Geschichten einer Gefangenschaft

Detlev Cramer

Geschichten einer Gefangenschaft

2008,  Erinnerungen,  Band 2,  164  Seiten,  E-Book (PDF),  18,90 €,  ISBN 978-3-8309-7092-7

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In erschütternd nüchterner Sprache erzählt Detlev Cramer, wie er nach dem Zweiten Weltkrieg 42 Monate Kriegsgefangenschaft in sowjetischen Lagern überlebte. Er begibt sich schreibend auf die Suche nach denjenigen, die ihm halfen zu überleben: russische Soldaten, Lagerärzte, Arbeiterinnen und Schutzengel in Schwesterntracht, und damit sind die Geschichten einer Gefangenschaft mehr als nur ein historisches Dokument.

Als wir uns einige Tage später auf der Lagerstraße begegneten, bat er mich noch einmal. Er fragte nicht mehr nach dem Verkaufen. Er nannte mich wieder bei meinem Namen.
"Cramer, bitte, gib mir das Herz."
Erneut schlug ich seine Bitte aus. "Ich gebe das Herz nicht her."

Der Autor steht gerne für Lesungen zur Verfügung.
Kontakt über: Alfred Goldmann (alfredgoldmann@web.de)

Autoreninfo

Detlev Cramer, 1926 in Stettin geboren, machte während des Krieges das Flakhelferabitur und wurde zum 1. Juli 1944 zur Wehrmacht eingezogen. Von 1945 bis 1948 verbrachte er 42 Monate in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Heimkehr wurde er an der Kunstschule Burg Giebichenstein in Halle a.d. Saale, einer Nachfolgeeinrichtung des Bauhauses in Dessau, zum Möbeltischler ausgebildet. 1951 machte er seine Gesellenprüfung in dem bekannten Hallenser Familienbetrieb Oswald und Werner Haake.

Danach nahm er in Berlin das Studium der Berufspädagogik auf und war von 1953 bis 1972 als Lehrer an verschiedenen Berliner Berufs-, Sonder- und Hauptschulen tätig.

Von 1972 bis 1991 unterrichtete er mit einer Professur für „Werken und Arbeitslehre in Sonderschulen“ an der pädagogischen Hochschule und der Freien Universität in Berlin. Nebenberuflich engagierte er sich beim Aufbau und bei der Leitung der Glockenspielgruppe der „Elterninitiative behinderter Kinder Berlin-Neukölln“.

1992 gründete er die Berliner Orchestergemeinschaft „Integration durch Musizieren“, die 1997 von der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin mit dem Projektpreis für den Bereich Familienarbeit ausgezeichnet wurde. Zudem half Detlev Cramer, die musikalische Sozialarbeit in Polen aufzubauen.

Seit 1991 befindet er sich im „aktiven Ruhestand“. Er nahm Lehraufträge an Berliner Hochschulen wahr und gab Fortbildungsseminare zur integrativen Orchesterarbeit in Deutschland, Polen und Griechenland. 1996 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande für die musikalische Sozialarbeit in Deutschland und Polen.

Seit Oktober 2000 engagiert er sich mit seinem Buch in mehr als 200 Lesungen für die zeitgeschichtliche Thematik Erinnern statt Verdrängen.

2007 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der BRD für die Verdienste um die Völkerverständigung mit Polen und Russland.

Pressestimmen

Zwölf Geschichten erzählen von Menschen, die anderen Hoffnung gaben, sie zum Weiterleben ermutigten oder das Überleben erst möglich machten. Der Gefangene ist der Willkür anderer ausgeliefert, eine Situation, die abhängig und Hilfe nötig macht. Cramer hat beides erfahren, die Willkür und die Hilfsbereitschaft. Letztere würdigt er in einem Buch, das Verständigung fördert und fordert, das aufruft zum gegenseitigen Helfen und Verstehen.
Joe Wagner in: www.vorwaerts.de - Rubrik Kultur/Rezensionen vom 24.03.12004 URL: http://www.vorwaerts.de/allother.php/iAid/531/rev/1

Cramers Buch ist mehr als 50 Jahre nach den Ereignissen erschienen und war einst gedacht als "erzählender Gedenkstein" für das Museum der Erzählung in Danzig. Dass es zu Recht den Weg heraus aus dem Museum in die Öffentlichkeit gefunden hat, zeigte der lange Beifall der Schüler.
Schwäbische Zeitung vom 5.10.2002 anlässlich einer Lesung von Detlev Cramer im Pestalozzi-Gymnasium vor Schülern der 12. Klasse in Biberach.

"[Cramers Geschichten] sind ein 'erzählender Gedenkstein', setzen Kontrapunkte zu den zahlreichen Zeugnissen des Schreckens in den Lagern, zeigen Menschlichkeit in unmenschlichen Lebensbedingungen."
(Förderverein für MEMORIAL/St. Petersburg e.V.)

"Seine Botschaft ist ein Appell gegen die Grausamkeit, die Menschen in ideologischer Verblendung einander antun, gegen die Barbarei des Krieges, für Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Die Erinnerungen eines Zeitzeugen an die Geschehnisse damals sind für uns heute von großer Bedeutung, weil sie unsere Wahrnehmung schärfen für das, worauf es auch in unserer Zeit ankommt: Frieden, Gerechtigkeit und Menschlichkeit."
(Pastorin Susanne Bostelmann)

"Mit seinen Erzählungen fesselt er seine Zuhörer, ermutigt sie, selbst von ihrem Schicksal zu berichten."
(Aus: Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Nr. 50; 28.02.2002)

"Das Bild das [Detlev Cramer] zeichnet, kennt kein Schwarzweiß: In der Grauzone des Leidens sind die Grenzen von Freund und Feind fließend und Gültigkeit hat nur eines: Jeder Mensch hat an jedem Tag viele Möglichkeiten sich zu entscheiden - so oder so."
(Camphill-Schulgemeinschaft Föhrenbühl)

"Detlev Cramer, der in den Jahren der Gefangenschaft immer wieder den Kontakt zur russischen Bevölkerung suchte, zeigt in seinen Erinnerungen, wie menschliches Handeln in unmenschlichen Situationen Überleben möglich gemacht hat."
(Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Stalinismus e.V.)

"Kein Buch mit Landser-Geschichten, sentimentalen Erinnerungen an die Gefangenschaft in Russland, dennoch gehen die Schilderungen des 76-Jährigen unter die Haut. [...] Gräfin Dönhoff, die kurz vor ihrem Tod das Buch in die Hand bekam, habe gesagt: 'Ich habe in den letzten Jahren kaum ein Buch in der Hand gehabt, das mich so bewegt hat.'"
(Aus: Süd-Kurier Nr. 152/58; 04.07.2002)

"Eine empfehlenswerte Erinnerung an die Vergangenheit. Sie wird helfen, nicht mehr verdammt zur Wiederholung zu sein."
(Santayana)

"Martin Bubers Aussage, wonach jeder Mensch Ausschau hält nach dem anderen Menschen, der JA sagt zum Sein des Menschen, wird hier belegt!"
(Professor U. J. Kledzik Obe, HonFCP)