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Ulla Siebert

Grenzlinien

Selbstrepräsentationen von Frauen in Reisetexten (1871 bis 1914)


In der Kaiserzeit sind zahlreiche deutsche Frauen unter zum Teil strapaziösen Bedingungen in die außereuropäische Welt gereist. Nicht nur adelige, auch bürgerliche Frauen nahmen sich zunehmend das Recht heraus, auf Reisen zu gehen. Ihre Reisemotive, Reiseformen und Reiserouten waren ebenso unterschiedlich und vielfältig wie ihre Reisetexte, ihre Selbstrepräsentationen und Textualisierungsstrategien in der Darstellung des Fremden. Gleichzeitig waren die Frauen alle mit zeitgenössischen Urteilen über das Frauenreisen und die "weibliche Schriftstellerei" einerseits sowie mit Stereotypen und rassistischen Einstellungen dieser Epoche zu fremden Menschen andererseits konfrontiert.

Anknüpfend an diskurstheoretische und postmoderne Ansätze in der Ethnologie und feministischen Kulturanthropologie fragt die Autorin am Beispiel der Prinzessin Therese von Bayern (1850–1925) und der Hamburger Weltreisenden Sophie Döhner (1844–1933) nach den Konstruktionen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Frauen sowohl in ihren Selbstrepräsentationen im Reise- und Schreibprozeß als auch im zeitgenössischen Diskurs über das Frauenreisen. Es wird versucht, die Grenzen und Überschneidungen der Bereiche 'gender', soziale Zugehörigkeit und Nationalität nachzuzeichnen. An zahlreichen Beispielen werden die gegenseitigen Abhängigkeiten dieser Analysekategorien, ihre Durchkreuzungen, Verwobenheiten und Widersprüche untersucht.

Neben Selbstentwürfen und Darstellungstechniken im Text beschäftigt sich die Arbeit außerdem mit den sozialen Netzwerken der reisenden Frauen unterwegs und Zuhause und mit ihren diskursiven Beziehungen zu anderen AutorInnen.

Das Buch wendet sich sowohl an ein am Thema 'Frauenreisen' allgemein interessiertes Publikum als auch speziell an EthnologInnen/KulturanthropologInnen, VolkskundlerInnen und LiteraturwissenschaftlerInnen.

Pressestimmen

"Sicherlich keine leichte Lektüre für den Urlaub, aber eine Werk, das einen wichtigen Platz in der Frauenreiseforschung einnimmt."
Tagblatt Anzeiger, 24. März 1999

"Die feministische Reiseforschung betonte […] stets das verbindende Element zwischen den Pionierinnen – ihre Geschlechtszugehörigkeit. In Grenzlinien […] belegt Ulla Siebert nun Differenzen […]. Untermauert wird die These von Zitaten aus den Reiseberichten der ersten Touristinnen, die noch heute interessant, oft auch amüsant zu lesen sind."
Die Zeit, Nr. 36, 2. September 1999

Insgesamt eine überaus lesenswerte Arbeit, die nicht nur Tourismusforschern wärmstens ans Herz zu legen ist!
Aus: Zeitschrift für Volkskunde 2002/II, S. 313.


1998, IHS, Bd. 246, 250 Seiten, br., 25,50 EUR, ISBN 978-3-89325-526-9

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