Arachne und ihre Schwestern

Bernd Rieken

Arachne und ihre Schwestern

Eine Motivgeschichte der Spinne von den "Naturvölkermärchen" bis zu den "Urban Legends"

2003,  Internationale Hochschulschriften,  Band 403,  288  Seiten,  broschiert,  25,50 €,  ISBN 978-3-8309-1234-7

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Eine Kulturgeschichte der Spinne aus volkskundlicher Sicht mag ungewöhnlich erscheinen, ist aber ein spannendes Unterfangen, weil die Tiere in der Regel heftige Emotionen auslösen. Der Bogen der Arbeit ist weit gespannt: Er reicht von den "Naturvölkermärchen" über die traditionelle europäische Volkskultur (Volksmedizin, Volksglaube, Märchen und Sage) bis in die Gegenwart. Dazu zählen etwa der Sciencefictionfilm, "Urban Legends" im Internet, aber auch Werbung oder politische Kultur. Die Texte und Quellen werden volkskundlich-kulturgeschichtlich und tiefenpsychologisch interpretiert. Dadurch ist es möglich, die Spinne im Zusammenhang mit Ängsten zu sehen, die viel über die heimliche Macht der Frau in traditionellen und modernen Gesellschaften aussagen.

Pressestimmen

Der promovierte Historiker und praktizierende Psychotherapeut Bernd Rieken hat sich mit großem Engagement der Europäischen Ethnologie zugewandt [...] Außerhalb Europas ist die Spinne viel weniger negativ besetzt. Sie genießt oft hohes Ansehen, [...] Solche Differenzierungen herausgearbeitet zu haben, gehört zu den eindrucksvollsten Leistungen der Arbeit.
Dieter Kramer in: Zeitschrift für Volkskunde, II. 2003.

Der Verfasser entwickelt an den Spinnen-Geschichten aus aller Welt ein ganzheitliches Bild mit Gegensätzen und Sprüngen. Seine Deutungen beachten stets die Stufe, die er für die Interpretation bestimmt hat, nämlich den Bezug zur menschlichen Seele. Auf diese Weise wird die unterschiedliche Sicht der Kulturen auf ein global verbreitetes Naturwesen eindrücklich erkennbar.
Helmut Fischer in: Märchenspiegel, 3. 2003.

Eine kulturgeschichtliche Studie über die weltweit verbreitete Spinnenphobie hätte denn wohl aus Sicht der volkskundlichen Erzählforschung auch gar nicht anders, nicht besser geschrieben werden können. [...] Generell gilt, dass Rieken, der für "Polyinterpretabilität" plädiert, eher Deutungsvorschläge macht , als voreilig nur scheinbar gesicherte Resultate zu referieren. Monokausale Deutungen werden also nicht geboten. [...] Das Buch beeindruckt durch seine Belesenheit und nicht zuletzt auch durch die unglaubliche Materialfülle, mit der Rieken aufwarten kann. [...] Riekens Motivgeschichte ist ein überaus lesenswertes, lehrreiches, ja streckenweise sogar amüsantes Werk, das der Disziplin mit präziser Terminologie und scharfsinnigen Argumenten aus psychoanalytischer wie aber auch aus ethnologischer Sicht zuarbeitet. Am Ende kann man die irrationale Angst vor der Spinne besser verstehen, womit dem Autor sicher gelungen ist, was er u.a. beabsichtigte: Vorurteile gegenüber Spinnen zu relativieren.
Sabine Wienker-Piepho in: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde, XLVIII. 2003.

Der Volkskundler, Philosoph und adlerianische Psychoanalytiker Bernd Rieken erweist sich in diesem "Beitrag zur volkskundlichen Erzählforschung" und Kulturgeschichte der Spinne als aufschlussreicher Reiseführer durch die meist mit Gefühlen der Angst, des Ekels und des Unheimlichen ausgestatteten Projektionslandschaften der Spinnengeschichten.
Alfred Kirchmayr in: Zeitschrift für Individualpsychologie, 2. 2004.

faszinierende Studie
Werner Bies in: Fabula, 3/4. 2004.

Besonders hervorzuheben sind der interdisziplinäre Ansatz und die entsprechende Interpretation. [...] Die umfangreichen Listen der verwendeten Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Webseiten und der Filme bezeugen nicht nur des Autors Belesenheit und den hohen Arbeitsaufwand, sondern zeigen auch, dass eine vergleichbare Arbeit bislang nicht vorlag. Ihre Lektüre ist daher nicht nur informativ, sondern dank der sprachlichen Perfektion auch spannend - man würde sich des Öfteren ein wissenschaftliches Buch wünschen, von dem man das sagen kann.
Olaf Bockhorn in: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, 108.

Das vorliegende Werk ist sicher eines der beeindruckendsten arachnologischen Schriften unserer Zeit. Und so möchte ich schon zu Beginn dieser Buchvorstellung feststellen, dass für jeden, der behauptet, sich für Arachnologie zu interessieren, dieses einmalige und hervorragende Buch ein absolutes Muss ist. man könnte auch sagen, dass dieses Werk eigentlich jeder gelesen haben sollte, wenn er sich für mehr interessiert, als für das biologische Wesen Spinne, denn das Buch vermittelt in sehr detaillierter und vor allem auch sehr lebendiger und interessanter Weise, die Beziehung Spinne-Mensch aus volkskundlich-kulturgeschichtlicher und tiefenpsychologischer Sicht. Der Autor selbst ist Volkskundler und Psychoanalytiker und meiner Meinung nach auch ein hervorragender Schriftsteller, denn ihm ist es mit diesem einmaligen Werk gelungen, in sehr anschaulicher Weise dieses interessante Themengebiet darzustellen. [...] das Buch [ist] aber ein wirkliches Meisterwerk und man kann dem Autor dazu nur gratulieren! Ich wünsche dem Werk eine weite Verbreitung, denn es hilft das Verständnis für das "Ekeltier" Spinne weiter zu fördern.
John Osmani in: ARACHNE, 4. 2006.

For scholars studying the spider motif, espacially from a comparative approach, this book is an excellent starting point and should suggest several directions for further reserach.
Seth Knox / Adrian College in: Mavels & Tales. Journal of Fairy-Tale Studies, 1. 2007.