David D. PaigeWilliam H. RupleyGrant S. SmithTimothy V. RasinskiWilliam NicholsTheresa Magpuri-Lavell

Prosodisches Lesen als Strategie für das Leseverständnis?

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Abstract

Die aufstrebende Forschung zur Leseprosodie als ein Indikator für flüssiges Lesen zeigt, dass Prosodie bei Schülerinnen und Schülern verschiedener Altersklassen zum Leseverständnis beiträgt. In der vorliegenden Studie wurde unter Verwendung der Multidimensional Fluency Scale (MDFS; Zutell & Rasinski, 1991) die Entwicklung der Leseprosodie und des Leseverständnisses von 250 Erst-, Zweit- und Drittklässlern über ein Schuljahr hinweg untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Schülerinnen und Schüler schrittweise ihre Leseprosodie verbessern und sich bis zum Ende der zweiten Klasse dem der Jahrgangsstufe entsprechenden Niveau annähern. Während sich die Lesegeschwindigkeit nicht als signifikanter Prädiktor des Leseverständnisses erwies, konnten die Genauigkeit der Wortidentifikation und die Leseprosodie 64.9 % der Eigenvarianz beim Leseverständnis aufklären. Mithilfe eines Three-Step-Resamplings (Baron & Kenny, 1986) und eines Bootstrap-Resamplings zur Mediationsanalyse (Preacher & Hayes, 2004; Preacher & Kelly, 2011) konnte ein signifikanter Mediationseffekt der Prosodie auf das Verhältnis von Automatizität und Leseverständnis gezeigt werden. Weitergehende Analysen verdeutlichten, dass sich Lesegenauigkeit und angemessenes Lesetempo schneller entwickeln als die Fähigkeiten zu expressivem Lesen und Phrasierung. In Anlehnung an die Implicit Prosody Hypothesis (Fodor, 2002) wird der Gedanke weitergeführt, dass Leseprosodie als problemlösendes Hilfsmittel zum Interpretieren nicht-eindeutiger Wortlaute eingesetzt und das Leseverständnis dadurch verbessert werden kann.

Schlagworte
Prosodie; Lesefluss; Verständnis; Primarstufe; Leseverständnis