Biographie und (un)bewusste Berufswahlmotive von Psychotherapeuten

Gabriele Fürst-Pfeifer

Biographie und (un)bewusste Berufswahlmotive von Psychotherapeuten

Psychoanalytiker und Systemische Familientherapeuten erzählen aus ihrem Leben

2013,  Psychotherapiewissenschaft in Forschung, Profession und Kultur,  Band 4,  352  pages,  paperback,  37,90 €,  ISBN 978-3-8309-2858-4

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Im Rahmen eines offenen qualitativ-interpretativen Forschungsansatzes kommen zehn Psychotherapeutinnen bzw. Psychotherapeuten zu Wort, die aus den Fachgebieten der Tiefenpsychologie sowie der Systemischen Familientherapie stammen. Die Autorin exploriert dabei im Sinne des Lebensstil-Konzepts von Alfred Adler bewusste und unbewusste Motive zur Berufswahl und beschäftigt sich mit der Entstehung beruflicher Stilformen (Spezialisierungen/Praxisformen). Als familiäre Beweggründe der Berufswahlmotivation werden von den befragten Psychotherapeuten schwere familiäre Schicksalsschläge, problematische Bindungserfahrungen, Bindungsmängel, das Fehlen oder der Verlust der Mutter und/oder des Vaters, Sehnsucht nach den Eltern, Heimerziehung oder Todesängste geschildert. Bemerkenswerterweise spiegeln sich lebensstiltypische Charakterzüge und Verhaltensweisen ebenso in den Interviewsituationen wider und bestätigen auf diese Weise das folgende Diktum Adlers: „Jeder Mensch verfügt über einen eigenen Lebensstil und spielt daher sein ganzes Leben lang dieselbe ‚Melodie‘“ – womit auch die Frage von Determination und Willensfreiheit aufgeworfen wird. Wie die Ergebnisse dieser qualitativen Explorationsstudie zeigen, ist die Analyse von Berufswahlmotiven im familiären Kontext eine sinnvolle Anregung von Entwicklungspotenzialen für Aus-, Fort- und Weiterbildung von Personen sowohl in der Psychotherapie als auch in anderen Gesundheits- und Heilberufen.

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Die Autorin hat zwei Bücher in einem in ihrem überreich dokumentierten Text geschrieben: die spannende Serie der transkribierten Interviews, und eine 165-seitige Dokumentation ihres methodischen Zugangs, der grundlegenden Störungen, deren Opfer die meisten Therapeuten früh geworden sind, und spannende Kurzbiographien der wichtigsten Erforscher dieser Störungen auf den Hintergrund ihrer Lebenswelt.
Tilmann Moser auf Tilmann Moser Website

Dass Psychotherapeuten selbst durch eine belastete, ja oft traumatisierende Kindheit gegangen sind, um schließlich „verwundete Heiler“ zu werden, wurde schon lange angenommen, aber noch nie mit solcher Nachhaltigkeit und Präzision begründet. [...] Das Buch stellt aber auch für alle Therapeuten eine Sammlung von Kategorien zur Verfügung, um die Motive ihrer Berufswahl noch einmal klärend zu überprüfen.[...] Das Buch sei allen empfohlen, die sich vom Beruf des Psychotherapeuten angezogen fühlen.
Tilmann Moser in: Psychologie heute, 9/2014