Die 'Stultifera Navis'

Nina Hartl

Die 'Stultifera Navis'

Jakob Lochers Übertragung von Sebastian Brants 'Narrenschiff'
Bd. I.1 Untersuchung und Kommentar
Bd. I.2 Teiledition und Übersetzung

2001,  Studien und Texte zum Mittelalter und zur frühen Neuzeit,  Band 1,  684  pages,  E-Book (PDF),  2 Bände,  40,90 €,  ISBN 978-3-8309-5999-1

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Sebastian Brants 'Narrenschiff' aus dem Jahre 1494 war ein "Bestseller" auf dem noch jungen Buchmarkt der Frühdrucke. 1497 erschien, ebenfalls bei Johann Bergmann von Olpe in Basel, die lateinische Version des epochemachenden Werkes, verfaßt von Brants Schüler, dem Humanisten Jakob Locher. Erst diese Übertragung in die damalige "Weltsprache" legte den Grundstein für die europäische Wirkungsgeschichte des 'Narrenschiffs'.

Dabei ist die 'Stultifera Navis' keine stets wortgetreue Übersetzung, sondern eine eigenständige Bearbeitung der Vorlage, und so verwundert es, daß trotz Untersuchungen zur europäischen Rezeption des 'Narrenschiffs' lange keine andere Ausgabe existierte als der Basler Erstdruck und die auf ihn folgenden Drucke.

Mit dieser kritischen Edition wird die 'Stultifera Navis' erstmals einem größeren Publikum zugänglich gemacht. Die Kapitelauswahl wird ergänzt durch sämtliche Vorreden, Briefe und Widmungsgedichte Brants und Lochers. Eine Übersetzung ins Deutsche und ein Stellenkommentar erschließen den Lesern das lateinische Werk.

In welcher Hinsicht sich Brants 'Narrenschiff' und Lochers Bearbeitung unterscheiden, ist Gegenstand der vergleichenden Untersuchung, die u.a. das Motiv der Schiffahrt, den Exempelgebrauch und die Gewichtung von satirischer delectatio und utilitas behandelt. Wie Lochers Arbeitsmethode zeigt, entspringen die antiken Stilisierungen des lateinischen 'Narrenschiffs' dem imitatio-Prinzip humanistischer Dichtung. Auch das "Herzstück" der 'Stultifera Navis' verdankt sich der Orientierung am antiken Vorbild: Im allegorischen Wettstreit von Virtus und Voluptas spiegeln sich die neuplatonisch geprägte Weltsicht Lochers und sein dichterisches Selbstverständnis.

press

[...] so bietet Nina Hartls zweibändige Münsteraner Dissertation einen repräsentativen Ausschnitt des Werkes, den sie durch Kommentar, Übersetzung und Einführung einem breiteren (Fach-)Publikum neu zugänglich macht. [...] Kenntnisreich bündelt sie zentrale Aspekte der Locherschen Übertragung und legt damit ein solides Einführungswerk zur SN [Stultifera navis] in ihrem Verhältnis zur Brantschen Urfassung vor. [...] Nina Hartl [hat] mit ihrer gelehrten, philologisch sauberen, sprachlich wie redaktionell wohl präsentierten Arbeit eine nachhaltige Bresche in die Narrenschiff-Forschung geschlagen und einen weithin verschollenen deutschen Bestseller der Frühen Deutschen Literatur einem breiteren Publikum wie der Frühneuzeitgermanistik zurückgewonnen.
Jörg Robert in: IASOnline [22.04.2005], URL: http://iasl.uni-muenchen.de/rezensio/liste/Robert3893259996_602.html

Die zweisprachige Textausgabe im zweiten Band ist eine verdienstvolle Leistung. Die Auswahl der Texte ist repräsentativ; [...] Die Übersetzung - angesichts des Schreibstils Lochers eine sehr anspruchsvolle Aufgabe - will ausdrücklich nur eine Verständnishilfe bieten und bleibt daher sehr nahe am Text, ja, wo möglich, zeilengetreu. [...] Der Stellenkommentar bietet v.a. einen umfassenden Nachweis von Klassiker- und Bibelzitaten. [...] Die Materialfülle, welche der Stellenkommentar zur Verfügung stellt, ist beachtlich. Hartls kommentierte Textausgabe wird in Zukunft fraglos die Beschäftigung mit der "Stultifera Navis" erleichtern; sie empfiehlt sich auch für den Einsatz im Unterricht [...]
Cora Dietl in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 126, Heft 1. 2004.

[...] hiermit [wird] erstmals eine eingehende Studie zum wichtigsten Buch des deutschen Spätmittelalters vorgelegt [...] fehlten bisher fast alle philologisch-editorischen Erschließungsarbeiten. Diese werden hiermit energisch und überzeugend angegangen [...] insgesamt bietet Hartls Studie weit mehr, als man ernsthaft von einer Dissertation erwarten kann. Vor allem ihre Editions- und Übersetzungsleistung verdient allergrößten Respekt. Es ist dieser akribisch recherchierten, sorgfältig disponierten, abwägend argumentierenden und gut geschriebenen Arbeit zu wünschen, daß sie zum Ausgangspunkt weiterer philologischer und interpretatorischer Beschäftigung mit dem 'Narrenschiff' und der SN werden möge.
F. Eisermann in: Bulletin codicologique,2. 2002.