Kindermalerei

Marie-Luise Dietl

Kindermalerei

Zum Gebrauch der Farbe am Ende der Grundschulzeit

2004,  Internationale Hochschulschriften,  Band 429,  318  pages,  E-Book (PDF),  zahlreiche farbige Abb.,  31,40 €,  ISBN 978-3-8309-6347-9

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Diese Untersuchung stellt den Leserinnen und Lesern einen umfassenden Kriterienkatalog zur Verfügung, um farbige Kinderbilder wie auch Bildentstehungsprozesse detailliert zu analysieren. Beim Erstellen des Katalogs wurden Theorieelemente der Kinderzeichnungsforschung wie auch Erkenntnisse verwandter Disziplinen wie der Physik, der Neurobiologie, der Gestalt- und Emotionspsychologie berücksichtigt. Dieser fundierte Zugriff auf farbiges Bildmaterial stellt im Rahmen der Kinderzeichnungsforschung ein Novum dar.

Die Anwendung des Kriterienkatalogs im Rahmen der empirischen Untersuchung lässt vor allem die experimentell-forschende Grundhaltung der Neun- bis Zehnjährigen aufscheinen. Die zahlreichen Bildbeispiele machen deutlich, dass sich Kinder nie auf eine bestimmte Malweise beschränken, sondern maltechnische Prinzipien in vielfältiger Weise miteinander kombinieren. Körpererfahrungen wie Atemrhythmus, Puls, Aufgerichtetsein oder Balance sind dabei als Basis malerischer Ausdruckshandlungen anzusehen. Sie regulieren das Zusammenspiel innerer und äußerer Wahrnehmungen und damit auch die Wechselwirkung affektiver und mentaler Reaktionen.

Zusammenfassend lässt sich der kindliche Umgang mit der Farbe als komplexes Zusammenspiel kognitiver, physischer und psychischer Prozesse beschreiben. Im schulischen Kunstunterricht sind folglich gegenständliche, formale, materiale und motorische Motivationsebenen gleichermaßen in den Blick zu nehmen, um malerische Ausdruckshandlungen in Gang zu bringen und die Freude am Malen auch über die Grundschulzeit hinaus aufrecht zu erhalten.

press

Das Buch leistet einen innovativen Beitrag zur kunstpädagogischen Forschung. Sowohl der theoretische als auch der empirische Teil basieren auf gründlichen und sachkompetenten Auseinandersetzungen auf der Höhe der fachhistorischen und aktuellen Diskurse. Die Aufbereitung der Ergebnisse ist konkret und leistet einen anschlussfähigen Transfer in die kunstpädagogische Praxis.
Bettina Uhlig in: Die Grundschulzeitschrift 188/2005, S. 53.

Und so liefert die Studie zum "Gebrauch der Farbe am Ende der Grundschulzeit" einen wichtigen Beitrag zu einem lange vernachlässigten Feld, wo weitere Grundlagenarbeit dringend vonnöten ist. Dies legitimiert auch den umfänglichen theoretischen Teil, der im Kapitel zur "Farbe in der Kinderzeichnungstheorie" psychologisch orientierte Untersuchungen zum Farbgebrauch rezipiert und einen sehr gut kommentierten Überblick zum mageren Forschungsstand bisheriger kunstpädagogischer Bemühungen um das Thema Farbe bietet. [...] [So] bietet die lesenswerte und prägnant formulierte Studie eine Fülle spannender Befunde, die zudem zu eigenen Beobachtungen und - dies darf als Aufruf an alle Kunstpädagogen verstanden werden - zu eigener Forschungstätigkeit anregt. Das sehr ansprechend und sorgfältig gestaltete Buch wird bereichert durch ein Glossar und einen Anhang mit kommentierten Farbabbildungen.
Martin Oswald in: Kunst+Unterricht, Heft 293/2005, S. 49.

Allein schon auf Grund des Kapitels über die historischen Überlegungen zur Farbe in der Kinderzeichnung ist das Buch für jeden Lehramtsstudenten und Referendar mit dem Schulfach "Bildende Kunst" lesenswert. Aber auch die Darstellung der Wahrnehmungstheorien zeigt, dass die Autorin hier umfassend und gründlich recherchiert hat und zielorientiert basale Informationen in einer gut lesbaren Sprache zu vermitteln versteht. Ein Herzstück des Buches sind schließlich die empirischen Untersuchungen, die u.a. in zahlreichen Tabellen und Schaubildern vorgestellt werden.
Heinz Kähne in: Grundschulunterricht 6/2005, Sonderheft Bildende Kunst, S. 63.

Ihre Untersuchung ist klar strukturiert: (1) Umfassend und präzise stellt sie die bisherigen Forschungsergebnisse dar - beginnend in den 1920er Jahren - und diskutiert diese kritisch. [...] Dietls Untersuchung ist wichtiger Teil der verstärkten wissenschaftlichen Grundlegung der Kunstpädagogik. Die früher übliche praxeologische Anleitungsliteratur bekommt nun durch empirisch fundierte Forschungen eine entscheidende Ergänzung. Entscheidend deshalb, weil die Kunstpädagogik sich im Fächerkanon der Schule nur dann halten kann, wenn sie auf wissenschaftlichem Fundament argumentiert und agiert.
Georg Peez in: BDK-Info 1/2005, S. 31.