'Die belgische Nation'

Johannes Koll

'Die belgische Nation'

Patriotismus und Nationalbewußtsein in den Südlichen Niederlanden im späten 18. Jahrhundert

2003,  Niederlande-Studien,  Band 33,  440  Seiten,  E-Book (PDF),  35,90 €,  ISBN 978-3-8309-6209-0

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Seit den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts ist die Entstehung von belgischem Nationalbewusstsein in den Südlichen Niederlanden festzustellen. Was verstand man in der Phase des Übergangs vom Ancien Régime zur Moderne unter Begriffen wie 'belgische Nation', 'belgisches Volk' oder 'Vaterland'? Wie wurde in den belgischen Provinzen Patriotismus im Zeitalter von Aufklärung, Aufgeklärtem Absolutismus und Revolution zum Ausdruck gebracht? Diesen Fragen geht Johannes Koll durch die Verbindung von begriffs- und ideengeschichtlichen sowie diskursanalytischen Methoden nach. Er untersucht, welche gesellschaftspolitischen Vorstellungen unterschiedlichen Formen von Patriotismus und nationaler Identität zugrunde lagen. Auf diese Weise wird eine Typologie entwickelt, die das öffentlich artikulierte Meinungsspektrum im Hinblick auf Nationalbewusstsein im späten 18. Jahrhundert erfasst. Durch die Einbeziehung der historischen Entwicklungen in anderen europäischen Ländern dieser Zeit leistet die Untersuchung schließlich einen Beitrag zur komparatistischen Nationenforschung.

Pressestimmen

Dem stets gut lesbaren, sinnvoll illustrierten Buch sind zahlreiche Leser gerade auch in Belgien zu wünschen.
Martin Wrede in: Francia. 33. 2/2006.

Der umfangreiche Band liefert eine unglaubliche Fülle von Details, Hinweise auf die Debatten der Zeit, auf die wechselnden Machtverhältnisse und er zeigt auf, dass in den zehn belgischen Provinzen im späten 18. Jahrhundert unterschiedliche Nationsvorstellungen entwickelt worden sind. die zueinander in Konkurrenz traten. [...] Der Autor beschäftigt sich in dieser Studie mit einem von der österreichischen Historiographie viel zu wenig beachteten Territorium, das im 18. Jahrhundert neben seiner wirtschaftlichen Vormacht eine bedeutende Position im außenpolitischen Gefüge des habsburgischen Länderkomplexes einnahm.
Renate Zedinger in: Jahrbuch der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhunderts 20 (2005), S. 203.

Mit großer Detailkenntnis und Präzision entwirrt J. Koll in seiner Studie komplizierte Sachverhalte [...]. Erfreulich ist, daß im vorliegenden Fall ein deutscher Historiker gewisse innerbelgische ideologisch bestimmte Vorurteile diskret aber bestimmt und immer fundiert widerlegt. [...] Seine Maßstäbe und Analysen setzen neue Maßstäbe, insbesondere durch ihre unvoreingenommene, breit angelegte Sichtweise [...].
Alfred Minke in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins, Bd. 107/108 (2005/2006), S. 487ff.

Kolls Untersuchung arbeitet am "belgischen" Beispiel in aller Deutlichkeit heraus - und liefert hiermit einen wichtigen Eckstein für vergleichende europäische Untersuchungen - welch zentrale Rolle das "alteuropäische" Widerstandsmuster mit der Berufung auf vertragstheoretisch grundierte, altüberkommende Freiheiten und Rechte noch in der Epoche der Französischen Revolution spielte [..] Johannes Koll hat mit seiner Studie einen weiteren grundlegenden Beitrag zu einer differenzierteren Sicht von "Nation" und "Nationalismus" in der europäischen Sattelzeit geliefert.
Reinhard Stauber in: Zeitschrift für historische Forschung, Bd. 32, H 4, 2005, S. 706ff.

Een ongelooflijk grondige studie van de ontwikkeling van het nationale bewustzijn in de Zuidelijke (de Oostenrijkse, de Habsburgse, de Belgische...) Nederlanden tijdens de laatste decennia van de 18e eeuw. Onvoorstelbaar welk antaal documenten de auteur hiervoor heeft moeten doorworstelen om tot een toch vlot leesbaar geheel te komen. [...] Besluiten wij: dit is een van de grondigste studies over dit onderwerp die we ooit gelezen hebben. Ze bewijst eens te meer, en overduidelijk, dat het verhaaltje van het Vlaamsnationalisme dat in 1830 twee totaal vreemde volkeren (want beide een andere taal sprekend) door de grote mogendheden verplicht werden tegen hun will in een kunstmatige staat te gaan samenleven, niet klopt met de werkelijkheid.
Aus: Delta - Heel-Nederlands Maandblad van de Werksgemeenschap De Lage Landen, 41. Jg., September 2005, S. 18f.

Kolls boek is een helder geschreven bijdrage aan de studie van het proces van natievorming. Hij illustreert op grondige wijze wie de natievormers waren en welke drijfveren schuuilgingen achter het proces van natievorming. Tevens toont hij overtuigend aan hoe het natiebegrip de inzet vormt van een voortdurende strijd tot monopolisering van en controle over dat begrip tussen verschillende belangengroepen in bepaalde historisch-maatschappelijke omstandigheden. Lovenswaardig zijn ook de aanzetten die de auteur geeft in de deelbesluiten en de conclusie tot vergelijkingen met andere landen. Het boek levert ten slotte interessante aanknopingspunten met de debatten die het nationalisme-onderzoek bezighouden. [...] Kortom, dit boek reikt een aantal belangrijke nieuwe elementen aan die het theoretische debat binnen het nationalisme-onderzoek ontgetwijfeld kunnen verrijken.
Jan Fransen in: Tijdschrift voor geschiedenis 118 (2005), Heft 2, S. 304ff.

Ongetwijfeld zal Koll op velerlei wijze gelukgewenst zijn met de voltooing van dit proefschrift. Ik heb er grote behoefte aan de mijne - en ik ben ervan overtuigd dat ik dat doe namens de hele ZANNEKIN-kring - eraan toe te voegen, vol bewondering las ik ben voor de door hem geleverde prestatie.
Marten Heida in: De Nederlanden "extra muros". Jaarboek uitgegeven door de vereniging/stichting ZANNEKIN, 27/2005, S. 182ff.

Diese Kölner Dissertation [...] widmet sich einem bislang in der Forschung (auch in der belgischen) nur wenig beachteten Thema, der Entstehung eines "belgischen" Nationalbewusstseins am Ende des 18. Jahrhunderts. [...] Sehr wohl verdient aber die Tatsache Aufmerksamkeit, dass sich zur gleichen Zeit mehrere Konzepte einer "belgischen Nation" ausbildeten, deren einzige Gemeinsamkeit darin bestand, dass sie sich auf den geopolitischen Raum der Südlichen Niederlande bezogen.
Kolls Verdienst ist darin zu sehen, auf gleichsam "archäologische" Weise den verschiedenen Vorstellungen auf die Spur zu kommen, ihre Wurzeln und ihre Vorbilder freizulegen und dabei auch die gesamteuropäischen Implikationen des Themas nicht aus den Augen zu verlieren. [...]
Krolls Studie ist in ihrer Art wegweisend. Der Verfasser hat sich kritisch und kenntnisreich mit seinen Quellen auseinandergesetzt, wobei er souverän den Bogen über Jahrhunderte niederländischer Geschichte zu schlagen weiß. Er arbeitet damit auch Defizite der belgischen Historiografie auf, die sich dem Thema bislang eher zögerlich genähert hat, während auf der anderen Seite die Revolution von 1830 ziemlich erschöpfend behandelt wurde. Vielleicht bedurfte es des neugierigen Blicks von jenseits der Grenze, um die Faszination zu erkennen, die der Fragestellung inne wohnt. [...] [Es handelt] sich bei der vorliegenden Studie um einen wegweisenden Beitrag, der geeignet ist, die Diskussion um die Genese des europäischen Nationenbegriffs ein gutes Stück voran zu bringen.
Michael Kaiser in: in: sehepunkte 4 (2004), Nr. 12 [15.12.2004], URL:www.sehepunkte.historicum.net/2004/12/4398.html

Mit der Hinwendung zu Belgien füllt die Arbeit [...] eine Leerstelle in der deutschsprachigen Forschung zum Nationsdiskurs im Europa des 18. Jahrhunderts. [...] Koll präsentiert seine Ergebnisse mit Sorgfalt und im Gesamtduktus des Arguments nachvollziehbar. [...] Der Autor erschließt mit seiner Untersuchung einen wichtigen Teil der Geschichte des bei uns weitgehend unbekannten Nachbarn, die überdies mit zählebigen Klischees behaftet ist, welche nur durch gründlichere Kenntnis der Genese der belgischen Politikkultur überwunden werden können. Dazu beizutragen, ist ein erfreuliches Nebenprodukt des Werkes. Sein wesentlicher Nutzen für die Forschung liegt aber in der detailgenauen Darstellung und insgesamt überzeugenden Interpretation der politisch-gesellschaftlichen Normendebatte in Belgien und den zahlreichen Ansätzen, die es für eine Einordnung des Falles in den Kontext des europäischen Nationsdiskurses im späten 18. Jahrhundert bietet.
Olaf Mörke in: Historische Zeitschrift, Bd. 279 (2004), S. 200ff.