Mythos Gegengesellschaft

Wolfgang Seidenspinner

Mythos Gegengesellschaft

Erkundungen in der Subkultur der Jauner

1998,  Internationale Hochschulschriften,  Band 279,  400  Seiten,  E-Book (PDF),  22,90 €,  ISBN 978-3-8309-5640-2

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Die über die Landstraßen ziehenden Jauner verbreiteten bis in das frühe 19. Jahrhundert in der seßhaften Bevölkerung Angst und Schrecken. Man unterschied sie kaum von den gefürchteten Räuberbanden, die zur gleichen Zeit ihr Unwesen trieben. Dabei handelte es sich um eine eigene Bevölkerungsgruppe außerhalb der ständischen Gesellschaft, die seit dem späten Mittelalter durch einen Ausgrenzungsprozeß entstanden war. Bis heute werden sie entweder als utopische Gegengesellschaft und Sozialbanditen verklärt oder aber als abscheuliche Verbrecher und subversive Gegengesellschaft verdammt. Gegen solche durch Stereotypen genährte Vorstellungen läßt sich die Realität dieser marginalen Subkultur allerdings eher als ein - durch Not und Verfolgung geprägtes - Leben im Abseits verstehen.

Pressestimmen

Seidenspinner steuert zahlreiche interessante volkskundliche Details zur kulturellen Praxis und zur Verfolgung mobiler Randgruppen durch die frühneuzeitliche Strafjustiz bei (...) Insgesamt belegt Seidenpinner (...) überzeugend, dass in der Frühen Neuzeit Bettler und Vaganten als "kriminelle Subkultur" und Bedrohung der inneren Sicherheit diskursiv konstruiert wurden und der "Mythos" einer kriminellen Gegengesellschaft dem vormodernen Staat Anlass und Legitimation lieferte, um soziale Randgruppen auszugrenzen und das Sicherheitsinstrumentarium auszubauen.
Karl Härter in: Rechtsgeschichte. Zeitschrift des Max-Planck-Insituts für europäische Rechtsgeschichte. H. 1/2002.