Münsterland-Mafia

Georg Veit

Münsterland-Mafia

Ein Kriminalroman aus der Provinz

1999,  Waxmann Schwarze Serie,  232  Seiten,  E-Book (PDF),  12,70 €,  ISBN 978-3-8309-5761-4

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Eigentlich will er seine Ruhe: Peter-Paul Pfühl, genannt Pepa. Seine Leidenschaft sind sportliche Autos, Tomaten und seine Freundin. Alles natürlich mit Ruhe. Doch damit ist es vorbei, als ein Nachbarsjunge tot aufgefunden wird. Studienrat Pepa wird in ein Verbrechen verstrickt, das immer organisiertere Kreise zieht. Und Pepa steht seinen Mann.

Ein Krimi, der temporeich und launig daherkommt, es aber faustwaffendick hinter den Ohren hat.


Leseprobe

(...) Ich weiß nicht, wie lange ich auf dem Wohnzimmerteppich gesessen hatte. In einer Art Schneidersitz. Mit dem Rücken zu meiner Schülerin. Sie hatte zweimal mit einem "Halten Sie den Mund!" ein pädagogisch wertvolles Gespräch abgewürgt, und keiner sagte was. Ich lebte in einer Art Zwischenzustand. So mußte dem Königssohn auf dem Weg zum Frosch zumute gewesen sein.

Mein linker Fuß war eingeschlafen, der Rest wollte gerade nachziehen, als mich plötzlich ein Schluchzen aufschreckte.

Vorsichtig drehte ich mich um. Marga saß zusammengesunken auf meinem schwarzen Nappalederfernsehsessel und bebte und wimmerte. Ich stand auf und wäre beinahe umgeknickt. Mein linker Fuß war ein dicker Pelz, und ich stützte mich auf den kühlen Marmortisch, um zu ihr zu tapsen.

Sie sah auf. Ihre Augen waren verheult. Sie reichte mir die Pistole. Eine P 1. Neun Millimeter. Aus Bundeswehrbestand wahrscheinlich. Mein Nachbar war als Hauptfeldwebel aus dem Dienst ausgeschieden. Ein bißchen kannte ich mich da aus. Vor dem Studium war ich beim Bund gewesen, und Schießübungen hatten mir gelegen.

Marga hatte den Sicherheitshebel nicht umgelegt. Einen schnellen Schuß hätte sie so nicht abgeben können. Sie war also doch keine Barbarella!

Sie schluchzte immer lauter und wischte sich mit ihren kurzen Fingern die Augen. Die Nase hatte tatsächlich was abgekriegt. Es tropfte aus ihr - aber nicht nur rot. Marga hatte sich mit meinem Sofakissen bedient.

Ich ließ das Magazin herausgleiten und steckte es in meine Gesäßtasche. Es war noch voll. Marga hatte die P 1 nicht mal fertiggeladen! Mein Pulsschlag hatte völlig umsonst zugelegt. Mein linker Fuß wurde wieder lebendig. Ich selbst ebenfalls. Die Welt bekam wieder Ordnung, und ich reichte Marga mein Taschentuch. Frau Brinkmann hatte es exakt gebügelt.

Dann setzte ich mich auf's Sofa.

"Marga, am besten Sie gehen jetzt. Über den Rest reden wir später."

Ich schlurfte zur Vitrine und holte Sherry und Glas heraus. "Trinken Sie das!"

Sie nippte, kippte dann schniefend den Medium herunter und sah mich mit geröteten Augen an. Wie ein Albino.

"Nein, ich will noch nicht gehen. Bitte noch ein bißchen!"

Um Mitternacht mit einer geschlechtsreifen Halbwüchsigen neben mir und einer Pistole vor mir abgemalt zu werden, hatte ich nun wirklich keine Lust. Sowas ähnliches hatte ich in einem früheren Alptraum hinter mich gebracht (...)

Autoreninfo

Georg Veit gilt als der Erfinder der Münsterland-Krimis. Geboren wurde er 1956 und hat bisher neben den vier Krimis um den Münsterland-Fahnder „Pepa“ u.a. die Satire „Helmuterkloße“ sowie die historischen Romane „Zeit der Krammetsvögel“ und „An den Enden der Treppe“ veröffentlicht. In „Dasseinsbestände“ und „Liudger I-IV. Lebensgedichte“ zeigt er sich als innovativer Lyriker. Er arbeitet an einem Gymnasium in Coesfeld, ist verheiratet und hat drei Kinder. Von 2004 bis 2009 war er Mitglied im Rat der Stadt Coesfeld.

Georg Veit im Interview

Pressestimmen

Ein weiterer amüsant spannender Krimi aus der Feder des Münsterland Spezialisten Georg Veit. [...] Gespickt mit vielen köstlichen Ideen, basierend auf einer optimistischen und ein wenig zynisch angehauchten Grundhandlung, macht es grossen Spass, diese Münsteraner "Jugendstudie" aus dem Drogenmilieu zu lesen!
Aus: http://www.cosmos-apotheke-mannheim.de/ [07.10.2007]

Die Romane [von Georg Veit] leben durchaus von der Spannung, dem Ver- und Entknoten der Handlungsstränge, aber auch insbesondere durch Situationskomik und den entsprechenden Sprachwitz. [...]. Diese Melange und die sympathische Eigenironie des Erzählers machen diese Bücher zu einer mehr als vergnüglichen Lektüre. Mehr davon bitte!
Aus: Reh-Zensionen, Das Dosierte Leben, Nr. 37.