Geschichten und Phantasien über sich zusammenrottende, wütende und schimpfende "Weiber", die gemeinsam ein Gefängnis erstürmen und Gefangene befreien oder eine Stadt vor den Feinden retten, faszinieren uns bis heute. Seit dem 19. Jahrhundert finden diese Bilder in Kunst, Literatur und Theater ihre Verarbeitung – eine stetige Popularisierung von Frauenaktionen, die bewirkte, dass sie sich fest in unser Gedächtnis eingegraben haben. Diese Studie spürt – basierend auf Gerichtsakten zu Aufständen in Südwestdeutschland – den historischen Wirklichkeiten dieser Frauen nach und verdeutlicht, auf welche Weise diese Aktionen von zeitgenössischen Chronisten wahrgenommen wurden. AutoreninfoSabine Allweier, Jg. 1965, studierte in München und Freiburg Volkskunde, Geschichte und Kulturgeographie. 1995 schloss sie ihr Studium mit dem Magister Artium ab, danach war sie Volontärin an der Landesstelle für Volkskunde, Freiburg. Zur Zeit ist sie wissenschaftliche Assistentin am Seminar für Volkskunde der Universität Basel. Pressestimmen Die Arbeit ist klar gegliedert, die Verfasserin umreißt die Forschungslage, gibt erschöpfend (aber nicht ermüdend) Auskunft über Quellen und Methoden, […] Sabine Allweier hat einen spannend zu lesenden Beitrag zur Entmythisierung weiblichen Protestverhaltens geleistet. Sie bietet überdies eine profunde Analyse, die Einblick in Frauenwirklichkeiten der frühen Neuzeit gewährt – und nicht zuletzt ein gelungenes Beispiel für historisches volkskundliches Arbeiten. Sabine Allweier zeigt in ihrer Dissertation, wie sich die Frauen untereinander verständigt und sich bei ihrem Vorgehen auf ihre Alltagserfahrungen verlassen haben. Die Teilnahme am öffentlichen Leben, wenn auch nicht als mündige Bürgerin, ergab sich schon aus der damals selbstverständlichen Rolle als mitarbeitende Ehefrau. "Die eingehende Analyse der ausgewählten 'Brennpunkte' läßt die Vielschichtigkeit weiblicher Lebenswirklichkeiten im untersuchten Zeitraum erkennen und zeigt, daß es dringend erforderlich ist, die historischen 'Geschichten', die das Bild aufständischer Frauen bis heute prägen, auf ihren Platz in der Märchenecke zu verweisen und durch weitere Arbeiten wie diese zu ersetzen." Diese Freiburger Dissertation belegt eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit der historisch-archivalischen Methode der Volkskunde an einem spannenden Beispiel: dem Wirken von Frauen in "Aufständen Südwestdeutschlands 1688–1777". […] Die Hintergründe, die Umstände, den Ablauf der Geschehnisse schildert Allweier mit großer Sorgfalt und mit spannenden Perspektivwechseln. […] Im Hinblick auf die innere Struktur der Aufstände kommt Sabine Allweier ebenfalls zu ganz unprätentiösen, aber überaus aufschlußreichen und zum Teil überraschenden Ergebnissen. […] Darin liegt die Stärke und vervorragende Leistung dieser Dissertation, daß sie das aufständische Verhalten von Frauen aus deren Alltagsleben heraus verständlich macht. Sabine Allweier bietet im Ergebnis eine Fallstudie, die die in eine solche gesetzten Erwartungen zu befriedigen und das Wissen zu bereichern vermag. Die Autorin versteht es, das wissenschaftliche Gerüst mit zahlreichen Zitaten zu beleben, […] Ein ausführliches Literaturverzeichnis belegt nicht nur die Einfügung in den Forschungsstand, sondern greift in andere Bereiche hinein, so daß man spürt, wie die Einzelaktionen allseitig beleuchtet wurden. Frauengeschichte […] wird hier dagegen als wichtiger Stein in das kulturgeschichtliche Mosaik eingefügt, zwar mit Engagement, aber auch mit Augenmaß, eben "Frauenwirklichkeiten" und keine rückwärts gezielte Projektion unserer Jahre. Ein nützliches und erkenntnisreiches Buch […] […] die souveräne quellenkritische Analyse der Chroniken [ist] hervorzuheben. Es wird schlüssig nachgewiesen, daß eine Vielfalt von zeitgenössischen Stereotypen in die Schilderungen einflossen. Insgesamt zeigt die Analyse, daß Frauen bestens informiert waren und durchaus Anteil am politischen Geschehen nahmen, sofern ihre Lebenswelt davon betroffen war. Das öffentliche Aktionsfeld betraten Sie aber erst, wenn der Konflikt bereits so weit eskalierte, daß Männern ein strafloses Handeln nicht mehr möglich war. Teilweise trennten sich Männer und Frauen dann und nutzten die mindere Rechtsstellung der Frauen gezielt aus. 2001, Kieler Studien zur Volkskunde und Kulturgeschichte, Bd. 1, 262 Seiten, br., 25,50 EUR, ISBN 978-3-89325-912-0
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