Daniela Saccà Reuter

Salvatore Giuliano und die Sicilianità - zwei sizilianische Mythen

2005,  Internationale Hochschulschriften,  Band 448,  224  Seiten,  E-Book (PDF),  22,40 €,  ISBN 978-3-8309-6525-1

zurück zur Übersicht

Als der sizilianische Bandit Salvatore Giuliano im Juli 1950 erschossen in einem Hinterhof aufgefunden wurde, war der Mythos um den erst 27-Jährigen längst geschaffen. Vor allem die Zeitungen der späten 1940er Jahre machten aus ihm wahl-weise einen idealistischen Sozialrebellen oder naiven Delinquenten und ließen ihn zur populistischen Verkörperung der sizilianischen separatistischen Bewegung werden.

Ausgehend von einer genauen Analyse der mythenbildenden Zeitungsartikel untersucht die Autorin, wofür Salvatore Giuliano letztlich stand. Wie konnte er zu dem Sizilianer werden? Was bedeutete in diesem Kontext "Sicilianità", dieser Mythos einer festgeschriebenen Sizilianität, der in seiner Geschichte immer wieder für tot erklärt worden ist? Und schließlich: Welchen Stellenwert haben beide Mythen heute, wo Abspaltungstendenzen eher aus dem Norden Italiens bekannt sind?

Autoreninfo

Daniela Saccà Reuter, geboren 1968, Studium der Ethnologie, Afrikanistik und Soziologie in Mainz und Kampala, längere Forschungsaufenthalte in Uganda und in Sizilien, von 2000 bis 2003 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin. Mit dieser Arbeit promovierte sie 2004 im Fach Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Pressestimmen

Saccà Reuter ist eine wichtige und anspruchsvolle, stringent aufgebaute Studie gelungen. Ihre Analyse geschieht auf einem hohen theoretischen und methodischen Niveau und eröffnet wichtige neue Blickwinkel auf populäre Rechtsbrecher [...].
Stephan Bachter, in: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 2007. S. 286f.

Saccà Reuter legt mit ihrer Dissertation eine äußerst überzeugende Forschung über Hintergründe, Politisierung und Mythologisierung der beiden Phänomene [die Mythenbildung um Salvatore Giuiani und das Konzept der Sicilianità] vor. Sie leistet damit für die Europäische Ethnologie und die von ihr geführte Debatte über die Topoi der sizilianischen Gesellschaft im engeren und die Gesellschaften des Mittelmeerraums im weiteren Sinne einen gewinnbringenden Beitrag. [...] Die Argumentationsweise der Autorin ist schlüssig, und ihr Ansatz - die Dekonstruktion von Mythen, ohne diese zugleich zu bestätigen - wird überzeugend umgesetzt. [...] spricht für die Stringenz der Untersuchung, die sowohl für Sizilieninteressierte als auch für das Fachpublikum der Europäischen Ethnologie sehr zu empfehlen ist.
Annemarie Gronover in: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de