Nach getaner Arbeit, wenn sich die Gruppe um das Feuer versammelt, ist es in Burundi auch heute noch Brauch, die Ereignisse des Tages zu erzählen und sie durch Märchen zu reflektieren, zu kommentieren und in übergeordnete Zusammenhänge zu stellen. Die burundischen Märchen entspringen der mündlichen Tradition, ihr Erzählablauf richtet sich aber nach der aktuellen Situation einer Gemeinschaft, der Stimmung der Zuhörer und deren tatsächlichen Erfahrungen. Sie vermitteln somit Lebenshilfe und Lebenskunst. Der Lehr- und Lernprozeß durch die Märchenerzählung ist fester Bestandteil eines Bildungssystems, das weniger auf institutionellen Einrichtungen beruht, sondern Erziehung und Ausbildung in die Familie und das enge soziale Umfeld integriert. Die traditionellen Werte und Normen werden im Erzählen weitergegeben. Man lernst zum Beispiel, diejenigen zu mißbilligen, die sich vor der Arbeit drücken, verachtet Unmäßigkeit und Hemmungslosigkeit, Böswilligkeit, Haß oder Selbstüberheblichkeit. Die burundischen Märchen entführen ihre Zuhörer dabei in eine fremde Welt voll von Wundersamen, Spannung und phantastischen Bildern.
"Wer seine Kinder mit Knusperhexen und Meerjungfrauen nicht mehr beeindrucken kann, sollte getrost Löwen und Leoparden aus dem Sack lassen. Auch Erwachsenen bietet das Buch spannende Einblicke in eine Archaische Gesellschaft voller Romantik und Mitmenschlichkeit."
1997, 90 Seiten, mit 10 s/w-Illustrationen, br., 12,70 EUR, ISBN 978-3-89325-592-4
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