Werkstatt Alltagsgeschichte (Editor)

„Du Mörder meiner Jugend“

Edition von Aufsätzen männlicher Fürsorgezöglinge aus der Weimarer Republik

2011,  540  pages,  paperback,  44,90 €,  ISBN 978-3-8309-2456-2

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Ende der 1920er Jahre durchzog eine lebhafte Debatte um die „Krise der Fürsorgeerziehung“ das Deutsche Reich. Ausgangspunkt der lebhaften Diskussionen waren Aufsätze von männlichen Fürsorgezöglingen, die der umstrittene Berliner Publizist Peter Martin Lampel (1894–1965) im Frühjahr 1928 von Jungen in der Landerziehungsanstalt Struveshof hat niederschreiben lassen.

In diesem Band liegen die Selbsterzeugnisse der Jungen, die auch in der Fürsorgehistoriografie eine wichtige Rolle gespielt haben, erstmals als Kritische Quellenedition vor. Die Texte der Jungen gestatten einen quellengesättigten Einblick in jugendliche Lebenswelten in den Jahren der Weimarer Republik. Als außergewöhnliche Selbstzeugnisse können sie zudem die Debatten um den Quellenwert und die methodische Herangehensweise an diese Quellengattung anregen.

press

Im Rahmen von Biographiearbeit, sowie in der Geschichte der Sozialen Arbeit Weimarer Republik und in der Geschichte der Heimerziehung in Studiengängen der Sozialarbeit/Sozialpädagogik lassen sich diese hier vorgelegten biographischen Texte außerordentlich gut zur Veranschaulichung, sowohl der Lebensverhältnisse der von Sozialer Arbeit (Fürsorge) betroffenen Menschen, resp. Jugendlichen als auch bezüglich des Ausmaßes von Gewalt in Fürsorgeerziehungsanstalten, aber auch in der privaten Erziehung verwenden. Insofern ist dies Werkstattbuch insbesondere Professoren und Studierenden in Masterstudiengängen der Sozialen Arbeit als Materialfundus zu empfehlen.
Peter Schütt auf: socialnet.de

Der vorliegende Band ist das beachtenswerte Ergebnis eines studentischen Editionsprojektes, das fachlich durch den Historiker Martin Lücke begleitet wurde. [...] Die einleitenden Passagen geben auch für einen im kritischen Umgang mit historischen Quellen Ungeübten eine gute methodische Einführung. [...] Der Band eröffnet zweifellos bemerkenswerte Perspektiven auf die Erfahrungen der von der Jugendfürsorge Betroffenen und erweitert den Quellenfundus zur Jugendfürsorge in der Weimarer Republik um einen wichtigen Bestand.
Rebecca Eulzer/Anne Kirchberg in: Erziehungswissenschaftliche Revue, 11/2012.

Die Erfahrungsberichte der Jungen vom Stroveshof sind [...] eine besonders seltene und spannende Quelle, wenn es um eine Annäherung von jungen Männern aus prekären sozialen Verhältnissen geht.
Martin Lücke in: Damals, 1/2013

Auch wenn es in einigen historiographischen Kreisen nicht mehr so notwendig ist, haben die Herausgeber/innen dennoch gut daran getan, die kritischen Überlegungen zu dieser spezifischen Quellengattung und die mit ihr verbundenen theoretisch-methodologischen Fragen ausführlich vorzustellen, da der Band sich nicht nur an Spezialist/innen, sondern auch an Student/innen und alle interessierten Leser/innen wendet. Damit habe ich einen weiteren Vorzug des Werkes angedeutet: Er ist ein wertvolles Lehrmittel für Schulen und Hochschulen. Das Buch ist also nicht einfach ein Sammelband, in dem Autoren (nur) die Ergebnisse ihrer Forschungen mitteilen. Er präsentiert eher die Ergebnisse einer kollektiven Forschungserfahrung und stellt damit gleichzeitig ganz „altruistisch“ ein wissenschaftliches Werkzeug dar, das äußerst nützlich sein kann für diejenigen, die Geschichte studieren und unterrichten.
Stefano Petrungaro in: WERKSTATTGESCHICHTE, 65/2013