiten,  broschiert,  29,90 €,  ISBN 978-3-8309-1910-0

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Die Auseinandersetzungen, die um das Phänomen 'Behinderung' zirkulieren, sind vielfältig. Oftmals verweisen sie auf die Vorstellung, die Wirklichkeit des Phänomens festschreiben zu können. Auf der Grundlage der Beobachtertheorie des interaktionistischen Konstruktivismus nach Reich zeigt dieses Buch auf, wie der sonderpädagogische Diskurs versucht, das Phänomen 'Behinderung' symbolisch durch Sprachkonstruktionen zu definieren. Dabei nähert es sich dem Phänomen auf der imaginären Ebene durch Selbstkonzeptforschung ohne dabei zu reflektieren, dass sich sowohl das Symbolische als auch das Imaginäre einer vollständigen Erfassung entziehen, da diese subversiv von dem unterwandert werden, was der französische Psychoanalytiker Lacan als das Reale bezeichnet hat, d.h. Situationen des Erstaunens, der Irritationen, der Fremdheit. In diesen Diskurs weben sich Machtstrukturen, die sich mit Foucault als Dispositive enttarnen lassen, die den sonderpädagogischen Diskurs durchdringen und die Begegnung mit dem behinderten Anderen bestimmen. Die Suche des sonderpädagogischen Diskurses nach der Klärung des Phänomens 'Behinderung' wird damit zu einer Suche, die niemals an ihr Ende gelangen kann. Vielleicht liegt in dieser Erkenntnis seine Chance.

Autoreninfo

Désirée Laubenstein, Jahrgang 1968, hat an der Heilpädagogischen Fakultät der Universität zu Köln studiert und arbeitete nach ihrem Studium lange Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sonderpädagogik der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau. Schwerpunkte ihrer Arbeit bildeten dabei immer wieder anthropologische und ethische Fragestellungen und die Frage nach dem Umgang mit dem Anderen.

Pressestimmen

das vorgestellte Programm der „Re/De/Konstruktion“ (359) des Phänomens der Behinderung leistet einen wichtigen Beitrag zur De-Ontologisierung, Ent-Biologisierung und „Entdinglichung“; und das ist, wie die Autorin zeigen kann, gerade im Diskurs „Behinderung(en)“ von außerordentlicher Bedeutung.
Timo Ackermann auf: socialnet.de

[Besonders] der Hinweis von Laubenstein auf die Notwendigkeit der Erweiterung konstruktivistischer Betrachtungsweisen in der Sonderpädagogik um soziale (bzw. interaktionistische) Gesichtspunkte [ist] von großer Bedeutung.
Ulrich Heimlich in: Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete, 3. 2009. S. 269.

Unter dem Einfluss der interaktionistischen Erweiterung des Konstruktivismus durch Kersten Reich [...] setzt sich die Autorin kritisch von einseitig radikal-konstruktivistischen Positionen im sonderpädagogischen Diskurs ab.
Ulrich Heimlich in: Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete, 3. 2009.

Das Buch ‚Sonderpädagogik und Konstruktivismus‘ vereint unterschiedliche theoretische Positionen und damit verbundene Beobachterperspektiven und thematisiert deren Bedeutung im Kontext eines sonderpädagogischen Diskurses. Es ist ein interessantes Grundlagenwerk im Hinblick auf eine interdisziplinär fundierte Auseinandersetzung mit dem Phänomen ‚Behinderung‘.
Michael Wagner in: Sonderpädagogische Förderung heute, 54. 2009.