Tugend, Vernunft und Gefühl

Claudia OpitzUlrike WeckelElke Kleinau (Editor)

Tugend, Vernunft und Gefühl

Geschlechterdiskurse der Aufklärung und weibliche Lebenswelten

2000,  366  pages,  E-Book (PDF),  22,90 €,  ISBN 978-3-8309-5844-4

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Die Geschlechterdebatte im 18. Jahrhundert war erheblich vielstimmiger, als dies von der Forschung bislang wahrgenommen wurde. Die in diesem Buch versammelten Beiträge aus Sozial-, Kultur-, Literatur-, Kunst- und Wissenschaftsgeschichte sowie Philosophie und Historischer Pädagogik gehen der Frage nach, wie und mit welchen Argumenten sich auch Frauen in die Diskussionen um Tugend, Vernunft und Gefühl einmischten und welche Auswirkungen die theoretischen Reflexionen insbesondere auf weiblich konnotierte Lebensbereiche wie Ehe und Sexualität, Mutterschaft und (Mädchen-)Erziehung, Krankheit und Körperlichkeit hatten. Die Fallstudien dokumentieren, dass Gleichheit und Differenz der Geschlechter nicht einfach als zwei konkurrierende Konzepte aufklärerischen Denkens oder als Widerspruch von Diskurs und sozialer Praxis begriffen werden können. Die Aufklärung erweist sich als zu komplex, um aus ihr weiterhin eine schlichte Fortschritts- oder Verlustgeschichte der Frauen abzuleiten.

press

The sixteen contributions to this volume [...] explore a series of topics, individuals, and groups that historians have sometimes neglected in discussing women and sex and gender in the Enlightenment. [...] Equally praiseworthy is the deployment of gender as an interpretive category for both sexes. [...] Each article in this collection can be read with profit by anyone interested in the histories of gender or the Enlightenment. [...] Opitz, Weckel and Kleinau present a collection of articles that, despite the brevity of individual contributions, suggests analyses that scholars studying sex and gender must seriously consider.
Mary Lindemann, in: Central European History, Volume 36, No. 3, 2003, pp. 451ff.

Die Beiträge decken ein breites Spektrum ab: Vertreten sind Sozial-, Kultur-, Literatur-, Kunst- und Wissenschaftsgeschichte, Recht, Philosophie und Pädagogik. [...] [E]rfreulich ist, dass mit dem Selbstzeugnis einer "Kaufmannsidentität" auch ein Blick auf die Genese einer männlichen Geschlechtsidentität ermöglicht wird. [...] Mit der Breite, den unterschiedlichen Perspektiven und divergierenden Schlussfolgerungen ist das in der Einleitung des Sammelbandes von den Herausgeberinnen geforderte Plädoyer für Vielstimmigkeit wahrlich eingelöst worden. Und es ist zu wünschen, dass die Entdeckungsfreude, die sich durch diese Beiträge zieht, auch weiterhin eine neue Sicht auf vermeintlich gesicherte Ergebnisse der Frauen- und Geschlechterforschung ermöglicht.
Franziska Frei Gerlach, in: Dimensionen von Gender Studies. Freiburger FrauenStudien Ausgabe 12/2003, S252ff.

Es wird [...] ein Beitrag geleistet dafür, daß die vereinfachte Sicht auf diese Zeit sich differenziert. Das Werk ist aus Forschungsprojekten hervorgegangen und repräsentiert einen bereits fortgeschrittenen Forschungs- und Diskussionsstand. [...] Trotz des diffizilen Niveaus (oder vielleicht gerade deshalb?) ist [es] auch höchst unterhaltsam und vergnüglich zu lesen: So, wenn gezeigt wird, wie der Hochadel auch seinen auf neue Weise gebildeten Töchtern die freie Partnerwahl untersagt, weil er die Identität des Standes bedroht sah.
Aus: Das Historisch-Politische Buch, 50. Jg., H. 3/2002, S. 272

Die Beiträge [...] dokumentieren eine differenzierte Beschäftigung mit der vielstimmigen Geschlechterdebatte der Aufklärung.
Aus: L'Homme. 12, 2(2001), S. 389ff.

Die Beiträge dokumentieren anhand von Fallstudien, daß die Geschlechterdebattte im 18. Jahrundinder erheblich vielstimmiger war, als dies von der Forschung bisher wahrgenommen wurde [...]
Aus: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde. 2/2001. S. 199.

"Die einzelnen Artikel sind - leider ist das immer noch so - bis auf eine einzige Ausnahme von Frauen geschrieben, wobei den Herausgeberinnen diesbezüglich kein Vorwurf zu machen ist, bemühen sie sich doch ausdrücklich und sehr überzeugend, die Trennung in (klassisch) historische oder systematische Forschung und Frauen- und Geschlechterforschung aufzubrechen und sich an umfassenden Fragestellungen zu orientieren.[...] Der Sammelband überzeugt konzeptionell und insgesamt vor allem deshalb, weil die Beiträge in einen Kontext zu stehen kommen, der mehr Sinn macht, als wenn sie einzeln irgendwo abgedruckt worden wären. So werden spezielle Forschungsergebnisse spannend, die sonst außerhalb der spezifischen Forschungsgemeinde wohl kaum zur Kenntnis genommen würden. [...] Es ist Herausgeberinnen und Herausgebern von Sammelbänden zu empfehlen, dieses hier vorliegende Editionskonzept zum Vorbild zu nehmen. Es würde das Genre "Sammelband" nicht nur von seinem [...] langweiligen Image befreien, sondern der Forschung auch zu neuen fruchtbaren Impulsen verhelfen.[...] ist dieser Band ein äußerst geglücktes Beispiel nicht nur zeitgenössischer Frauen- und Geschlechterforschung, sondern resultat- und diskursorientierter Forschung überhaupt.
(Aus: NPBI Jg. 6 (2000), Heft 2.)