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Tertium Comparationis, Vol. 7 (2001), No. 2

Editor: Sabine Hornberg, Michael Schemmann


Contents


Sabine Hornberg und Michael Schemmann

Stand und Perspektiven international und interkulturell orientierter pädagogischer Berufsfelder

Internationalität und Interkulturalität sind zwei im Kontext des Diskurses um Globalisierung schillernde Begriffe, die sowohl in der öffentlichen wie auch in der erziehungswissenschaftlichen Diskussion deutlich an Präsenz gewinnen (Drechsel, Schmidt & Gölz 2000; Scheunpflug & Hirsch 2000). Sie verweisen auf zentrale Entwicklungen in Kernbereichen der Globalisierung, wie sie beispielsweise Beck umreißt (1997a: 44):

"Globalisierung meint das erfahrbare Grenzenloswerden alltäglichen Handelns in den verschiedenen Dimensionen der Wirtschaft, der Information, der Ökologie, der Technik, der transkulturellen Konflikte und Zivilgesellschaft, und damit im Grunde genommen etwas zugleich Vertrautes und (Hervorh. des Verf.) Unbegriffenes, schwer Begreifbares, das aber mit erfahrbarer Gewalt den Alltag elementar verändert und alle zu Anpassungen und Antworten zwingt."

Im Zuge der Globalisierung werden nationalstaatliche und kulturelle Grenzen zunehmend in Frage gestellt, erweist sich die Vorstellung von in sich geschlossenen homogenen Nationalstaaten und Kulturen zunehmend als dysfunktional (vgl. ebd.: 46 f.). Diese Beobachtung impliziert auch und gerade für die Bildungswesen und die Erziehungswissenschaft die Überwindung national beschränkter Perspektiven, wie sie sich im Zuge der Nationalstaatsbildung durchsetzten konnten (Wenning 1996).
Über den Beginn der Globalisierung herrscht im Spektrum der theoretischen Ansätze und Erklärungsangebote keineswegs Einigkeit. So führt Wallerstein (1983) beispielsweise die Herausbildung eines kapitalistischen Weltsystems im 15. Jahrhundert an, wohingegen Giddens unter Bezug auf die Modernisierung auf das 18. Jahrhundert rekurriert (Beck 1997b).

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Hans-Martin Große-Oetringhaus

Das Berufsfeld pädagogischer Mitarbeiter/innen in entwicklungspolitischen Nicht-Regierungsorganisationen:
Das Beispiel des Kinderhilfswerks terre des hommes

Seit über sechzehn Jahren arbeite ich als pädagogischer Mitarbeiter beim Kinderhilfswerk terre des hommes. terre des hommes hat kein eigenes Bildungs- oder Schulreferat, vielmehr ist die Bildungsarbeit Teil des Pressereferates, das wiederum – zusammen mit dem Spenden- und dem Arbeitsgruppenreferat den Bereich Information bildet. Die Zuordnung der Bildungsarbeit in die Pressearbeit hat eher historische als inhaltliche Gründe. Ich habe dort eine Dreiviertel-Stelle als Medienpädagoge und bin damit der einzige Mitarbeiter auf Referatsebene, der bei terre des hommes für den Bildungsbereich zuständig ist. Noch länger arbeite ich als Autor, vor allem als Kinder- und Jugendbuchautor. Beide Arbeitsfelder sind bei mir inhaltlich sehr eng miteinander verzahnt. Im Grund genommen hat sich das eine aus dem anderen ergeben. Darum möchte ich hier auf beide etwas näher eingehen.

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Gundula Frieling

Von der internationalen Erwachsenenbildung zum globalen Lernen

Tätigkeitsprofil

Meine Berufsbezeichnung lautet Referentin für entwicklungspolitische Bildung im Volkshochschulbereich. Gleichzeitig ist damit ein Projekt benannt, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sachlich und finanziell gefördert wird. Da es in der Bundesrepublik etwa 1.000 Volkshochschulen gibt, in denen jährlich etwa 540.000 Veranstaltungen mit 15 Millionen Unterrichtsstunden stattfinden, geht das BMZ davon aus, dass sich hier ein Potential findet, das man auch für entwicklungspolitische Bildung nutzen und weiter ausbauen sollte.

Meine Aufgabe ist es, Fragen von Entwicklungspolitik und von Entwicklungszusammenarbeit, die die meisten Menschen eher uninteressant finden oder als weit entfernte Probleme sehen, Bürgerinnen und Bürgern nahe zu bringen. Konkret bedeutet dies, dafür zu sorgen, dass in den kommunalen Einrichtungen Volkshochschule Veranstaltungen zu Afrika, Asien und Lateinamerika angeboten werden ebenso wie Veranstaltungen zu Klimaschutz, zu Fragen der Agenda 21, zur Stellung der Frauen in den unterschiedlichen Kontinenten und Ländern sowie zu Fragen von Ernährung, zur Kultur und zum Lebensalltag in den sogenannten Entwicklungsländern. Seit der Agenda 21 spielen aber auch Fragen einer zukunftsfähigen Entwicklung in unserem Land eine wichtige Rolle, und angesichts der Tagespolitik und vieler Fördermaßnahmen beschäftige ich mich im Rahmen der interkulturellen Bildung darüber hinaus mit Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus.

Während das Themenspektrum also sehr vielfältig und weitreichend ist, muss man den Stellenwert entwicklungspolitischer und interkultureller Bildung gemessen am Gesamtangebot von Volkshochschulen eher gering einschätzen. Die folgende Statistik mag verdeutlichen, dass die Förderung dieses Bildungsbereiches wirklich erforderlich ist und dass es gleichzeitig nicht leicht ist, Bürgerinnen und Bürger für diese Themenfelder zu begeistern.

Wenn Sie also davon ausgehen, dass meine Tätigkeit inhaltlich sehr facettenreich ist, aber zugleich auch mühsame Überzeugungsarbeit bedeutet, dann liegen Sie mit diesem ersten Eindruck ganz richtig.

Ich möchte meinen Vortrag in vier Teile differenzieren. Im ersten Teil werde ich eine kurze Übersicht über die Inhalte der entwicklungspolitischen Bildung oder – anders ausgedrückt – des globalen Lernens geben. Sodann werde ich genauer das Anforderungsprofil in meinem Beruf erläutern, im Anschluss eine Brücke zu meinen Qualifikationen schlagen, um dann schließlich daraus Rückschlüsse für die Berufsfelder der Pädagogik zu ziehen, d.h. zu dem übergeordneten Thema der Vorlesung Bezug nehmen.

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Christiane Gerlach

Fort- und Weiterbildung in einem sozialen und internationalen Dienstleistungsunternehmen
– die Akademie des Deutschen Roten Kreuzes e.V.

Das Berufsfeld der Pädagogik hat sich in den letzten Jahren im Rahmen der Diskussion, die sich um Kernbegriffe wie "lebenslanges Lernen", "selbstgesteuertes Lernen", "Schlüsselqualifikationen" etc. rankt, insbesondere im Bereich der Erwachsenenbildung/Weiterbildung arbeitsmarktrelevant ausdifferenziert. Bedingt durch wirtschaftlich und bildungspolitisch unterstützte Weiterbildungsoffensiven erfuhr der formale Bereich der Erwachsenenbildung einen deutlichen Anstieg von Bildungsanbietern auf dem Markt. Hier nimmt die berufliche Anpassungs- bzw. Aufstiegsqualifizierung einen wesentlichen Part ein. "Führungskräfte ... in ihrer Kompetenzentwicklung zu unterstützen" oder die "Schaffung einer neuen Lernkultur, ... die effektives und kontinuierliches Lernen anstrebt" werden als zentrale Anliegen moderner Unternehmen und moderner Organisationen herausgestellt.

Dass dies nicht nur in einem Wirtschaftsunternehmen der Fall ist, sondern auch in sogenannten Non-Profit-Organisationen, wird im Folgenden an einem konkreten Beispiel verdeutlicht. Es soll veranschaulicht werden, welche pädagogischen aber auch darüber hinaus gehenden "schlüsselqualifikatorischen" Kompetenzen für die Aufgabenbewältigung einer Bildungsinstitution wie der Akademie des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf der Ebene der Nationalen Gesellschaft aber auch in einer international verankerten Struktur der weltweit tätigen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaft relevant sind.

Ich möchte versuchen zu reflektieren, inwiefern Studieninhalte bzw. Aspekte des Studienverlaufs mich als Bildungsreferentin in dieser Institution auf spezifische Aufgaben und Anforderungen der beruflichen Realität vorbereitet haben und welche besonderen internationalen bzw. interkulturellen Komponenten des Studiums in meiner jetzigen Tätigkeit Anwendung finden.

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Michael Schramm

Pädagogische Qualifizierung zwischen Kommunalverwaltung und Europäischer Union

Bevor ich im Folgenden mein Berufsfeld skizziere, möchte ich eingangs auf einige meiner bildungs- und berufsbiographischen "Stationen" eingehen. Ich habe zunächst ein Studium an der Fachhochschule für Sozialarbeit in Dortmund aufgenommen. Die Inhalte dieses Studiums hätten – zumindest auf den ersten Blick – von den jetzt bedeutsamen Aspekten meiner Tätigkeit im Regionalsekretariat nicht weiter entfernt sein können. Innerhalb meines Fachhochschulstudiums an der FH Dortmund standen Themenbereiche wie Freizeitpädagogik, Gemeinwesenarbeit, Sozial- und Jugendrecht, Sozialpsychologie, Methoden der Sozialarbeit und Verwaltung im Vordergrund.

Zu diesem Zeitpunkt war mir sicher noch nicht klar, dass ausgerechnet der Bereich "Verwaltung" mir einmal sehr hilfreich in meiner täglichen Arbeit werden sollte. Viel wichtiger war zu diesem Zeitpunkt der sozialarbeiterische Aspekt, der vor allem in den rechtsbezogenen Fächern, aber auch in Methodenseminaren und pädagogischen Praktika im Mittelpunkt stand. Gerade diese Praktika wurden an der Fachhochschule als zielgerichtete Orientierung für die spätere Berufspraxis gesehen. So arbeitete ich in einem Gemeinwesenprojekt innerhalb einer Obdachlosensiedlung, auf einem Abenteuerspielplatz und in einer Beratungsstelle für Alkoholkranke in Dortmund. Die Praktikumsphasen wurden durch Dozenten der FH intensiv betreut, Probleme innerhalb der Tätigkeiten konnten sowohl in bilateralen Gesprächen mit der Praxisanleitung als auch in Gruppensitzungen mit den anderen Praktikanten ausgearbeitet werden. Als notwendige Zusatzmodule waren verbindliche Kurse in Beobachtung, Gesprächsführung und Beratung zu belegen. Die Inhalte dieser Module spiegelten die Arbeitsrealität von Sozialarbeitern wider, zu deren Hauptbeschäftigungsfeld die direkte Kommunikation mit dem Klienten gehört. Insgesamt kann man rückblickend sagen, dass die Ausbildung an der Fachhochschule eine konkretere, an der beruflichen Praxis ausgerichtete Ausbildung darstellt, als es ein Universitätsstudium ist oder vielleicht auch sein kann.

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Knut Schwippert

Den Fuß in der Tür.
Von der Hilfskraft zum Wissenschaftler

Ende September 1989: "Jetzt bin ich also in Hamburg". Gerade hatten meine Freunde meine erste eigene Wohnung verlassen, als mir so richtig bewusst wurde, dass ES jetzt richtig los geht. Im Oktober wollte ich das Studium zum Gewerbelehrer an der Universität Hamburg mit den Fächern Elektrotechnik und Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Wirtschaft anfangen. Das Ziel stand fest: Ich wollte Berufsschullehrer werden und nach meinem Studium wieder nach Kiel zurückkehren, um dort mein Referendariat zu machen und schließlich als Gewerbelehrer zu arbeiten. Ein Traum fing an, sich zu erfüllen.

Aber wie bin ich zu diesem Traum, zu diesen damals unumstößlichen Plänen gekommen? Am Ende der Realschule stand für mich als 16-Jährigen fest: nie wieder Schule! Gesagt, getan: eine Lehrstelle zum Nachrichtengerätemechaniker und anschließend zum Informationselektroniker (damals hatte sich gerade die Stufenausbildung im Dualen Ausbildungssystem etabliert) war zügig gefunden. Das war es! Schrauben, sägen, drehen und fräsen; abisolieren, Kabelbäume binden und löten lagen ganz "auf meiner Wellenlänge". Aber nicht nur an der Praxis hatte ich meine Freude, auch die Theorie begeisterte mich. Durch betriebsinterne Schulungen und den Unterricht in der Berufsschule angeregt, begann ich mich mit Themen, die außerhalb meines Lernfeldes lagen, zu beschäftigen. Mit fortschreitender Lehre faszinierte mich die Idee, mein Wissen an Andere weiterzugeben. Die Vermittlung der Theorie, die Perspektive, sich ständig weiterbilden zu können und der notwendige Kontakt zur Praxis ließen die Idee in mir keimen, in der professionellen Wissensvermittlung eine Zukunftsperspektive zu sehen. Stellte sich nur noch eine Frage: Wie wird man Berufsschullehrer?

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