Der Mimesisbegriff spielt in der aktuellen kulturwissenschaftlichen
Diskussion eine zentrale Rolle. Dabei steht allerdings nicht mehr der
ästhetische Begriff der Nachahmung im Vordergrund. Mimesis erscheint vielmehr
anthropologisch als Verhaltensweise, die die fixe Gegenüberstellung von
Mensch und Natur, Subjekt und Objekt, Ich und Anderem auflöst. Die Autorin
beschreibt den Bedeutungswandel von Mimesis aus der Mitte der modernen
kulturellen Entwicklung, wie sie im Theater auf dem Theater nach 1900
reflektiert wird.
In dem Zusammenbruch der dramatischen Repräsentation und in der Profilierung der spezifischen Medialität des Theatermediums, der Entdeckung der "Theatralität", zeichnet sich zugleich der Wandel der Mimesis ab. Mimesis erhält eine neue Bedeutung, wo die Negation des literatur- und sprachzentrierten bürgerlichen Theaters und die Stärkung der Theatralität die herkömmliche Hierarchie der Wirklichkeiten aufsprengen. In Texten von Antonin Artaud, Walter Benjamin, Hermann Broch, Alfred Döblin, Curt Goetz, Else Lasker-Schüler, Luigi Pirandello, Arthur Schnitzler und Frank Wedekind werden elementare mimetische Qualitäten sichtbar. Destabilisierende, magische, adaptive und gestische Aspekte mimetischer Prozesse treten an die Stelle von "Nachahmung". Dieses Ineinander von Mimesis und Theatralität im Theater auf dem Theater reflektiert die moderne "Krise der Repräsentation" und experimentiert mit ihr: ein literarisches Spiel als Beitrag zur Bestimmung von Moderne. AutoreninfoMit der vorliegenden Arbeit promovierte die Autorin an der Philosophischen Fakultät II (Institut für deutsche Literatur, bei Prof. Dr. Klaus R. Scherpe, Lehrstuhl für neuere deutsche Literatur/Kulturwissenschaft und Medien) der Humboldt-Universität zu Berlin. Katrin Ehlers, Jahrgang 1969, studierte an der Freien Universität Berlin und an der University of Texas at Austin, U.S.A., Neuere deutsche Literatur, Theaterwissenschaft und Publizistik. 1997, IHS, Bd. 257, 315 Seiten, br., 29,90 EUR, ISBN 978-3-89325-573-3
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