Richard Beitl
Mit Beiträgen von Klaus BeitlThomas K. Schippers

Untersuchungen zur Mythologie des Kindes

herausgegeben und eingeleitet von Bernd Rieken und Michael Simon

2007,  Mainzer Beiträge zur Kulturanthropologie / Volkskunde,  Band 1,  234  Seiten,  gebunden,  mit CD,  29,90 €,  ISBN 978-3-8309-1809-7

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Mit "Untersuchungen zur Mythologie des Kindes" habilitierte sich der Germanist und Volkskundler Richard Beitl im Sommer 1933 an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität. Anders als man meinen möchte, steht seine Arbeit nicht unter dem Einfluss der sich damals ausbreitenden NS-Ideologie. Vielmehr versuchte er, auf empirischer Grundlage einen Überblick über die so genannten Kinderschreckgestalten im mitteleuropäischen Raum zu geben und zu zeigen, was Kulturwissenschaftler, Psychologen, Pädagogen und Eltern im Umgang mit der kindlichen Angst voneinander lernen können. Seine Ausführungen über die Gestalten der niederen Mythologie wie den Bumann, den schwarzen Mann oder die Roggenmuhme thematisieren neben sprachgeschichtlichen Befunden den soziokulturellen Wandel von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ausgang der Weimarer Republik und sind bis heute ein bemerkenswertes historisches Dokument aus der akademischen Frühphase der Volkskunde. Neben dem geschichtlichen Aspekt gibt das Buch darüber hinaus Auskunft auf die Frage nach der ethnopsychologischen Bedeutung von Angst und Magie im Weltbild des Kindes und ist daher auch von allgemeinem Interesse. Nach über 70 Jahren erscheint es hier zum ersten Mal im Druck.

Autoreninfo

Die Herausgeber: Bernd Rieken ist habilitierter Volkskundler und praktizierender Psychoanalytiker (IP) in Wien. Michael Simon vertritt das Fach Kulturanthropologie / Volkskunde an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.

Pressestimmen

Die von Michael Simon und Bernd Rieken sehr sorgfältig besorgte Herausgabe der Habilitationsschrift ist verdienstvoll, wohl überlegt und gut begründet; beinhaltet die Arbeit doch Perspektiven und die Möglichkeit einer Ausrichtung des Faches, die bislang nicht diskutiert werden konnte.
Elisabeth Timm in: ÖZV, LXII/111.

Das vorliegende Werk erschließt eine fachgeschichtliche Lücke, indem es die Materialien und Ergebnisse Beitls empathisch kommentiert und allgemein zugänglich macht. Es reiht sich in differenzierter und fundierter Weise ein in die anhaltende Beschäftigung der Volkskunde mit ihrer Wissenschaftsgeschichte von den romantischen Anfängen über Mannhardt bis zu Beginn der nationalsozialistischen Machtergreifung.
Kathrin Pöge-Alder in: Zeitschrift für Volkskunde, I/2010