Jens Hoppe

Jüdische Geschichte und Kultur in Museen

Zur nichtjüdischen Museologie des Jüdischen in Deutschland

2002,  Internationale Hochschulschriften,  Band 393,  390  Seiten,  E-Book (PDF),  35,80 €,  ISBN 978-3-8309-6178-9

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Jüdische Geschichte und Kultur wird seit langem intensiv durch die Geschichtswissenschaft und die Volkskunde erforscht, ebenso das Museumswesen. Doch wie steht es um die Erforschung der nichtjüdischen Museologie des Jüdischen und damit um die Zusammenführung dieser beiden Forschungsfelder? Bisher haben nur spezielle Jüdische Museen eine umfassende Bearbeitung gefunden. Dies gilt nicht für die allgemeinen kulturhistorischen Museen.

Diese Arbeit über die nichtjüdische Museologie des Jüdischen in Deutschland schließt eine offensichtliche Lücke. Wer sammelte warum Judaica, wie wurden diese ausgestellt, in welchen Zeiträumen? Und was lässt sich aus dieser Museumsarbeit für die gesellschaftliche Konstruktion der Vergangenheit und damit der Selbstdefinition der deutschen Gesellschaft ablesen? Diese und andere Fragen werden am Beispiel von verschiedenen kulturhistorischen Museen beantwortet. Da die Untersuchung den Zeitraum von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Jahr 1989 umfasst, sind sämtliche politischen Brüche bis zur Wiedervereinigung eingeschlossen. Auf diese Weise wird erkennbar, wie die nichtjüdische Museologie des Jüdischen auf die sich verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen reagiert hat.

Pressestimmen

Diese Münsteraner, zwischen Volkskunde und Geschichtswissenschaft angesiedelte Dissertation füllt eine Forschungslücke.
Gerd Mentgen, in: Das historisch-politische Buch, 53. Jg., Heft 3, S. 327f.

Der Autor liefert mit seiner differenzierten Analyse einen wichtigen Beitrag zur Beantwortung der Frage, welchen Stellenwert die jüdische Minderheit seit ihrer rechtlichen Gleichstellung 1871 im kulturellen Gedächtnis der Deutschen hat. [...] Hoppes Untersuchung verfügt über eine breite Quellenbasis. [...] Am Ende der in Sachkenntnis und Gründlichkeit vorbildlichen Studie weist der Autor auf die Notwendigkeit hin, nicht nur die Öffentlichkeitswirkung der seit den 80er Jahren neu gegründeten Jüdischen Museen, sondern auch die Rezeption jüdischer Abteilungen in anderen Museen weiter zu erforschen.
Werner Meiners in: Zeitschrift für Volkskunde. 100. Jg. Bd. I/2004. S. 274ff.

Der Grund dafür ist in der Umfassendheit zu suchen, deren Anspruch Hoppe zwar in der Einleitung zurückweist, allerdings deckt er über besonders aussagekräftige kleine Fallstudien das gesamte Feld der unterschiedlichsten jüdischen Sammlungen vom 19. Jahrhundert bis in das späte 20. Jahrhundert hinein ab. [...] Am überzeugendsten ist Hoppe stets da, wo er an konkreten Beispielen arbeitet und den Weg von Objekten in und aus jüdischen Sammlungen, verbunden mit entsprechendem biographischem Material, vornimmt.
Michaela Haibl in Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 2004, S. 211 ff.

Es gelingt dem Autor, die vielschichtigen Dimensionen seines Themas auszuloten und in einer gut lesbaren, dabei materialreichen und detailgenauen Darstellung zusammenzufassen. Die systematische Anlage seines Buches, der weit gesteckte Zeitrahmen (von 1871 bis 1989) und der Informationsgehalt geben der Arbeit den Charakter eines Kompendiums. Nicht zuletzt trägt dazu auch die sorgfältig gearbeitete, ausführliche und übersichtlich gegliederte Bibliographie bei.
Jutta Held in: Kunst und Politik. Jb. der Guernica-Gesellschaft. 6/2004. S. 143 f.

Die Stärke der materialreichen Arbeit besteht unzweifelhaft in den detaillierten Schilderungen der Einzelbeispiele.
Katharina Rauschenberger in: Historische Zeitschrift. Band 277/2003. S. 676ff.

Hoppe spannt dabei nicht nur einen weiten Bogen vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, sondern beleuchtet das Thema aus verschiedenen Perspektiven Einen erstaunlichen Befund präsentiert Hoppe bereits in der Einleitung mit der Feststellung, dass eine tiefer gehende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der "jüdischen Vergangenheit in Arbeiten zum Museumswesen"(2) bisher fehlt. (...) Insgesamt (...) ist Hoppe Studie eine sehr anregende, detail- und kenntnisreiche Darstellung, die ein wichtiges und vernachlässigtes kulturgeschichtliches Thema erstmals in dieser Form Gewinn bringend aufarbeitet. Es ist zu hoffen, dass die Studie intensiv rezipiert werden und einen Anstoß zu weiteren Forschungen geben wird.
Tobias Arand in: sehepunkte 3 (2003), Nr. 3 [15.03.2003], URL:

In seiner aufwendig und fundiert recherchierten Arbeit bespricht Jens Hoppe die verschiedensten Aspekte seines Themas und gelangt so zu einer interessanten Studie eines bisher nicht systematisch untersuchten Feldes. Von Interesse ist die Dissertation, weil sie anhand vieler verschiedener Beispiele zeigt, welchen Stellenwert jüdische Geschichte und Kultur in der Arbeit von Nichtjuden hatte und welchen Einflüssen das Untersuchungsfeld ausgesetzt war. Darüberhinaus beschreibt der Autor, welche Beziehungen zwischen Juden und Nichjuden bestanden und ergänzt seine Betrachtung durch ein Kapitel, das er ausschließlich der jüdischen Museologie des Jüdischen widmet. Ein weiteres Plus ist ohne Zweifel der grosse zeitliche Bogen, den Jens Hoppe von Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die jüngste Zeit spannt.
Aus: H-MUSEUM, H-Net Network for Museum Professionals, http://www.h-museum.net