Auswandern und Zurückkehren

Wiebke Hoffmann

Auswandern und Zurückkehren

Kaufmannsfamilien zwischen Bremen und Übersee

Eine Mikrostudie 1860–1930

2009,  Internationale Hochschulschriften,  Band 523,  556  pages,  paperback,  mit zahlreichen Abbildungen,  39,90 €,  ISBN 978-3-8309-2102-8

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Wiebke Hoffmann schildert in ihrer Dissertation die Lebenswelten von zehn Bremer Kaufmannsfamilien in der Zeit von 1860 bis zum Ausbruch der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren. Die Metapher Auswandern und Rückkehr drückt die Mobilität aus, die von Überseekaufleuten in der Zeit der deutschen Modernisierung gefordert wurde – Bremen und Übersee spielt darauf an, dass Lokales und Globales prozesshaft miteinander korrespondieren.
Aus Sicht der historischen Bürgertumsforschung mit der Familie als zentralem Anknüpfungspunkt befasst sich die Untersuchung mit Prozessen der bürgerlichen Kultur und körperlicher Befindlichkeit und schildert die Konsequenzen der Jahre andauernden Migration für das Leben in Bremen nach der Rückkehr.

Detaillierte Darstellungen von männlicher und weiblicher Arbeit, von Geschlechterrollen sowie die frühe Sozialisation der Kinder in einem Familienleben zwischen Bremen und Übersee sind bedeutsam. Kulturelle Indikatoren wie Ernährung, Kleidung, Musik und Tanz, werden nach Differenzen und Transkulturation befragt.
Geschäftlicher Erfolg in Übersee war nur durch Unterstützung indigener Mitarbeiter wie Teilhabern und Angestellten möglich. Die körperlich anstrengende Arbeit des Kaufmanns fand überwiegend „draußen“ auf Bazaren, Verladeplätzen und Tabakplantagen statt und nicht wie in Bremen im Kontor.

Die Untersuchung ist methodisch der Historischen Anthropologie verpflichtet. Die Quellenlage ist vielseitig. Überseekaufleute verfassten nach ihrer Rückkehr nach Bremen stereotypisierende Autobiografien, in denen die Ehefrauen kaum erwähnt werden. Auf der Grundlage umfangreicher privater Brief- und Fotoquellen ließen sich drei Kaufmannsgenerationen mit Erfahrungen in Übersee beschreiben und durch ausgewählte Fotos visualisieren.

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Als Fazit bleibt Folgendes: Die solide aufgestellte, eigene Forschungen anregende, argumentativ schlüssig formulierte und auf eine breite wie heterogene historische Quellenbasis sich stützende Migrationsstudie zu den Eliteauswanderern aus Bremen besticht durch ihre detaillgetreue Ausleuchtung der alltagskulturellen Nahwelt. Als insgesamt äußerst gewinnbringend gelesenes Buch, vermag die von Wiebke Hoffmann vorgelegte Untersuchung über pluri-lokale Lebensformen in erster Linie wegen ihrer gründlichen, gewissenhaften und auf die Innenwelten der Akteure gerichteten Vorgehensweise im Wissenschaftszeitalter nach dem „Mobility Turn“ aus der Perspektive der Historischen Anthropologie eine Forschungslücke zu schließen.
David Johannes Berchem in: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde, Band LV. 2010.

In ihrer Dissertation liegt ihr Fokus neben der Betrachtung des beruflichen Alltags der Übeseekaufleute in erster Linie auf den Frauen. Wie erlebten sie Alltag und Heimweh, Kontakt zu Einheimischen, Ehe und Mutterschaft in der Fremde? [...] Die Antworten fand Wiebke Hoffmann – eingebettet in den historischen Kontext – in den umfangreichen Nachlässen. So ergibt sich ein plastisches und sehr persönliches Bild der bürgerlichen Bremer Kaufmannsfamilien in Übersee [...]
Anette Harasimowitsch in: ZETT, H. 12/1. 2010/2011.

Hoffmann gelingt es, unterschiedliche Aspekte von privatem Alltag und Arbeit anhand von Beispielen aus Familien und Bremer Elite sehr detailliert zu rekonstruieren.
Nicola Wurthmann in: Bremisches Jahrbuch. Bd. 89, 2010.

Wiebke Hoffmann präsentiert bisher weitgehend unbekannte Aspekte des Alltagslebens von deutschen Kaufleuten in Übersee. Sie analysiert zum Beispiel ausführlich, wie die Familien mit Schwangerschaft, Geburt und Erziehung umgingen, und wie sich der bürgerliche Haushalt in Übersee veränderte.
Christiane Berth auf: hsozkult.geschichte.hu-berlin.de

es [handelt] sich bei Hoffmanns Werk um einen gewichtigen Beitrag zur Migrations- und besonders zur Bürgertumsforschung.
Horst Rössler in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, 33. 2011.

Es handelt sich um eine sehr detailreiche Untersuchung, die ein anschauliches Bild des Innenlebens einiger Bremer Kaufmannsfamilien bietet. [...] Zum Aspekt kultureller Hybridität bietet die Arbeit ebenfalls interessante Einsichten. Hierin liegt das eigentliche Verdienst der Arbeit.
Margrit Schulte-Beerbühl in: Jahrbuch für Regionalgeschichte, Bd. 29. 2011.

Zu Hoffmanns bemerkenswerten Befunden zählt die Überschneidung männlicher und weiblicher Handlungsräume in der kolonialkaufmännischen Arbeitswelt. Sowohl die mitgereisten als auch die dahiemgebliebenen Ehefrauen übernahmen oft eine wichtige Mittlerfunktion in der Kommunikation zwischen Bremen und Übersee. Ihre Korrespondenz belegt einen tiefen Einblick in die Geschäfte sowie einen aktiven Anteil am kaufmännischen Erfolg und gesellschaftlichen Aufstieg der Familie.
Jens Ruppendahl in: Das Historisch-politische Buch, 3/2012