Die Ikonographie der Nation

Silke Meyer

Die Ikonographie der Nation

Nationalstereotype in der englischen Druckgraphik des 18. Jahrhunderts

2003,  Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland,  Band 104,  420  Seiten,  E-Book (PDF),  169 Abb.,  31,30 €,  ISBN 978-3-8309-6303-5

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Nationale Stereotype und Identitäten sind zentrale Themen volkskundlicher, kunsthistorischer und historischer Forschung. Dieses Buch geht der Herkunft, der Fixierung und Tradierung von nationaler Ikonographie nach und rekonstruiert somit das Bild des Deutschen und seiner europäischen Nachbarn für England im 18. Jahrhundert. Untersucht werden englische Karikaturen, Flugblätter, Kinderdrucke sowie Illustrationen in Geographie- und Geschichtsbüchern auf die Frage hin, was ein nationales Stereotyp ausmacht: die Physiognymie und Körperstatur, die Haltung, typische Kleidung und Nahrung eines Deutschen, Franzosen, Niederländers, Spaniers und Italieners. Zudem wird nach der Funktion von historischen Stereotypen gefragt: Sie stiften Identität wie Ordnung in den Wahrnehmungsmustern. Diese Arbeit leistet somit gleichermaßen einen Beitrag zur europäischen Mentalitätsgeschichte und zur kulturwissenschaftlichen Bewusstseinsanalyse.

Autoreninfo

Silke Meyer, Dr. phil., geb. 1971, hat an den Universitäten Tübingen, Münster und Sheffield Anglistik, Kunstgeschichte und Volkskunde/Europäische Ethnologie studiert. 2002–2004 DAAD-Hochschullektorin im German Department der Nottingham University, 2004–2010 Universitäts-Assistentin am Seminar für Volkskunde/Europäische Ethnologie der Universität Münster,
seit September 2010 Universitäts-Assistentin am Institut für Geschichtswissenschaften & Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck.

Pressestimmen

[Die Studie] verdient [...] die größte Aufmerksamkeit von Volkskundlern, (Kunst-)Historikern, Anglisten und Kulturwissenschaftlern. Doch nicht nur diesen sei dieses Werk wärmstens empfohlen. Wer wissen will, wie unanständig es anmutet, wenn in englischen Karikaturen deutsche Paare das Tanzbein beim Walzer als "riotous and indecent German dance" (178f.) schwingen und wie es aussieht, wenn ein englischer Karikaturist in "Germans eating Sour-Kraut" (172f.) kulinarischen Habitus mit preußischem Expansionsstreben verbindet, wird seine Freude an dieser eindrucksvollen und unterhaltsamen Studie haben.
Stefanie Bock in: WLA-online-Archiv. 46. Jg. 1/2007. S. 117f.

Besonders überzeugend sind die Studien zum Umfeld der Druckgraphiken, deren Verbreitung und die Preispolitik der Unternehmen. Gerade in diesem Bereich könnte die Arbeit auch für den angelsächsischen Raum aufschlussreich sein, wo offenbar bisher die billigen Nachdrucke berühmter Karikaturen namhafter Zeichner, die sogenannten Popular Prints in ihrer Bedeutung für die "Bildung" breiter Bevölkerungsschichten so noch nicht bearbeitet wurden. [...] Überraschend reichhaltig ist die Bildauswahl für diese Arbeit, die ein Bildrepertoire präsentiert, das selbst bei Graphikspezialisten in weiten Teilen unbekannt ist, da die populären Blätter bzw. die popularisierten Fassungen bekannter englischer Karakaturisten bisher weder bei Kunsthistorikern noch bei Historikern tiefergreifendes Interesse hervorriefen.
Michaela Haibl in: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Bd. LIX/108, Heft 1/2005, S. 81ff.

Silke Meyers Die Ikonographie der Nation ist, obgleich in erster Linie eine volkskundliche Monographie, zugleich ein bereichernder Beitrag zur Mentalitätsgeschichte Englands im 18. Jahrhundert und ist als solcher von großem Nutzen auch für die anglistische Kulturwissenschaft; darüber hinaus wird auch die Historische Pragmatik bzw. historische Kommunikationsforschung diese Arbeit zur Kenntnis nehmen müssen.
Ulrich Bach in: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde 49/2004, S. 347 ff.

Die eigentliche Leistung dieser wohlformulierten Arbeit macht die anschauliche und sensible Auseinandersetzung mit den genannten fünf Fremdbildkomplexen aus, in deren Verlauf die Spezifik der bildlichen Darstellungen mit konkreten politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklungen vernetzt werden [...] Silke Meyer, die sich ebenfalls an Bausingers Stereotypen-Begriff orientiert, demonstriert in ihrer Studie, wie diese Funktionen ganz konkret im Bereich der popularen Druckgraphik in Szene gesetzt werden. Das war noch nicht bekannt.
Burkhart Lauterbach in: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde, 2004, S. 202 f.