Christoph Clases

Das Erinnern einer anderen Zukunft

Das organisationale Gedächtnis als sozialer Prozess der Koordination wissensorientierter Zusammenarbeit

2003,  Internationale Hochschulschriften,  Band 413,  292  Seiten,  E-Book (PDF),  26,90 €,  ISBN 978-3-8309-6269-4

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Im Kontext aktueller Diskussionen um das Thema Wissensmanagement wird aus arbeits- und organisationspsychologischer Perspektive der Frage nach dem Gedächtnis sozialer Systeme nachgegangen. Ansätze der Gedächtnisforschung werden auf individueller, sozialer und organisationaler Ebene sowohl in der Soziologie als auch in der Psychologie und in den Organisationswissenschaften ausgewertet. Das organisationale Gedächtnis wird daraufhin als die zumeist implizite, oftmals stillschweigend verschwindende Basis der Psychologik betrieblichen Handelns gefasst.

Die übergreifende Funktion des organisationalen Gedächtnisses wird in der kontinuierlichen Produktion von Wahrnehmungsoptionen hinsichtlich der Historizität von Tätigkeiten innerhalb eines sozialen Systems beschrieben. Es konstituiert sich dabei durch diejenigen Formen und Mittel der Zusammenarbeit, welche als Vermittlungsinstanzen zwischen die betrieblichen Akteure treten und dabei deren wissensorientierte Zusammenarbeit koordinieren. Seine Inhalte können weder als feste Wissenseinheiten noch als zeitstabile Repräsentationen von Vergangenem verstanden werden. Sie werden vielmehr durch soziale Ordnungsprozesse immer wieder neu rekonstruiert, legitimiert und transformiert.

Das organisationale Gedächtnis verweist somit auf die soziale Dimension des Individuellen und die durch Individuen in ihren Handlungen realisierte Reproduktion wie Veränderung des Sozialen zugleich. Durch die kooperative Reflexion der Gewordenheit von Tätigkeiten können Prozesse der Entselbstverständlichung praktisch viablen Wissens in Gang gesetzt werden. Das den Tätigkeiten in Organisationen immanente (Nicht-)Wissen kann so artikulierbar, in seiner Perspektivengebundenheit sichtbar und kritisierbar gemacht werden.

Autoreninfo

Christoph Clases, Ausbildung zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Studium der Psychologie, Philosophie und Linguistik an der Universität Hamburg, wissenschaftliche Forschungstätigkeiten an der Technischen Universität Hamburg-Harburg sowie der Universität Kiel, Promotion an der Freien Universität Berlin. Christoph Clases leitet zurzeit die Forschungsgruppe Wissensorientierte Kooperation am Institut für Arbeitspsychologie der ETH Zürich.