William C. BrehmIveta Silova

Die heimliche Privatisierung öffentlicher Bildung in Kambodscha: Gerechtigkeitsspezifische Auswirkungen von Nachhilfeunterricht

Kurzlink: https://www.waxmann.com/artikelART102734

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Abstract

Der internationale Aufbau einer neuen politischen Wirtschaftsordnung in Kambodscha hatte gegensätzliche Effekte in Bezug auf Bildung. Die Sprache der Demokratie entwickelt sich neben Korruption und Menschenrechtsverletzungen, die Initiative ‚Education for All‘ besteht neben der Privatisierung öffentlicher Bildung, und zahlreiche internationale Bemühungen zur Bildungsentwicklung tragen zur Aufrechterhaltung (post)kolonialer Verhältnisse bei. In diesem Kontext ist privater Nachhilfeunterricht zu einem wesentlichen Bestandteil des öffentlichen Bildungssystems geworden. Die Beherrschung der vorgesehenen Unterrichtsinhalte ist nur durch eine bedachte Kombination von öffentlicher Beschulung und Privatunterricht möglich. Nur wer sich Nachhilfeunterricht leisten kann erhält vollständigen Zugang zur nationalen Bildung und hat demnach bessere Möglichkeiten, im öffentlichen Schulsystem erfolgreich einen Abschluss zu erwerben. Auf Basis erster Analysen qualitativer und quantitativer Daten aus 26 Klassenbeobachtungen, sechs Fokusgruppen mit insgesamt 37 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, Trackinginformationen von 36 Schülerinnen und Schülern sowie informellen Interviews mit 10 Teilnehmerinnen und Teilnehmern untersucht dieser Artikel die Beschaffenheit und Tragweite des Nachhilfeunterrichts in Kambodscha sowie dessen Auswirkungen auf Bildungsgerechtigkeit. Der Artikel schließt damit, zu erläutern, wie eine nahtlose Kombination aus öffentlicher Bildung und privatem Nachhilfeunterricht zur Schaffung eines Bildungsgefüges beiträgt, das eine Stratifizierung der Kinder und Jugendlichen in Kambodscha nach sozio-ökonomischen Kriterien fortsetzt.

Schlagworte
Kambodscha; Nachhilfeunterricht; Shadow Education; Privatisierung